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„Hat man dich geschickt, um Nakai Twobear abzuholen? Das ist bitter – bitter für dich!“

In seinem 1992 fürs US-amerikanische TV produzierten und 1993 ausgestrahlten Mystery-Thriller „Shadow Hunter“ schickt US-Regisseur J.S. Cardone („The Slayer“, „Arizona-Killer“) Scott Glenn („Das Schweigen der Lämmer“) als frisch von seiner Frau getrennten, gestressten Großstadt-Cop John Cain in ein Reservat der Navajo-Indianer, um den des mehrfachen, bestialischen Mordes verdächtigen Nakai Twobear (Benjamin Bratt, „Demolition Man“) festzunehmen. Nachdem zunächst alles nach Plan zu verlaufen scheint, manipuliert Twobear die Psyche seines Häschers, kann in die Wildnis entkommen und mordet unbeeindruckt weiter. Zusammen mit einigen Indianern, unter ihnen eine attraktive junge Fährtensucherin, macht Cain sich auf die Jagd, wird aber selbst zum Gejagten des sich seiner Seele bemächtigenden, gefürchteten Indianers...

„Shadow Hunter“ beginnt mit starken Bildern aus dem Los-Angeles-Kiezghetto-Milieu, die u.a. mit ihren neonblauen Ausleuchtungen atmosphärisch noch stark der End-80er-Großstadtmelancholie verhaftet sind. Passend dazu ertönt ein schmissiger Saxophon-Soundtrack. Doch schon bald bekommt John Cain, der als Bulle vom Typ „harter Hund mit sensiblem Kern“ und mittlerweile ausgemachten Psychoproblemen eingeführt wird, seinen gefährlichen Auftrag (so läuft das bei den Amis...?) und reist ins ländliche, abgelegene Reservat. Von nun an mutiert Cardones Thriller mit Mystery-Anleihen mindestens zur Hälfte zu einem US-Heimatfilm, der mit Fernweh weckenden Naturaufnahmen der bergigen Landschaft zu Lande sowie aus der Luft nicht geizt. Das Saxophon weicht sphärischen Synthesizer- und Panflöten-Klängen, kontrastreich wird das naturverbundene Leben der Indianer dem zuvor gezeigten Großstadtmoloch gegenübergestellt und dem Zuschauer die Indianerkultur nahe gebracht.

Denn Cain freundet sich mit seinen indianischen Kollegen an, lernt durch sie viel dazu und findet in der Fährtensucherin, die letztlich eine der wenigen Überlebenden sein wird, sogar eine neue Partnerin – was wenig überrascht, denn die obligatorische Romanze kündigt sich bereits frühzeitig an. Doch neben all diesen stets kitschverdächtigen Zutaten ist da ja noch der mysteriöse, motivlos tötende und mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestatte quotenböse Indianer Twobear, der ab und zu diabolisch in die Kamera blicken und grafisch natürlich wenig explizit seiner sadistischen Ader freien Lauf lassen darf. So kommt es zu ein paar seltenen Schockszenen, wirklich etwas über seine Hintergründe, seine Motive etc. erfährt man nicht.

Das ist enttäuschend und trägt nun wirklich nicht dazu bei, für die bisweilen etwas langatmige, sich in ihrer politischen Korrektheit suhlende Inszenierung zu entschädigen. Schade, denn schauspielerisch ist das alles grundsolide und auf Basis der die Weite der wunderschönen Landschaft einfangenden Kameraarbeit und des Kulturaustausch-Subplots hätte man durchaus etwas machen können. So aber wurde Antagonist Twobear vollkommen unzureichend ausgearbeitet und erhält mehr Alibifunktion, um der häufig schwülstigen Abenteuerhandlung etwas entgegenzusetzen. Das reicht aber nicht und so versandet „Shadow Hunter“ im Mittelfeld zusammengeschusterter Genre-Mixe, bleibt trotz vieler interessanter Ansätze mutlos und inkonsequent und taugt unterm Strich mehr für eine kleine Dosis nachmittäglicher Wohlfühlatmosphäre als für nervenkitzelnden Mystery-Thrill.

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