"Fast Five" macht da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Der zu 25 Jahren Haft verurteilte Dominic Toretto (Vin Diesel) wird beim Gefangenentransport von seinem Kumpel Brian O´Connor (Paul Walker) und seiner Schwester Mia (Jordana Brewster) befreit. Die drei tauchen in Rio de Janeiro unter, wo sie wieder einen riskanten Job annehmen. Doch bei diesem Auftrag, der so locker scheint, läuft alles schief. Der Geschäftsmann Hernan Ryes (Joaquim de Almeida) hat auch seine Finger im Spiel. Bei dem Job werden drei Mitarbeiter der Drogenbekämpfungsbehörde getötet, die von Ryes´ Männern kaltblütig erschossen werden. Jedoch sieht das FBI das nicht so und schickt eine Spezialeinheit mit dem Hauptermittler Luke Hobbs (The Rock) nach Rio de Janeiro, um die "Tuning-Crew" zu verhaften. Gejagt von allen Fronten, probiert Toretto dem Big Boss eins auszuwischen...
Die "Fast & Furious"-Reihe war für mich eigentlich immer eins: Schicke, aufgemöbelte Autos, illegale Rennen, wummernde Bässe jenseits der 150 DB-Grenze und aufpolierte Schnicksen mit Doppel-D, die ihre 1,20 m langen Beine auf Stöckelschuhen durch die Neon-Lichter in der Nacht trugen - natürlich gepaart mit ein wenig Hauch des Action-Kinos a la Hollywood. Also ein Film, den Film-Kritiker zerreißen und Asphalt-Junkies umso mehr in den Himmel jubeln. Da ich privat selber gerne auf den Pinsel drücke und manche meinen Heckspoiler zynisch als Frittentheke bezeichnen, fühle ich eher mit der Gruppe der Auto-Schraubern mit.
Nun, von dem "Tuning"-Look war schon in Teil Vier nicht mehr viel zu sehen und bei "Fast Five" verabschiedet man sich komplett davon. Man kann sagen, dass hier noch einige PS-Monster vorkommen, aber nicht mehr und nicht weniger wie in den üblichenen 08/15 Actioner auch. Sinnbildlich ist die Szene nach ca. einer Stunde, als sich die Leute um Vin Diesel aufmachen, bei illegalen Rennen sich schnelle Autos (in dem Fall ein Porsche 911 GT3) zu "verdienen" - und anstelle eines Rennens wird einfach nur die Garage gezeigt, wie sie mit dem gewonnen Fahrzeug zurückkehren. Nein, so nicht Leute!
Klar, man darf "The Fast Five" nicht nur durch den Rückspiegel sehen, sondern eben das, was er eben ausstrahlt: Einen Action-Film mit gut aufgelegten Stars. Neben Vince (Matt Schulze, F&F1), Han (Sung Kan, F&F 3-4) dürfen auch noch Roman (Tyrese Gibson, F&F2) und Tej (Ludacris, F&F2) mitmischen. Gibson sorgt für gelegentliche Lacher und lässt den ansonsten ernsten Film etwas lockerer erscheinen. Die Kernfrage ist jedoch die, wie sich The Rock in diesen Film einfügt: Passt er überhaupt hinein, welche Rolle spielt er?
Und da kann man über mehrere Faktoren froh sein: Anfangs wirkt er mit seinem Karpfen-Gedenk-Bart irgendwie wie ein Fremdkörper. Nach einem schönen Mann-gegen-Mann-auf-Fresse-Kampf gegen Vinnie (da dürfte wohl die Tagesform entscheiden, wer wen umboxt) fügt er sich doch noch ganz gut ins Geschehen ein und ist nicht wirklich der Held, aber auch nicht wirklich der Verlierer im Film. Auf den Punkt gebracht ist seine Rolle eine Bereicherung für den Film.
Eine etwas arg überfrachtete Story mit vieeel unnötigem Leerlauf kann dann mit einem Finale punkten, das Michael Bay auch nicht besser hinbekommen hätte (sei es jetzt die Zerstörungswut oder eben die Beleidigung der Realität): Toretto und O´Connor ziehen mit zwei Dodge SRT8 Modified Charger-Karren den Tresor von Gangster-Boss Ryes quer über die asphaltierten Straßen Brasiliens.
In meinem Herzen bleibt ein guter Action-Film zurück, jedoch hat das für mich nichts mehr mit der eigentlichen "Fast & Furious"-Reihe zu tun.
Als Tuning-Liebhaber
6/10 Punkte