Review

Menschenjagd liegt wieder voll im Trend und auch dem Franzosen Chris Briant gefiel offenbar die Thematik so sehr, dass er sich als Regisseur auch gleich die Hauptrolle schenkte.
Für das erste Mal stellt er sich in beiden Belangen nicht ganz dumm an, doch der Stoff hätte eine deutlich straffere Inszenierung mit mehr Konzentration aufs Wesentliche benötigt.

Le Saint (Briant) ist ein mit Auszeichnungen dekorierter Afghanistan-Veteran, der in einer Kleinstadt als Polizist anfängt. Als er einen Kronzeugen der Mafia in einem stillgelegten Fort trifft, sehen sich beide plötzlich einer Jagd ausgeliefert, denn die vier Jäger schießen schon lange nicht mehr auf Tiere…

Die Erzählung benötigt sage und schreibe eine Dreiviertelstunde, bis sie überhaupt ein wenig an Fahrt aufnimmt, obgleich die Expositionen einen Countdown einläutet, der unweigerlich zu einer Szene im Wald führen wird.
Bis dato werden die Figuren eingeführt und dabei gelingt es immerhin ein wenig Sozialkritik unterzubringen, denn im Grunde ist die Jagd für die vier Männer das Ventil ihres Alltagsfrusts im jeweiligen Job, sei es als Bedienung, als Lehrer oder Computerfachmann.

Le Saint bekommt hingegen lediglich das Trauma aus einem Kriegseinsatz mit auf den Weg, da er nach der Begegnung mit einer Tretmine mehrere Monate im Hospital verbrachte. Was ihn ein wenig auszeichnet, ist der Mut, sich gegen seinen Vorgesetzten zu behaupten und auf die ungewöhnlich hohe Zahl vermisster Personen hinzuweisen. Die Begegnung mit der hübschen Alice beim Joggen im Park bleibt hingegen zunächst ohne Folgen, erst im letzten Drittel taucht die Frau ein wenig erwartungsgemäß noch einmal auf.

Als die Jagd endlich eröffnet wird, kann vor allem die Kulisse mitsamt der effektiven Farbgebung im Einklang mit der grundsoliden Kamera punkten. Die große Festung mit einigen Tunnelgängen, teils eingefallen, teils umgeben von Bäumen bringt eine trübe Stimmung ins Spiel, welche durch die ordentliche Sounduntermalung adäquat unterstützt wird.

Leider kommt bei alledem nicht viel Action herum. Hier und da einige Schusswechsel, natürlich kommen die vom Trauma bekannten Tretminen zum Einsatz, es gibt einen recht harten Fight, doch aus dem etwas sonderbaren Verhalten der Jäger wird man zum Teil nicht schlau. Im letzten Drittel kommen gar einige bizarre Szenen hinzu, eine makabere Sammlung wird enthüllt und ein Twist ist ebenfalls im Spiel. Das Intermezzo mit Alice und ihrem Freund nimmt zum Finale allerdings deutlich Wind aus den Segeln und auch der eigentliche Showdown gerät enttäuschend unspektakulär und eher spannungsarm.

Auf darstellerischer Ebene muss Regisseur Chris Briant noch deutlich üben, denn Ausdruck gehört nicht zu seinen Stärken. Besser und überzeugender performen seine Kollegen, zumal mit Terence Knox, Tony Becker und Steven Waddington ein paar bekannte Gesichter an Bord sind.
Leider ist die dazugehörige Synchro mal wieder richtig mies ausgefallen, nach Möglichkeit sollte man den Streifen im Originalton sehen.

Im Endeffekt ist Briants Regiedebüt mit guten Ansätzen ausgestattet, - Location, Kamera, Sound, die meisten Mimen, ein paar kleine Splattereinlagen, - alles okay. Doch die Geschichte nimmt sich zunächst zuviel Zeit für Nebensächlichkeiten, um bei der eigentlichen Jagd relativ frei von Action zu sein und den Showdown nicht allzu spannend zu gestalten.
Zuweilen fahrig erzählt, verliert die Geschichte so manches Mal den Fokus aus den Augen, so dass sich die ohnehin recht üppige Laufzeit von 107 Minuten insgesamt noch ein wenig länger anfühlt. Freunde des typischen Survival-Thrillers sollten dem Stoff folgerichtig vorsichtig begegnen, denn ein typischer Vertreter mit den wesentlichen Zutaten findet man nur bedingt vor.
5,5 von 10

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