Als grosser Fan der britischen Schauspielerin Billie Whitelaw ("Das Omen", 1976) wollte ich mir diesen Thriller nicht entgehen lassen und kaufte mir eine alte gebrauchte Videokassette.
Der Film ist recht ordentlich gelungen, keinesfalls so schlecht, wie ich nun schon oft im englischsprachigen Netz gelesen habe.
Die Geschichte ist zwar verzwickt und wendungsreich, doch man merkt schon bald, wer was im Schilde führt.
Der einzig sympathische Charakter im Film ist Billie Whitelaw, die wie immer überzeugt (hier allerdings für einmal als Opfer, was natürlich wesentlich einfacher ist).
Die auf dem - übrigens grässlichen - Videocover grossartig angekündigte Ali McGraw ist das schwächste Glied im Bunde.
Sie spielt recht mittelmässig. Es kommt viel zu wenig zum Zuschauer 'rüber, was ihr gestörtes Verhältnis zu Ihrer Schwester anbelangt.
Sie spielt immer gleichgültig, beinahe gelangweilt - was natürlich verheerend ist, da sie eine tragende Person im Film ist.
Ray Lonnen als Ali McGraws Geliebter gibt sich - und hat - Mühe zu überzeugen. Zu Beginn ganz brav, plötzlich zu kühnen Mordplänen bereit, ist er ein etwas seltsamer, aber nicht uninteressanter Charakter.
Sehr erfreut war ich hingegen über Hywel Bennett, der den gestörten Mörder wirklich sehr glaubwürdig und furchteinflössend gibt.
Die Kameraführung ist oft effektvoll und adäquat, wirkt jedoch bisweilen etwas seltsam.
Die Musik hinterlegt lediglich die spannenden Szenen, daher fallen die Dialogszenen etwas steif aus.
Der ganze Film ist nicht unspannend, aber etwas wortlastig. Dadurch wird einem auf schnell klar, wer der Mörder ist, auch wenn der Grund erst zum Schluss des Films aufgeklärt wird.
Sowohl Claude Whatham, der Regisseur, als auch Billie Whitelaw, Ali MacGraw und Hywel Bennett haben schon Besseres hervorgebracht.
Betrachtet man den Film als kleinen, fiesen Thriller, so wird er durchaus sehenswert und spannend. So gibt es durchaus nervenzerreissende Szenen, wie z.B. als es Billie Whitelaw gelingt, zurück ins Haus zu fliehen, wo sie ihre überraschte Schwester Ali MacGraw vorfindet, die sie ja umbringen wollte. Doch Billie Whitelaw weiss - noch - nichts davon, was den Zuschauer mit dem unschuldigen Opfer enorm mitfiebern lässt...
In meinen Augen völlig daneben ist die "FSK 18"-Einstufung. Der Film ist weder unerhört angsteinflössend noch schrecklich blutig oder gewaltverherrlichend. Ich hätte ihn ab 12 Jahren, allerhöchstens aber ab 16 Jahren freigegeben.
Sogar das BBFC in England - das ja ansonsten immer sehr strikte Entscheide fällt - hat sich für eine Freigabe ab 15 Jahren entschieden!
Soweit ich weiss noch nicht oder selten im deutschsprachigen TV gezeigt, auf Video nur noch gebraucht erhältlich - dennoch: vielleicht macht ja noch jemand Bekanntschaft mit der "Mörderelite"!