Gelegentlich werden obskure Genremischungen veröffentlicht, bei denen der deutsche Verleih ordentlich nachhilft, um ein entsprechendes Zielpublikum anzulocken. „Some Guy Who Kills People“ ist so ein typischer Vertreter, denn aufgrund der Informationen auf der DVD erwartet man einen Slasher mit makaberem Humor, doch Regisseur Jack Perez, der vor einiger Zeit mit „666 - The Child“ und „Mega Shark vs. Giant Octopus“ zwei ausgemachte Gurken ablieferte, serviert mit seiner Genremischung einen erstaunlich vielschichtigen Streifen.
Ken (Kevin Corrigan) befand sich nach einem gescheiterten Selbstmordversuch für einige Zeit in der Psychiatrie und arbeitet mittlerweile als Eisverkäufer. Nach einem traumatischen Erlebnis zur Zeit der Highschool schwört er seinen damaligen Peinigern blutige Rache und schon bald erschüttert eine Mordserie Kens Heimatort…
Tatsächlich hätte man von Jack Perez keinen tauglichen Streifen mehr erwartet, da mag eventuell auch John Landis als ausführender Produzent seine Finger im Spiel gehabt haben.
Allein der Cast ist perfekt besetzt und glänzt mit einigen bekannten Namen wie Karen Black als Kens Mutter oder Barry Bostwick als ermittelnder Cop.
Nicht zuletzt ist es jenen Mimen zu verdanken, dass die relativ klischeefreien Figuren binnen weniger Augenblicke hervorragend auf den Punkt gebracht werden.
Ken ist mit seinem starren, oft traurigen Blick in seiner albernen Verkleidung als Eisverkäufer gleich ein Sympathieträger, obgleich er ein Loser ist, der nach wie vor von vielen Typen im Ort geärgert wird. Auch seine dominante Mutter war offenbar nie eine sonderliche Stütze. Bis sich seine elfjährige Tochter Amy (Ariel Gade) meldet, um für eine Woche bei Ken zu wohnen und bei der Gelegenheit ihren Vater ein wenig kennen zu lernen.
Ab diesem Zeitpunkt dominiert die Vater-Tochter-Beziehung und die Erzählung verzettelt sich ein ums andere Mal und setzt ein paar merkwürdige Schwerpunkte, zumal noch ein relativ unbedeutendes Love Interest hinzukommt und das Geschehen ein wenig in Richtung Romanze tendiert. Besonders im Mittelteil entstehen nicht selten einige Längen und auch wenn die Chemie zwischen Vater und Tochter stimmt und ein paar goldige Szenen zutage gefördert werden, so bleibt der Unterhaltungswert für Freunde düsterer Gangarten doch teilweise arg auf der Strecke.
Die wenigen, relativ unblutigen Morde sind da eher Beiwerk. Mal landet eine Axt im Schädel, ein Kopf wird abgetrennt und ein Kehlenschnitt wird gesetzt, doch das Ganze gerät relativ unspektakulär und wenig spannend in Szene gesetzt.
Weitaus unterhaltsamer ist demgegenüber die Ermittlungsarbeit vom Sheriff und seinem Deputy, denn da werden ein paar makabere Sprüche abgelassen, während Boswick für einige gelungene Situationskomik sorgt und spätestens beim Vergleich der Morde mit abstrakter Kunst einen Knaller landet.
Erst am Ende erfährt man, was Kens Trauma überhaupt auslöste, denn die häppchenweise eingefügten Flashbacks ergeben erst mithilfe einiger Zusatzinformationen Sinn und auch zum Finale kommt es zu einer kleinen, wenn auch nicht unerwarteten Überraschung.
So geht der Genremix prinzipiell auf, denn auch wenn sich die Geschichte im Mittelteil einige Male ein wenig zu verlieren scheint, fügt sich zum Schluss alles zusammen.
Ein interessantes, genreübergreifendes Werk von Perez, welches insgesamt vielleicht ein wenig zuviel anpeilt, im Endeffekt jedoch mit einem gut durchdachten Drehbuch, sehr guten Darstellerleistungen und einer emotional ausgewogenen Mischung punktet.
Für Vielseher auf jeden Fall eine willkommene, weil markante Abwechslung.
Knapp
7 von 10