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Nachdem „The Heartbreak Kid“ 2007 eher mäßig an der Kasse lief und künstlerisch einer Bankrotterklärung gleichkam, wurde es im Kino still um die einstigen Comedy-Hitgaranten Bobby und Peter Farrelly, die sich dann anno 2011 mit „Hall Pass“ auf der Großleinwand zurückmeldeten.
Männer und Liebesnöte sind erneut das Thema der beiden Brüder, wobei man den Erfolg von Judd Apatow in „Hall Pass“ zu fühlen scheint: Keine Durchgedrehten oder depperten Simpel spielen die Hauptrolle, sondern zwei normale Männer: Rick (Owen Wilson) und Fred (Jason Sudeikis). Beide sind verheiratet, Rick mit Maggie (Jenna Fischer), Fred mit Grace (Christina Applegate). Allerdings macht sich Unzufriedenheit in den Normalo-Ehen der beiden breit, die Männer fühlen sich sexuell vernachlässigt und würde gerne wieder die Freiheiten des Single-Daseins genießen, womit sich „Hall Pass“ eines tatsächlichen Beziehungsproblems auf komödiantische Weise annimmt.
Während die beiden Herren der Schöpfung in der Männerrunde das Maul aufreißen, von theoretischem Sex mit anderen Frauen reden und sich die besten Tipps zuschustern wie man (scheinbar) unbemerkt ebenjenen anderen Frauen hinterher gucken kann, haben die Damen der Schöpfung längst begriffen was läuft. Eine Freundin gibt Maggie und Grace einen Tipp: Sie soll den Männern einen Freifahrtschein, den titelgebenden Hall Pass, den es in amerikanischen Schulen gibt, erteilen, weil dies bei ihrer Ehe schon geholfen hat. Soweit also die Prämisse, mit der „Hall Pass“ sein Alleinstellungsmerkmal unter den zig US-Komödien besitzt, in denen sich oft immer wieder dieselben Hauptdarsteller die Ehre geben.

Während die Frauen mit allen eventuellen Kindern zu Oma und Opa fahren, wollen die beiden Wochensingles die neue Freiheit genießen. Bald merken sie allerdings, dass sie eben nicht mehr die jungen Wilden ihrer früheren Singlezeit sind…
Es ist schon eigenwillig: Die Farrellys gehören zu den Wegbereitern der mittlerweile sehr erfolgreichen R-Rated-Komödie, doch hier hecheln sie hängen sie sich, wie gesagt, anscheinend an das Apatow-Modell an, das lebensnahe Themen komödiantisch, aber nie zu abgedreht verhandelt, weshalb „Hall Pass“ auch etwas uneben wirkt. Hin und wieder kommen die klassischen Farrelly-Gags durch, bei denen Körperflüssigkeiten eine wichtige Rolle spielen (solche Gags gibt es bei Apatow hin und wieder auch, doch wesentlich seltener und wesentlich weniger zelebriert), der Film an anderen Stellen sich dagegen dem Farrelly-typischen Gaga-Blödsinn verweigert, am Ende sogar auf ein stockkonservatives Happy End hinsteuert, bei dem sich beide Paare wieder vertragen, Rick und Maggie dazu noch ohne Flecken auf der weißen Weste, während Grace und Fred jeweils einen Seitensprung vorzuweisen haben – wobei der von Grace wesentlich erquicklicher als der von Fred war.
Dabei hat „Hall Pass“ durchaus seine Meriten, vor allem wenn der Film genüsslich vorführt wie weit das Stecherideal der beiden Möchtegern-Alphamännchen und die Realität auseinanderliegen, die „Day 4“-Sequenz beispielsweise ist einfach großartig montiert. Tatsächlich ist „Hall Pass“ dann besten, wenn er nicht bemüht auf witzig getrimmt ist: Der Versuch eine Thai-Massage zu bekommen etwa wird zum unlustigen Grimasseninferno, das Versagen der Schlaffis, die sich für die Größten halten, kommt mit seinem Understatement wesentlich beißender daher, ebenso der Wortwitz und kleinere Absurditäten (Stichwort: „fake chow“). Die Woche ohne Regeln, die der deutsche Untertitel verspricht, ist übrigens mit Vorsicht zu genießen: Nach der langen Exposition werden die meisten Tage für schnell abgefeuerte Gags verwendet, ehe dann der letzte Partyabend am sechsten Tag dann für ein ausgiebiges Finale genutzt wird, in dem alles kulminiert.

Dabei bietet „Hall Pass“ verschiedene Lebensentwürfe an: Während die meisten Freund Ricks und Freds mittlerweile ebenfalls verheiratet und bürgerlich sind, steht Coakley (Richard Jenkins) als einsamer Singlewolf da, der auch noch im fortgeschrittenen Alter die jungen Dinger klar macht. Rick und Fred müssen sich dann entscheiden, wie sie leben wollen, wobei Rick von der Kaffeeladen-Angestellten Leigh (Nicky Whelan) in Versuchung geführt wird. Dabei hat „Hall Pass“ kurze, ernste Momente vorzuweisen, die sich durchaus gelungen mit dem Thema beschäftigen, das hat man sich gut bei Kollege Apatow abgeschaut, nur bei der Komik, da ist „Hall Pass“ leider durchwachsen.
Mit Owen Wilson und Jason Sudeikis haben Brüder aber zwei Darsteller gefunden, die für die Rollen als Durchschnittstypen wie gemacht sind und gleichzeitig das nötige komödiantische Talent mitbringen: Beide spielen sich die Bälle zu, haben aber auch tolle Einzelszenen (Sudeikis‘ betrunkene Pöbelei gehört zu den Highlights des Films). Jenna Fischer und Christina Applegate bieten starken Support, während andere Damen wie Nicky Whelan, Alexandra Daddario und Carly Craig auf ihr Äußeres reduziert werden. Richard Jenkins dagegen rockt in seinen Szenen das Haus, der Rest des männlichen Supports dagegen bleibt weitestgehend unauffällig, nur Stephen Merchant kann Akzente setzen (vor allem in seiner Szene während des Abspanns).

Mit „Hall Pass“ können die Farrellys nicht an die Zeiten von „Dumm und dümmer“ anknüpfen, da sie doch etwas unentschlossen zwischen ihrem gewohntem Stil und dem Apatow-Einfluss, der die derzeitige Comedy-Landschaft prägt, hin und her schwanken. Teilweise famose Gags (Trunkenheit, Garys Hall-Pass-Vision) wechseln sich mit doofen Witzen über Ausscheidungen und Thai-Massagen ab, wobei die sympathische Besetzung den Film meist über die Runden rettet. Nett und immerhin deutlich besser als „The Heartbreak Kid“.

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