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Es ist schon irre zu sehen, wie ein einstmaliger Spitzenreiter der Filmwirtschaft in Hollywood es nun nicht mal mehr mit einem Film ins Kino schafft, weil anscheinend der Marktwert zu gering geschätzt wird.

Mel Gibson galt auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Darsteller, Regisseur und Produzent als einer der mächtigsten und einflussreichsten Filmschaffenden weltweit. Nach der extrem erfolgreichen Action-Ära der späten 80er kam in den 90ern das Leinwandepos "Braveheart" und katapultierte Gibson in den Olymp. Oscars, hohe Einnahmen und Anerkennung und das Vertrauen der großen Studios waren die Folge.

Der Erfolg äußerte sich dann in den etwas vom Größenwahn geprägten Projekten mit "Die letzte Passion Christi" und "Apocalyptico", die vielleicht bereits ein Hinweis auf den schrägen Charakter Gibsons waren. Immerhin waren dies sehr persönliche Produktionen, die er auch selbst finanzierte.

Alkoholismus, private Eskapaden, rassistische Schimpftiraden und damit verbundene Gesetzeskonflikte ruinierten dann den Ruf Gibsons wohl so nachhaltig, dass er in Deutschland nun im Direct-to-Video-Markt angekommen ist. Tja.

"Get the Gringo" ist dennoch mit Sicherheit kein B-Movie, auch wenn der betriebene Aufwand sich in angenehmen Grenzen hält. Offensichtlich wurde mit schmalerem Budget gearbeitet, was aber zu keiner Sekunde negative Auswirkungen auf den Film hat, denn der ist insgesamt als gelungen zu betrachten.

Gibson ist einmal mehr der durchtriebene, schlitzohrige Ganove, der sich mit List und Tücke zu seinem eigenen Recht in einer ansonsten rechtlosen Gesellschaft verhilft. Insofern erinnert sein Neuwerk auffällig an den großartigen "Payback".

Das Setting in einem mexikanischen Gefängnis bietet jedoch die Grundlage für einen wesentlichen Unterschied, denn für einen Gibson-Film kommt "Get the Gringo" teils ungewöhnlich roh und dreckig, teils sogar schon zynisch und pessimistisch daher. Die dargestellte Welt ist so lebensfeindlich wie liebensunwürdig, ohne jedoch eine wirkliche Realitätsnähe aufzubauen. Dafür ist der Plot dann doch zu fintenreich und unterhaltsam. Die bösen Buben kriegen letztlich natürlich alle ihr Fett weg, die Familie wird gerettet und am Ende ist alles schön und gut. Bis dahin werden die Seiten gegeneinander ausgespielt, Sprüche geklopft und unter der ausführlichen Verwendung der Zeitlupe Schießereien inszeniert. Da kommt dann und wann ein richtiges "El Mariachi"-Feeling auf.

Insgesamt erweist sich "Get the Gringo" als überdurchschnittlicher Thriller mit Action-, Komödien- und einigen Dramaelementen, der uns Mel Gibson in seiner Paraderolle präsentiert, solide inszeniert ist und mit gerade 90 Minuten zu keiner Zeit langweilt. Die ungewohnte Härte passt zum Film und lässt dennoch Platz für die Lockerheit, die Gibson braucht, um seine sympathischen Seiten zu präsentieren.

Das scheint dem Mann auf der Leinwand deutlich leichter zu fallen, als im realen Leben. Insofern sollte er sich ab jetzt wieder auf solche Rollen konzentrieren, solage er noch einen Rest Tinte auf dem Füller hat. Mal schauen, was er denn demnächst als Gegner von Machete so auf Lager hat.

P.S.
Seht seine Filme und rettet Mel Gibson so vor dem letzten Ausweg: Einer Karriere bei den Republikanern (Ist er eigentlich schon amerikanischer Staatsbürger....?)!

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