Ein paar eklatante Negativschlagzeilen reichen bekanntlich aus, um selbst einen gefragten Star wie Mel Gibson tief stürzen zu lassen. Nach einer langen Schaffenspause von rund sechs Jahren gelang ihm mit "Auftrag Rache" ein solides Comeback, während er mit "Get the Gringo" in Ansätzen an die guten alten "Lethal Weapon" Zeiten anknüpfen kann, inhaltlich zumindest ein wenig an "Payback".
Gibson spielt einen namenlosen Ganoven, der nur Driver genannt wird. Als er nach einem Raubüberfall flieht, crasht er über die mexikanische Grenze und landet daraufhin im Knast.
In dieser Gefängnisstadt herrschen Gewalt und Korruption, nur ein zehnjähriger Junge scheint Driver zu vertrauen. Doch dann gibt es noch einige Leute, die es auf die verschollene Beute abgesehen haben...
Gibson meldet sich mit sichtlicher Spielfreude zurück und mimt die Hauptfigur wie ein Martin Riggs auf Sparflamme. Seine lakonischen Off-Kommentare amüsieren ebenso wie die zynischen Bemerkungen, die er in manch prekärer Situation ablässt. Innerhalb des dreckigen Mobs wirkt er allerdings auch wie ein Außerirdischer, denn das vereinheitlichte und schmuddelige Bild der Gefängnisstadt dürfte wohl jedem Mexikaner bitter aufstoßen.
Mal abgesehen vom offen betriebenen Heroinhandel und dem möglichen Besitz von Waffen, laufen in der immerhin umzäunten Zone Kinder herum, während sich die dekadenten Reichen mit Wohlstandsgütern umgeben und sich bei dem Ausmaß an Korruption schon längst hätten frei kaufen können.
Inmitten ein Driver, der angenehmerweise nicht der allwissende und unberührbare Held ist, sondern auch mal mächtig auf die Fresse bekommt, ansonsten jedoch durch Ironie und Coolness besticht. Die Harmonie zwischen ihm und dem Jungen ist stimmig und auch die bösen Jungs sind passabel besetzt, obgleich ein Peter Stormare mit seinem Kurzeinsatz reichlich verheizt wird.
Die Geschichte wird angenehm schnörkellos und gradlinig erzählt, vielleicht mit ein paar Nebenhandlungssträngen zuviel angereichert, demgegenüber wird jedoch einige Male ein wenig Action geboten, welche recht bodenständig daherkommt. Ein paar Schießereien, auch mal in Zeitlupe, kleine Verfolgungsjagden und eine Finte mit der Pointe eines Regenschirmes machen durchaus Laune und auch die versierte Kamera liefert ein paar recht stylische Aufnahmen, ohne jedoch zu verspielt an die Sache heranzugehen.
Die Untertitel für die Mexikaner sind zwar auf Dauer so anstrengend wie deren volkstümliches Gedudel und der Showdown impliziert einige Glücksfälle zuviel, doch Laune bereitet "Get the Gringo" auf jedem Fall, auch wenn der Streifen keinen Knaller für Actionfreunde darstellt. Solide und vor allem kurzweilige Unterhaltung ist allerdings deutlich gegeben, nicht zuletzt aufgrund des coolen Spiels von Mel Gibson.
7 von 10