Review
von Alex Kiensch
Mit dem 2008er Keanu-Reeves-Action-Reißer hat diese Direct-to-DVD-Produktion neben dem Titel nur die Grundstory gemeinsam: Ray Liotta gibt einen korrupten Cop, der in diversen Mordfällen unter anderen korrupten Cops ermittelt. An seiner Seite ein unerfahrenes Greenhorn, das - für niemanden überraschend, der das Genre kennt - den Fall am Ende durch Hartnäckigkeit und Unbestechlichkeit löst.
Alles an „Street Kings 2 - Motor City" ist purer Durchschnitt: Die Darsteller geben ihre Rollen mit der scheinbar notwendigen Klischeehaftigkeit - ob Liotta, der seinem abgehalfterten Cop mit tragischer Vergangenheit ein gehöriges Maß Dickköpfigkeit und Sturheit verleiht, sein junger Schauspielkollege, der mit ordentlich Naivität einfach nur das Richtige tun will, oder einige kleine Nebenfiguren, etwa der schwarze Undercover-Cop, der seinen Sugar Daddy so maßlos übertrieben gibt, dass es wirklich peinlich ist. Interessant ist hier keine der Figuren, und so bleibt auch die Spannung für den Zuschauer eher überschaubar, sind einem doch die Schicksale der Charaktere herzlich egal.
Und vorhersehbar außerdem noch: Das Drehbuch gibt sich anfangs noch ein wenig Mühe, einige Andeutungen und Hinweise zu verstreuen, die offenbar zum Rätselraten einladen sollen. Allerdings ahnt der erfahrene Genre-Fan schon sehr bald, worin die schockierende Auflösung bestehen könnte. Und diese kommt dann auch noch etwa nach der Hälfte des Films, also viel zu früh, sodass danach alles in spannungsarmem Einheitsbrei versinkt. Auch wenn es zum Finale noch einmal einige tragische Wendungen gibt, bleiben hier Figuren und Handlungsentwicklungen so klischeehaft und oberflächlich, dass man nicht wirklich mitfiebern kann. Schade, denn im Grunde hätte die Story durchaus Potenzial für einen mitreißenden Bad-Cop-Streifen geboten.
Anstatt sich aber Gedanken darüber zu machen, wie man Handlung und Charaktere tiefgründiger hätte gestalten können, konzentrieren sich Regie und Drehbuch darauf, die Motorstadt Detroit in stylishen Bildern als dreckigen, düsteren Moloch zu inszenieren, in dem an jeder Ghetto-Ecke der Tod lauern kann. Das immerhin gelingt der Inszenierung durchaus - vor allem die Anfangsszenen wirken visuell gelungen und qualitativ hochwertig, auch wenn sie wiederum zu plakativ bleiben, um als Milieustudie zu funktionieren. Immerhin, wer von einem Polizeifilm düstere Bilder nächtlicher Großstädte erwartet, kommt hier sicherlich auf seine Kosten.
Insgesamt merkt man „Street Kings 2 - Motor City" die Fließband-Durchschnitts-Produktion an. Weder Soundtrack noch Kameraführung, Bildästhetik oder Schauspielführung können in irgendeiner Weise individuellen Charakter für sich verbuchen. Hier kommt alles direkt von der Stange, was für eine Weile durchaus zu kurzweiliger Unterhaltung verhilft, aber viel zu platt und inhaltlich dünn bleibt, um über die gesamte (selbst das Standard) 90-minütige Laufzeit zu fesseln. Eine nette Fingerübung im Cop-Genre, die aber nichts essenziell Neues zu bieten hat.