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Tomie geht nicht tot, - zumindest nicht, wenn es nach einigen japanischen Filmemachern geht, die von den Manga-Vorlagen scheinbar nie genug bekommen können. Das Original von 1999 war ja bereits ein reichlich unspannendes Stillleben, so dass man sich weitere Teile erspart hat und nun durch den leicht irreführenden Titel etwas unfreiwillig zum Ausgangspunkt zurückkehrt.
Regisseur Noboru Iguchi, dessen im selben Jahr veröffentlichter „Zombie Ass - Toilet of the Dead“ einen deutlichen Hang zu Trash erahnen lässt, hat die Groteske zumindest mit etwas Pep und schwarzem Humor angereichert.

Schülerin Tsukiko fotografiert zwar gerne und erfolgreich, sie steht jedoch stets im Schatten ihrer hübschen Schwester Tomie. Als diese eines Tages von einem herab fallenden Metallkreuz durchbohrt wird und folgerichtig am hohen Blutverlust und mehreren irreparabel durchlöcherten Organen stirbt, ist die Trauer zunächst groß. Doch just an Tomies 18. Geburtstag steht diese plötzlich quicklebendig vor der Tür und beginnt fortan, ihre einstigen Mitmenschen zu Besessenen mutieren zu lassen…

Zombie Girl darf man sich wahrlich nicht als blutrünstiges Schulmädchen mit niederen Instinkten vorstellen. Zwar kehrt Tomie von den Toten zurück, was merkwürdigerweise niemand hinterfragt und nur ungläubig hinnimmt, doch sie verfügt offenbar über telepathische Fähigkeiten, um mit wenigen Worten ihr Umfeld zu beherrschen und sie zu willigen Werkzeugen umzufunktionieren.
Dabei steht ihre Schwester Tsukiko lange Zeit als Opfer da, bis sie in der Schule, wo mittlerweile alle Schüler völlig irre geworden sind, einen regelrechten Hindernisparcours hinlegen muss.

Die Erzählung erspart uns glücklicherweise Gefühlsduseleien, die Japaner ja häufig mit massivem Overacting und unhaltbaren Grimassen präsentieren, sondern schwenkt rasch ins Groteske über, was sich besonders an Tomies Vater manifestiert, der Tsukiko mal eben ein paar Schläge mit einem Kupferkabel über den Rücken brät und auch später zu impulsiven Wutausbrüchen neigt. Etwas bizarr erscheinen auch einige Effekte, wie ein Geschwür auf der Schulter, welches unweigerlich an die Miniaturausgabe eines tragbaren „Basket Case“ erinnert. Mit kleinen Köpfen hat man es hier ohnehin, denn diese tauchen in einer Butterbrotsdose ebenso auf, wie später in geballter Form auf einigen Tausendfüsslern.

Jene Effekte sind es jedoch, die das hanebüchene Treiben immer wieder aufheitern und dem Ganzen eine doch recht trashige Note verleihen. Zwar bildet sich daraus kein zusammenhängender Kontext und es wird auch nicht aufgelöst, ob Tomie überhaupt je existierte oder sich eben doch endlos reproduzieren kann und die Menschen mit ihren Anweisungen völlig aus der Bahn wirft, doch die zuweilen recht kreativen, arg surrealen Momente entschädigen für ein paar völlig gegensätzliche Aspekte der Geschichte.

Auch darstellerisch sind die Mimen in ihrem jeweiligen Element, denn während Tsukiko die Wandlung vom Unschuldslamm zur kleinen Kämpferin durchaus abzunehmen ist, glänzt die Vaterfigur durch gnadenloses Overacting, indes Tomies leicht verführerische und gleichermaßen durchbohrenden Blicke für kleine atmosphärische Momente sorgen.
Da können die wenigen Splattereinlagen nicht so wirklich mithalten, denn bis auf die tödliche Eingangsszene gibt es lediglich einige Messerstiche, einen abgetrennten Kopf und eine eher dilettantisch in Szene gesetzte Körperteilung.

Regisseur Iguchi hat also ansatzweise den unterhaltsamsten Weg gewählt, um die wirre und oftmals unverständliche Geschichte um Tomie und Tsukiko umzusetzen, indem er mit einem konstant brauchbaren Erzählfluss operiert, ein paar völlig absurde Einlagen unterbringt und sogar teilweise eine Nähe zur Hauptfigur Tsukiko aufbaut.
Der Sinn des Ganzen mag sich eventuell nach Sichtung entsprechender Mangas erschließen, - ohnedem bleibt die Geschichte eher konstruiert und fahrig, so dass sich der Betrachter größtenteils seinen eigenen Reim drauf machen muss.
5,5 von 10

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