Soeben lese ich, dass der britische Filmregisseur Ken Annakin am 22. April 2009 im Alter von 94 Jahren verstorben ist. Mit "The story of Robin Hood and his merrie men" drehte Annakin im Auftrag der Disney-Studios einen Film, der wie einige andere im Mittelalter spielende 50er-Streifen meine Kindheit begleitete. Daher werte ich den Film im Nachhinein sicher deutlich positiver, als dies der Fall wäre, wenn ich ihn heute zum ersten Mal sähe. Der Film hat meine Vorstellung von Robin Hood wohl so geprägt, dass mir keine andere Verfilmung des beliebten Stoffes so recht gefallen wollte. Was unter anderem daran liegt, dass er sich zumindest teilweise an der klassischen Nacherzählung von Howard Pyle orientiert, während andere Verfilmungen vom eigentlichen Mythos um Robin Hood kaum mehr etwas wiedererkennen lassen.
Richard Todd, der einigen vielleicht als Basil Hallward in Massimo Dallamanos "Dorian Gray"-Verfilmung in Erinnerung sein dürfte, ist für Robin Hood eine vorzügliche Wahl. Während Errol Flynn in der als klassisch angesehenen Version von 1938 als gelackter, neunmalkluger Charmeur auftritt und der politisch gefärbten Idee von Robin Hood als dem Helden der unterdrückten angelsächsischen Bevölkerung spottet, wirkt Todds Robin als griffiger Mann des Volkes, der nicht über den Dingen schwebt, sondern szenenweise eine nahezu kindliche Naivität aufweist und von einer ihm geistig spürbar überlegenen Marian auf amüsante Weise gegängelt wird, die ihn z.B. auf dem Krankenlager gegen seinen Willen mit einer Art Babybrei füttert. Joan Rice gibt ihrer Figur ein kühles, intelligentes Charisma, das mit dem Klischee des hilflosen Weibchens nichts zu schaffen hat. Auch James Robertson Justice (unvergessen als grantelnder Familienvater in "16 Uhr 50 ab Paddington") macht als bärbeißiger Little John seine Sache mehr als gut; wie er sich nach einem unfreiwilligen Bad im Fluss nicht zwischen Verärgerung und Lachen über sich selbst entscheiden kann, ist wunderbar gespielt. Auch Hubert Gregg als hinterhältiger Prinz John und Alan Finch als finster-schurkischer Sheriff lassen bei der Ausführung ihrer - zugegebenermaßen klischeehaften Rollen - nichts zu wünschen übrig. Der Barde Allan-a-Dale weiß mit seinen Liedern auch in der deutschen Fassung zu erfreuen.
Lobenswert an dem Film ist neben der Besetzung auch seine Ausgewogenheit humoristischer und ernster, dramatisch bewegter Szenen. Die erste Begegnung zwischen Robin und Bruder Tuck gerät zum Höhepunkt der burlesken Komik. Die Situation der Landbevölkerung wird als Grundlage des Robin-Hood-Mythos nie vergessen und mit einprägsamen, kantigen Bauern- und Handwerkerfiguren eindrücklich vorgeführt. Szenen von steuerlicher Ausbeutung oder der öffentlichen Prügelstrafe eines Wilderers sind zwar plakativ, aber doch recht nachfühlbar umgesetzt. Wenn es dem Ende zugeht und die Dramatik zunimmt, tritt das burleske Element deutlich in den Hintergrund und finstere nächtliche Szenarien künden von Unheil. Auch wegen dieser Ausgeglichenheit liegt hier im Ganzen eine wunderbare Umsetzung des Robin-Hood-Mythos vor.