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Woody's Liebesbrief an's klassische Kino


Die Welt kann ein grausamer, angsteinflössender Ort sein. Doch zwischendrin stehen da draußen zwischen Hass und Gewalt diese manchmal klobigen Gebäude, die man Kino nennt. Und sich dort in den Sessel zu mümmeln und einfach zwei Stunden aus der wilden, unberechenbaren Welt auszuklinken, gehört mit zum Schönsten und Verlässlichsten, was ich in meinem Leben kennenlernen durfte. Filme, Zelluloid, Lichtspielhäuser - Hobby, Leidenschaft, Ablenkung, Unterhaltung, Bildung, Erlösung. Und noch so viel mehr. Woody Allen ging/geht es da sicher nicht viel anders als uns Kinonerds - und „The Purple Rose of Cairo“ ist sein Loveletter an die siebte Kunst und das „Classic Hollywood“. Zwischen Fantasie und Realität, zwischen Verspieltheit und Ernsthaftigkeit, zwischen Süße und Bitterkeit, erzählt er von einer regelmäßigen Kinogängerin, die sich mit den dortigen Besuchen von den Problemen ihres eigenen Lebens, u.a. ihr fehlendes Selbstbewusstsein und eine katastrophal laufende Ehe, ablenkt. Und als eine charmante Filmfigur sie zum fünften Mal im Publikum entdeckt und sich scheinbar ein wenig verknallt hat, steigt diese kurzentschlossen von der Leinwand in die reale Welt und löst damit nicht nur Chaos im Herzen des schüchternen Filmfans aus...

„The Purple Rose of Cairo“ ist wahrscheinlich Allens süßestes Werk. Und dabei wird kaum etwas seiner einzigartig-quirligen, manchmal frechen Weise Dialoge zu schreiben und zu inszenieren von diesem Zuckerguss verdrängt. Mia Farrow ist mit jeder ihrer Poren bezaubernd, Jeff Daniels spielt den naiven Zelluloidabenteurer wundervoll und sogar Aiello als prügelnder Ehemann hat seine Momente. Und zwar nicht nur ekelhafte. Die Liebe und Dankbarkeit zum Medium Film/Kino ist jederzeit spürbar, man kauft sie Allen vollkommen ab. Und selbst das auf den ersten Blick überraschend unfröhliche Ende macht dann Sinn und bohrt sich immer tiefer, je mehr man darüber nachdenkt. Der leichte Weichspüler und Filter über der Geschichte passt und stößt nie übel auf, die kurze Laufzeit verfliegt regelrecht und die Magie solcher Geschichten wird herrlich eingefangen und rübergebracht. Eine herzliche, frische und intelligente Lovestory - zum Kino, zum Film, im Grunde zu sich selbst. Emotionen küssen Köpfchen. 

Fazit: süß und charmant und clever und unprätentiös - ein romantisch-nostalgischer Traum, besonders für Filmnerds! 

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