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Nicht selten wird beim Subgenre des Home Invasion Films gleichzeitig auf den Charakter eines Kammerspiels gesetzt, um die bedrückende Stimmung zu verstärken und die Ausweglosigkeit der Überfallenen zu untermauern.
In diesem Fall verhält es sich ähnlich, nur dass der Fremde zum Schutz des Paares darauf beharrt, nicht das Haus zu verlassen.

Die Ehe von Kate (Thandie Newton) und Martin (Cillian Murphy) leidet enorm seit ihrer Fehlgeburt. Für einen letzten Annäherungsversuch will das Paar ein paar Tage in einem Cottage auf einer menschenleeren Insel bei Wales verbringen, als sie eines Tages einen verletzten Fremden (Jamie Bell) aufgabeln, der sich als Soldat Jack ausgibt. Jack erzählt den beiden von einer sich rasend schnell ausbreitenden Pandemie, die über die Luft erfolge, weshalb man das Haus komplett isolieren müsste. Anfangs glauben sie dem Fremden, doch nach und nach kommen Zweifel auf, ob Jack nicht vielleicht ein entflohener Psychopath sein könnte…

Die Reduktion auf gerade einmal drei Figuren erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl für einen Regieneuling, doch Carl Tibbetts gelingt eine treffsichere Einführung des Paares, welches noch sichtlich mit der Krise des verlorenen Kindes zu kämpfen hat.
Just in dem Ferienhaus angekommen, leben die beiden aneinander vorbei, denn Journalistin Kate isoliert sich und verarbeitet das Trauma mit einem Artikel, während Martin viel Zeit an der frischen Luft verbringt, Kate jedoch kaum entgegen kommt, so dass es noch nicht einmal zu schlichten Umarmungen oder gar lieben Worten kommt, was keine vorteilhafte Basis im gemeinsamen Verhalten gegenüber einem Fremden darstellt, dessen Absichten möglicherweise eher finsterer Natur sind.

Dabei funktioniert der Spannungsbogen infolge mehrerer Umstände recht gut, denn als Zuschauer weiß man nie mehr als das Paar und kann darum nicht abschätzen, ob außerhalb der Insel wirklich eine Pandemie ausgebrochen ist, zumal der Funkkontakt zu ihrem ansonsten verlässlichen Fährmann abrupt abgebrochen ist.
Erschwert wird die prekäre Situation durch die Tatsache, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, da es kein Boot gibt und das Festland kilometerweit entfernt liegt.
Es bleibt also nur die Frage des Vertrauens, was bei dem sich recht ambivalent verhaltenden Jack ganz schwer abzuschätzen und bis zum Finale nie exakt einzuordnen ist.

Nicht nur aufgrund der Kulisse fühlt man sich zuweilen unweigerlich an „Wer Gewalt sät“ erinnert, denn auch das Sujet stimmt in vielen Punkten mit Peckinpahs Klassiker überein.
Allerdings war der seiner Zeit weit voraus, während vorliegende Erzählung kaum innovative Verlaufsbahnen einschlägt und eher die sicher Seite wählt, um das Kammerspiel zu einem schlüssigen Ende zu bringen. Diverse kleine Wendungen helfen allerdings, die Spannung konstant aufrecht zu erhalten und der letzten Einstellung noch ein zynisches I-Tüpfelchen aufzusetzen.

Auch wenn die drei Darsteller unterschiedliche Stärken einbringen, funktioniert das Zusammenspiel gut und allgemeine Glaubwürdigkeit wird durchweg transportiert. Jamie Bell überrascht mit einem facettenreich intensiven Spiel und verleiht seinem Jack genau jene Unberechenbarkeit, die ihn ausmacht. Thandie Newton schwächelt in der ersten Hälfte ein wenig, liefert aber vor allem im letzten Drittel ein paar sehr starke Szenen ab. Dagegen kommt Cillian Murphy zu keiner Zeit an, zumal sein Charakter ein wenig ins Lethargische abdriftet, bevor er sich noch einmal berappeln kann.

Regieneuling Tibbetts hat also einen beachtlichen Einstieg ins Filmgeschäft hingelegt, indem er eine simple Erzählung stets mit Spannungsmomenten und kleinen Wendungen versorgt, den atmosphärischen Schauplatz der rauen walisischen Naturkulisse oft nur kurz aber gekonnt einfängt und seine Figuren zwar nicht immer glaubhaft, oft aber nachvollziehbar handeln lässt.
Ein passabler Psychothriller mit solidem Unterhaltungswert auf inszenatorisch guten Niveau, - durchaus eine Empfehlung wert.
7 von 10

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