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Nach 1938 und der überwältigenden Adaption der Robin Hood Sage durch die Regisseure Keighley und Curtiz blieben die weiteren Verfilmungen zwar nicht gänzlich aus, ließen aber unter dem großen (Ein)Druck etwas auf sich warten und wurden die nächsten Jahrzehnte schon von vornherein auch kleiner angegangen, lange nicht mehr mit einem Star und dem entsprechenden Produktionsaufwand, sondern wie beabsichtigt unter der Last der Reputation im eingeschränkten Modus Operandi bestückt. Eine der danach noch etwas hervor scheinenden, natürlich nicht an die Warner Bros. Gestaltung mit Errol Flynn heranreichenden Bearbeitungen erfolgte durch den Filmemacher Ken Annakin Anfang der Fünfziger, im Auftrag und Überwachung von Walt Disney und dessen Erprobung im Live Action Geschäft. Der Film selber ist durch seine Besetzung, die auch in weiteren Variationen bestehend bleibt und so konnektiv zu anderen späteren Werken ist, sowie durch die Arbeitsweise seines Regisseurs auch durchaus langanhaltend beständig und für sich stehend auch schon und noch wertgeschätzt, dennoch (wie so viele weitere vorhergehende und folgende) ebenso im Schatten gelegen und besseres Samstagsnachmittags-Geschäft:

Bei der Abreise von König Richard [ Patrick Barr ] nach Jerusalem in den Heiligen Kreuzzug ändert sich schlagartig die Verhältnisse im Land. Sein Bruder John [ Hubert Gregg ], der vorübergehend die Geschäfte führen soll, erhöht die Steuern und treibt diese mithilfe des Sheriffs von Nottingham [ Peter Finch ] und der extra neu angeheuerten und aufgestellten Privatarmee auch rücksichtslos ein. Dabei schreckt man bei Widerspruch oder anderen damit nicht einverstandenen Meinungen auch vor Mord nicht zurück; nach der Tötung seines Vaters Hugh Fitzooth geht sein Sohn Robin [ jugendlicher Forschungsdrang plus aufbrausende Wut: Richard Tood ] in die anliegenden Wälder, schließt sich den dorthin bereits vertriebenen Gesellen an und startet als Robin Hood seinen Rachefeldzug, der ihm und auch den anderen die Gerechtigkeit zurückbringen soll.

Warum man seitens der Amerikaner in der Auswahl des Ausführenden in der Ende April 1951 gestarteten Inszenierung ausgerechnet auf (Glücksfall) Annakin kam, ist zu dem Zeitpunkt zwar noch ungeklärt, gerade die vorhergehende Karriere deutet nicht auf die harmlos-bunte Abenteuerunterhaltung hin, die dem verantwortlichen Briten hier dann dennoch und ungeteilt gelingt. Auch der Dreh in dem Landschaftsschutzgebiet Burnham Beeches von Buckinghamshire und die sonstige Arbeit in den mit vielerlei Matte Paintings erweiterten Denham Studios hat durchaus seine Pluspunkte zu bieten, und die Angliederung an verschiedene Quellen der Sage bzw. verschiedene Bezugspunkte dieser, welche auch insgesamt gut durchmischt werden, und ein allgemein qualitativ gediegenes Produktionselement, wozu auch klassisches Schauspiel vieler der hier vorhandenen Beteiligten und eine insgesamt ausgewogene Darstellerriege in allen positiven Belangen dazu gehört.

Dabei versucht man von der Handlung her das Vorwissen zumeist zu ignorieren und die Umstände selber und neu zu erzählen, mitsamt einer beschwingten Einleitung auf Huntingdon Manor, in dessen Umfeld Marian [ Joan Rice ] und Robin eine glückliche Jugend verbringen, sich miteinander necken und auch an der Führung des Landes ein Mann regiert, der sich bewusst ist und danach handelt, dass Eifer gemildert durch das Verständnis die richtige Form der Politik ist und Englands Stärke auch auf dem Wohlergehen seines ärmsten Bauern beruht. Die Tage sind lang und ausgefüllt und das Leben ein Glück.

Doch der Frohsinn täuscht, wenige Minuten, die Worte eines Aufrechten an den Sheriff und seine Missetaten und dessen Antwort mit einem heimtückischen Attentat im Wald später nimmt die bekannte Geschichte des Freiheitskämpfers, des geächteten Waisen und des Rächers seines ermordeten Vaters und der geknechteten Bauern seinen bekannten Gang; anfangs noch "bartloser Welpe mit Spielzeugbogen" wird der Anführer tollkühner Gesellen daraus, der sich aktiv gegen die ausbeuterischen Machenschaften auflehnt und agil dagegen vorgeht. Erzählt wird die Handlung dabei auch mit den Liedern des Allan-A-Dale, der hier als Mann mit der Klampfe den jeweiligen narrativen Fortschritt kundtut und den Film auch im Intro schon an das wartende Publikum bringt.

Von der Geschichte her besteht man zu großen Teilen aus dem bekannten, gerade durch Howard Pyles 1883 veröffentlichten "The Merry Adventures of Robin Hood of Great Renown in Nottinghamshire" Geschehen, darunter das jeweils erste Zusammentreffen mit Little John und das Duell auf dem Steg sowie die Episode mit Bruder Tuck und das Hinübertragen über den Bach, Altbewährtes quasi damals schon, dass zur Legendenbildung des Volkshelden in vielerlei Weisen dazugehört und hier nur minimal variiert, aber dennoch mit flotten Tempo und einigen ebenso schnelleren Aktionsszenen und entsprechender Spielfreude und überzeugender darstellerischer Leistungen aller Beteiligten vorgetragen wird. Trotz kurzer Laufzeit und eher leichten Schrittes beweist man (anders als der Robin Hood Zeichentrick von '73 als zweiter Versuch vom Mäusefänger) auch epischen Atem, wird die Geschichte über mehrere Jahre und dies durch einen Zeitsprung von 24 Monaten mittig und dann eintretender Veränderung sowohl in dem Vorhaben von König Richard (und dessen Gefangennahme und Lösegeldforderung in Österreich) als auch in der geächteten Gefolgschaft in der Grafschaft erzählt. Mittlerweile haben dort die (einfachen) Leute gar kein Geld mehr und sind auch nicht wirklich auf den selbsterklärten Steuereintreiber aus den Wäldern des Sherwood erpicht; eine Tatsache, die selbst Sängerbarde Allan-A-Dale einräumen muss, der a) mit seinen Hoheliedern nun auch kein Zuspruch mehr erhält und b) bei der ersten unfreiwilligen Begegnung mit dem so lange Besungenen auch sichtlich Ängste zeigt und fast am Verstummen ist.

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