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Für einen Film wie "Bullhead" muss man in der nötigen Stimmung sein, sich einlassen können auf eine dramatische und nicht leicht zu verdauende Geschichte, die aufgrund ihrer tiefen Traurigkeit und auch emotionalen Wucht nicht kalt lässt.

Die Geschichte des belgischen Rinderzüchters Jacky behandelt mehrere Themen. Es geht allgemein betrachtet um die Hormon-Mafia, im Speziellen aber um viel mehr, nämlich Schuld, Sühne, Freundschaft und die verlorene Unschuld der Kindheit. Die Parallelen zwischen Jacky "Bullhead" Vanmarsenille und seinen Tieren zeigt sich an verschiedenen Stellen. Wie sie ist er ein Gefangener, in dem sich wahnsinnig viel Aggression angestaut hat, die sich immer wieder entlädt. Das hängt auch mit den Hormonen zusammen, die er nicht nur seinen Rindern verabreicht, sondern auch selbst über jedes angemessene Maß (wenn es das überhaupt gibt) hinaus konsumiert.

Welche Geschichte sich hinter der Fassade des Schwergewichts verbirgt, erfährt der Zuschauer erst nach etwa der Hälfte des Films. Was aber recht früh deutlich wird, ist, dass sich hinter der harten Schale eine verletzte Seele befindet. Zu viel sei zur weiteren Handlung nicht verraten, aber es sei so viel gesagt, dass die Geschichte einige Entwicklungen verknüpft und dabei aus meiner Sicht fast zu viele Töpfe aufgemacht werden. So kommt es fast zu einer Überforderung des Zuschauers, denn das Gezeigte muss verdaut und verarbeitet werden. Eine größere Konzentration auf die persönliche Geschichte Jackies hätte dem Film meiner Meinung nach gut getan.
Nichtsdestotrotz war ich die gesamte Zeit über gefesselt und "in der Geschichte". Ursprünglich hatte ich geplant, den Film in zwei Etappen zu schauen, woraus letztlich aber nichts wurde, eben weil ich so gefangen genommen war von der Handlung.

Dass der Film solch eine Wirkung erzielt, liegt vor allem am Spiel des Hauptdarstellers Matthias Schoenaerts, der wirklich beeindruckend agiert und die Trauer, den Schmerz und die Wut Jackies glaubhaft verkörpert. Ebenso seien die Bilder, die die Handlung untermalen und die Stimmung perfekt spiegeln, erwähnt. Sie bleiben, genau wie die sprachlos zurücklassende Geschichte, noch lange nach dem Sehen im Gedächtnis.

"Bullhead" ist zusammengefasst ein intensives und auch durchaus anstrengendes Filmerlebnis, das ich dennoch empfehlen möchte.

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