"The devil inside" baut seine Story auf zwei Vorbildern auf - es nimmt sich die vielen Filme über Teufelsaustreibung seit dem "Omen" als Grundlage, die ja schon allein ob ihrer Vielfalt nachgewiesen haben, das vom Teufel besetzte Menschen Realität sein müssen. Und bekanntlich war die Hexe in "Blair witch project" auch echt, weshalb die hübsche Isabella (Fernanda Andrade) den Dokumentarfilmer Michael Schäfer (Ionut Grama) gleich mitnimmt, als sie ihre Mutter (Suzan Crowley) im Gefängnis in Italien 20 Jahre nach deren Inhaftierung erstmals besucht, damit dieser möglichst alle Details aufnimmt.
Die junge Frau macht einen empfindsamen Eindruck und scheint angemessen nervös bei ihrer Begegnung mit der Mutter, die wegen dreifachen Mordes in eine Spezialklinik für geistesgestörte Mörder gesperrt wurde, was sie aber nicht davon abhält, sich immer von einer Kamera beobachten zu lassen. Daran lässt sich der grundlegende Schwachpunkt des Films feststellen, denn während bisher immer ein gewisser Eigensinn des Kameramannes Voraussetzung war, bekommt hier die Kameraarbeit einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich. Doch auch wenn Isabella schon mit dem Gedanken nach Rom geflogen war, ihre Mutter könnte vom Teufel besessen sein - ein Eindruck, der sich dann bei ihrem ersten Besuch im Gefängnis erhärtet - wirkt es wenig überzeugend, dass sie den sensibelsten Moment der ersten Wiederbegegnung zwischen Mutter und Tochter nach so vielen Jahren, gleich in Bild und Ton festhalten lassen will.
"The devil inside" versucht quasi mit Gewalt die Themen subjektive Handkamera und Teufelsaustreibung zu kombinieren, und übersieht dabei völlig, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit daraus auch ein spannender Film wird - die Identifikation des Zuschauers mit der Person, aus deren Sicht die Handlung gefilmt wird. Durch das beschränkte Sichtfeld der Kamera kann der Eindruck entstehen, das außerhalb des Kamerablicks Gefahren lauern, aber das ist hier nie der Fall - im Gegenteil wird häufig auf eine Art Raumkamera umgeschaltet, die den gesamten Bereich darstellen kann.
In "The devil inside" fragt man sich als Betrachter stattdessen, warum man sich überhaupt den Personen nähern sollte, die angeblich vom Teufel besessen sind - man wird zwar Zeuge von viel Geschrei, wilden Verkrümmungen und übermenschlichen Kraftakten, aber immer aus einer sicheren Perspektive heraus, ohne das Gefühl zu bekommen, selbst bedroht zu werden. Ganz abgesehen davon, dass der dokumentarische Charakter darunter leidet, wenn Isabella mit den beiden Patern David (Evan Helmuth) und Ben (Simon Quaterman), Spezialisten für Teufelsaustreibung, in ein Kellerloch hinabsteigt, um einer total verkrümmten, festgegurteten jungen Frau zu helfen, die sauber unter den Achseln rasiert ist. Zu real sollte die Darstellung dann doch nicht sein.
Letztlich handelt es sich dabei um ein unwichtiges Detail, aber es ist symptomatisch für einen Film, der über keinen Spannungsaufbau verfügt. Stattdessen lässt er den Betrachter an ewigen Diskussionen der Protagonisten über die Rechtfertigung der Teufelsaustreibung teilhaben, begleitet von den schweren Gewissensgebissen des Paters David, der immer wieder in Zwiespalt zu seinem Priesteramt gerät. Nur wenige Momente unterbrechen diese streng wissenschaftlichen Ergüsse, in denen Jemand wie gewohnt mit rollenden Augen auf Besessen machen darf. Auch wenn es dabei kleinere Schockmomente gibt, verspielt der Film zunehmend jeden Kredit, und kann am Ende nur noch unfreiwilliges Gelächter erzeugen (2/10).