In einem mittelalterlichen Dorf nahe einem großen finsteren Wald lebt das titelgebende Red Riding Hood, die blonde Valerie (Amanda Seyfried), die gerade zwecks größerer Mitgift an den Schmiedebesitzers-Sohn Henry (Max Irons) verheiratet werden soll, obwohl sie seit frühester Kindheit mit dem Tischlergesellen Peter (Shiloh Fernandez) herummacht. In dieser Situation trifft es sich gut, daß gerade mal wieder ein böser Werwolf das Dorf tyrannisiert und sich die dörfliche Inzest-Gemeinschaft zu einem nächtlichen Fackelzug entschließt, um das böse Raubtier zu erlegen. Der aufgespießte Schäferhundschädel, den sie am Tag darauf durchs Dorf tragen dient allerdings eher als Grund für ein allgemeines Besäufnis, was sich die wackeren Dorfbewohner auch nicht vom herbeigerufenen Großinquisitor aka Werwolfjäger Pater Salomon (Gary Oldman) ausreden lassen wollen, der davor warnt, daß diese Flohquaste gar kein Werwolf sei, sondern dieser noch lebe und bald wiederkehren würde. Außerdem sei diese ominöse Bestie in Wahrheit ein Mensch, und zwar einer der Dorfbewohner selbst. Diese verdächtigen sich fortan gegenseitig, und bald gerät auch Rotkäppchen unter Hexenverdacht...
Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond ist das Ergebnis einer mäßig spannenden Seifenoper in einer computergetricksten Landschaft mit möchtegern-schaurigem Werwolf-Flair, bei der am Ende natürlich Rotkäppchen gewinnt. Genauso langweilig wie sich das liest, ist auch das Drehbuch abgefasst, das durch belanglose Dialoge und Geschehen kaum Spannung aufbaut. Die wenigen Gewaltszenen, wenn mal gesäbelt und gebissen wird, werden dezent abgeblendet, und ein Wolfsbiss hinterläßt - zielgruppengerecht (hier: 10 bis 15jährige) - nur rote Streifen auf der Haut. Die Darsteller sind durch die Bank weichgespülte Komparsen, die kaum zum Mitfiebern einladen, und trotz einiger bekannterer Namen (allen voran der ansonsten geschätzte Gary Oldman in einer ihn wenig fordernden Rolle als Bernardo Gui für Arme) kann sich niemand in den Vordergrund spielen. Dazu kommt dann noch der miserabel getrickste Computer-werwolf, der den Finger des Zusehers nervös Richtung Abschalten-taste zucken läßt. Dass es dazu dann doch nicht kommt, liegt einzig und allein an der simpel aber wirkungsvoll erzeugten künstlichen Spannung des sich gegenseitig Verdächtigens, denn irgendeine der Schnarchnasen sollte sich ja irgendwann als Werwolf entpuppen - wer das dann schlußendlich ist, stellt tatsächlich eine Überraschung dar.
Auf der Habenseite könnte man noch verbuchen, daß sich die beiden Rivalen um Valeries Gunst nicht bekämpfen, sondern zum Teil sogar zusammenarbeiten, als jene vom Inquisitor eingesperrt wird, oder der Zeremonienmeister selbst, der durch das Schwert eines seiner Knechte stirbt, nachdem er dessen Bruder erlöst hat. Demgegenüber stehen jedoch tonnenweise Logiklöcher wie der CGI-Schnee, der die Dorfbewohner in Sommerkleidung berieselt, riesige weiße Dornen an dunklen Bäumen oder auch die unter lauter unterdurchschnittlichen Dorfschönheiten als besonders hübsch angesprochene Valerie, deren Mutter allerdings deutlich besser aussieht (ihr Film-Vater dagegen ist ein Loser und Trunkenbold, was gar nicht dazupasst). Ziemlich daneben auch das Klischee der Ritter des Großinquisitors mit Afro-Amerikanern und Asiaten in martialischer Rüstung (die mit der Armbrust einfach nicht umgehen können und dauernd danebenschießen) sowie einem hohlen Stahlelefanten auf Rädern als Folterinstrument, dessen hölzerne Transport-Plattform die Beheizung mit glühenden Kohlen seltsamerweise unbeschädigt übersteht. Großmutters Haus steht am Ende einer Allee nach innen geneigter Dornenbäume, außerdem steht es auf Stelzen, ein Umstand, der ebensowenig erklärt wird wie die Tatsache, wieso sie überhaupt da draußen im Wald wohnt. Es sind diese kleinen Details, die auf mangelhafte Kenntnisse des Stoffs hindeuten: Bei der Einführung wird ein Bergsee gezeigt, der sich ins Tal ergießt; an dessen Rand steht eine kleine Mühle mit einem viel zu großen Wasserrad, das auch noch unterschlächtig angetrieben wird - aber genau so stellt sich eben jemand eine mittelalterliche Idylle vor, jemand der sich noch nie mit dem Mittelalter beschäftigt hat. Entsprechend fällt dann auch das Ende mit seiner merkwürdigen Moral aus, die Raum für allerlei Sequels bieten würde - mir hat aber schon dieser langweilige Disney-Verschnitt vollauf gereicht. 3 Punkte.