Review

"Das Schicksal scheißt nicht jeden Tag in denselben Vorgarten."
Autor Cormac McCarthy wurde bereits mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, sein "No County for Old Men" erfolgreich von den Coens verfilmt und mit Tommy Lee Jones in einer der Hauptrollen besetzt, während sich der Kreis mit vorliegendem Werk schließt. Denn hier führt Jones selbst Regie und spielt eine der beiden überhaupt vorhandenen Rollen, da es sich bei der literarischen Vorlage von 2006 um ein Bühnenstück mit zwei Protagonisten handelt.

Ein heruntergekommenes Apartment in New York: Black (Samuel L. Jackson) konnte im morgendlichen Berufsverkehr gerade noch verhindern, dass sich der College Professor White (Tommy Lee Jones) vor den titelgebenden Zug schmeißt und versucht nun herauszufinden, was den Mann dazu bewogen hat...

"The Sunset Limited" ist ein Kammerspiel in Rheinform, denn als Kulisse dient lediglich ein Raum mit zwei Stühlen, einem kleinem Tisch, einer Anrichte und einer Couch, während den beiden Figuren keine wirklichen Namen zugeordnet werden. Black und White repräsentieren zwei Gegensätze, welche man ebenso gut in Atheist und Gläubiger, in Pessimist und Optimist unterteilen könnte.

Jackson wird dabei die Rolle des Gläubigen zuteil, der einige Jahre im Knast verbrachte und die Bibel auf seinem Tisch liegen hat, der in einer bestimmten Situation mit Jesus sprach, jedoch nicht versucht, sein Gegenüber zu bekehren, sondern lediglich seine Sicht der Dinge zu veranschaulichen gedenkt. Jones vertritt indes die Position des Agnostikers, der zwar rund 4000 Bücher las, von der Bibel bezeichnenderweise nur mal eben ein wenig im Buch Hiob blätterte. Vordergründig ist man natürlich am Motiv des Suizidversuches interessiert, - der Verfall von Kulturgütern, den White einmal erwähnt, kann da eigentlich nur die Spitze des Eisbergs sein.

Allerdings spielen sich die Figuren nicht im ständigen Wechsel die Bälle zu, sondern über weite Teile ist es Black, der mit seinen Weißheiten und zuweilen auch mancher Küchenpsychologie die Debatte dominiert, wobei dieser auch für einigen Sarkasmus zuständig ist, - er tritt mokant auf, wie White nicht minder zynisch bemerkt.
So darf man sich die Szenerie nicht als hitzige Diskussion um Religion, Glaube, Träume und Illusionen und zwei verschiedene Weltanschauungen im Allgemeinen vorstellen, auch wenn Jones den Stoff etwas hastig abarbeitet und zu wenige kreative Pausen einfügt.
Whites Zurückhaltung ist notwendig, damit der finale Akt funktionieren und seine Wirkung voll entfalten kann.

Zweifelsohne sind beide Mimen äußerst charismatisch und darstellerisch über jeden Zweifel erhaben und doch schwingt bei Jackson immer ein wenig der Eindruck mit, als könne sich seine Figur als eine Art Engel entpuppen, da er mitunter ein wenig drüber performt und bei der von White geforderten Knastgeschichte etwas zu sehr gestikuliert, obgleich die erzählte Story sogleich lebhafte Bilder im Kopf des Betrachters entstehen lässt.
Nicht unerheblich sind bei der deutschen Fassung die Synchronstimmen und glücklicherweise wird Jackson wie gewohnt von Engelbert von Nordhausen vertont, während Ronald Nitschke erneut die markanten Züge von Jones unterstreicht.

Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob der eine den anderen aufhalten, überzeugen oder umstimmen kann, sondern vielmehr, was man von beiden konträren Weltsichten mitnehmen möchte, sofern man sich auf zum Teil schlicht gestrickte Weißheiten ("Glaube entsteht erst, wenn man nichts anders mehr hat") einlässt.
Sauber performt, im Rahmen einer TV-Produktion solide in Szene gesetzt und insofern spannend, als dass die überzeugenden Argumente bis zum finalen Akt eben nicht gleichmäßig verteilt sind.
Wer sich also mal in der Stimmung befindet, einem philosophischen Exkurs über Gott und die Welt in minimalistischer Darbietung beiwohnen zu wollen, dem sei der Streifen durchaus ans Herz gelegt.
7,5 von 10

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