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Während der durchschnittliche achtzigjährige Herr entweder im Altersheim aus der Schnabeltasse trinkt oder sich voller Lethargie in die Furzmulle zurückkriecht und nicht mehr weiß, wo die Dritten abgeblieben sind, gelingt Kultregisseur Herschell Gordon Lewis tatsächlich noch ein neuer Film.
Dass der alte Knabe nach wie vor an handgemachten Goreeffekten festhält, ist einer der Vorzüge bei diesem Trashwerk.

Die titelgebende „Uh-oh Show“ ist die makabere Variante vom Glücksrad: Beantwortet ein Kandidat die Frage richtig, winken saftige Preise, ansonsten entscheidet das Rad, welches Körperteil vom Mann mit der Kettensäge live im Studio abgesägt wird.
Reporterin Jill glaubt jedoch nicht an vermeintliche Fakes und versucht die wahren Hintergründe der Show herauszufinden…

Lewis kennt die Muster der (amerikanischen) Gameshows aus dem FF und überspitzt hier natürlich sämtliche Zutaten. Angefangen vom bunt gekleideten Moderator mit Scheitel-Perücke, über die verführerische Assistentin, hin zum mitfiebernden Publikum, welches mit Hüten ausgestattet ist, auf dem das Blatt einer Kreissäge befestigt ist.
Auch die Kandidaten bieten einen bunten Querschnitt minder bemittelter Vollidioten, die sich ihrer Sache natürlich sicher sind und sich auch noch freuen, wenn der Arm bereits abgetrennt ist.

Da die dünne Geschichte vom Ablauf einer makaberen Spielshow nicht allzu viel hergibt, ist das Treiben mit vielen bunten Einspielern angereichert. Es gibt eine Schalte zu einer konservativen Zuschauerfamilie, einen ausführlichen Blick hinter die Kulisse mit den finsteren Plänen des Produzenten, dann einen stets geilen Kameramann mit verschiedenen Techniken im Schlafzimmer und schließlich das neue Show-Konzept in Form modernisierter Grimm-Märchen. Zumindest werden Rotkäppchen und Hänsel und Gretel zum Teil recht blutig umstrukturiert.

Nach anfänglicher Begeisterung über das trashige Vorgehen, stellt sich spätestens im Mittelteil ein wenig Routine ein, da sich viele Vorgänge lediglich wiederholen und die Geschichte kaum auf eine Pointe hinausläuft.
Zwar versucht man, dem selbstgerechten Produzenten das Handwerk zu legen, der mittlerweile die Nachfolgeshow moderiert, doch Spannung will sich einschließlich des Showdowns nicht einstellen.

Ein besonderes Augenmerk liegt selbstverständlich bei den Splattereffekten, von denen es eine durchaus ansehnliche Menge zu erhaschen gibt.
Jene sind allerdings so altbacken in Szene gesetzt, dass sie selbst ein Laie sofort durchschaut, denn meistens verharren die Köpfe der Darsteller in leicht veränderter Position, was selten zum dazugehörigen Dummy passt. Immerhin werden Arme abgenommen, ein Augapfel heraus gepult, ein Kopf abgesägt, Beine abgetrennt und Brüste aufgeschnitten. Mit dem Kunstblut ging man zwar sparsam um, dafür floddert hier und da ein wenig mehr Latex durch die Kulisse.

Abschließend auf jeden Fall Respekt an Herschell, in einem derart gehobenem Alter noch einen Film zustande zu bringen, der über weite Teile sogar recht amüsant ist und untermauert, wie viel Spaß die Darsteller ganz offenbar beim Dreh hatten.
Ein Teil der Szenen ist zwar ein wenig albern und überdreht, doch dafür entschädigen das gut gelaunte Grundkonzept und ein paar aberwitzige, durchaus satirisch angehauchte Einschübe.
Für Gore-Fans alter Schule, die einen Hang für makabere Comedy mitbringen, sicher eine Sichtung unter Gleichgesinnten wert.
6,5 von 10

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