Die Geschichte über den Mittfünfziger Larry Crown (Tom Hanks) ist eine Geschichte, die Hollywood immer wieder gerne erzählt, obwohl sie so in der Realität nur sehr selten vorkommt. Denn Larry Crown ist keine gescheiterte Existenz, weder drogenabhängig, noch behindert, sondern einfach ein Durchschnittsbürger - geschieden, keine Kinder, eigenes Haus und guter Job, der es sich in seinem Leben eingerichtet hat. So einer krempelt nicht einfach alles um, um vielleicht ein neues Glück zu erfahren, dass in der Lebensplanung gar nicht mehr vorgesehen war.
Damit ein solcher Prozess in Gang kommt, wird seitens Hollywood deshalb gerne die große Keule gewählt - ein Schicksalsschlag, der die Grundfesten der bisherigen soliden Existenz erschüttert, um entsprechende Veränderungen zu erzwingen. Das die Drehbuchautoren in "Larry Crowne" darauf verzichtet haben, ist ihnen hoch anzurechnen, auch wenn die Gründe für die Entlassung Crownes - schon mehrfach Mitarbeiter des Monats und ganz offensichtlich eine kompetente Stütze des Unternehmens - sehr gewagt wirkt. Weil er mangels ausreichender Ausbildung keine Karriere mehr innerhalb der Firma machen kann, wird er stattdessen auf die Straße gesetzt. Angesichts kapitalistischer Grundregeln, die das Ausbeuten einfacher Mitarbeiter bei ständig gleich niedrigem Gehalt, nicht unbedingt als Makel ansehen, wirkt dieser pseudo-soziale Ansatz wenig glaubwürdig, hat aber den Vorteil, dass hier Jemand arbeitslos wird, der mit der Situation umzugehen weiß und nicht am Boden zerstört in den Schlund der Hoffnungslosigkeit blicken muss.
Es hat schon etwas erfrischendes, wenn ein sympathischer Larry Crowne die Situation ohne einen Moment der Verzweiflung anpackt, sich durch erste Misserfolge nicht verunsichern lässt, sondern im Gegenteil das Studium nachholen will, dass ihn daran hindert, Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Auch die finanziellen Probleme geht er effektiv an, trennt sich von dem Haus, dessen Finanzierung er nicht mehr tragen kann, verkauft sein Auto und kauft sich einen Roller, der sich viel preiswerter im Alltag bewegen lässt. So angenehm es ist, dass der Film keine Extreme bemüht, um Larry Crownes Weg in ein neues Leben zu beschreiben, so sehr fragt man sich, warum der intelligente, fähige Mann zuvor in seinem dunklen Haus und seiner wenig inspirierenden Arbeit versauerte. Solche Situationen sind meist psychisch bedingt, aber Larry Crowne ist ein durch und durch gesunder Typ, der, obwohl 30 Jahre älter, an der Uni gleich an die richtigen Leute gerät.
Nur der Tatsache, dass Hanks diesen Typen mit der gebotenen Zurückhaltung und einer gewissen Selbstironie spielt, ist es zu verdanken, dass man seinem glatten, jeden wirklichen Rückschlag vermeidenden Weg, gerne folgt. Julia Roberts spielt dagegen eine Frau, deren äußerliche Rahmenbedingungen - sie ist Professorin an der Uni und verheiratet - in Takt zu sein scheinen, die aber ausschließlich mit schlechter Laune unterwegs ist. Schnell wird klar, dass ihre Ehe kaputt ist und sie als Professorin demotiviert ist, weil die Studenten nur wenig Interesse an ihren Fächern zeigen. Bei Julia Roberts gilt das gleiche, wie bei Hanks - sie übertreibt die Professoren-Zicke so schön klischeehaft, dass es schon wieder Spaß macht, ihr dabei zuzusehen.
Ansonsten handelt es sich bei "Larry Crowne" um eine RomCom - das heißt, alles läuft nach Plan. Nur ist die Zielgruppe eine andere, denn hier will sich ein Mittfünfziger mit einer Mittvierzigerin paaren, und das hat den Vorteil, dass selbst Hollywood nicht mehr auf den kompletten ideologischen Kanon zurückgreift, der RomComs unter jungen Erwachsenen so unerträglich werden lässt. Natürlich wird Frau Professor ihren Ehemann schnell los, der sich als Betrachter von Pornoseiten herausstellt, anstatt an seinem Roman zu arbeiten, so dass von dieser Seite keine Widerstände mehr zu erwarten sind, aber sie muss weder Kinder kriegen, noch ihren lukrativen Job aufgeben, um als Hausmütterchen zu fungieren. Auch Larry Crowne muss kein Anwaltsbüro übernehmen, um als adäquate Partie angesehen zu werden, es genügt ein Job als Koch, in dem er eine gewisse Kreativität nachweisen kann.
Diese Lässigkeit, die den gesamten Film auszeichnet, lässt diverse für das Genre typische Drehbuch-Konstruktionen verkraften, weshalb der Film, vor allem wenn man Fan der beiden Hauptdarsteller ist, insgesamt gut unterhalten kann (6/10).