Nachdem Michael Mann („Heat“, „Collateral“) 1986 mit „Manhunter“ an den Kinokassen scheiterte, traute sich niemand mehr so recht an die unverfilmbar geltenden Romane von Thomas Harris heran. Produzent Dino De Laurentiis („Assassins“, „Hannibal“) gab die Rechte schließlich ab und gab damit den Weg für einen erneuten Versuch frei.
Jonathan Demme („Philadelphia“, „The Manchurian Candidate”), dem nach seinen vorrangegangenen Projekten so ein Meisterwerk gar nicht zuzutrauen war, lieferte mit „The Silence of the Lambs“ überraschenderweise darauf nicht nur seinen besten, sondern auch einen fünffach Oscar-prämierten Genrehöhepunkt ab, der seine Ausnahmestellung neben „Se7en“ wohlverdient hat.
Die Jagd auf den Serienkiller Buffalo Bill (Ted Levine, „Nowhere to Run“, „Wild Wild West”) funktioniert hier eigentlich nur als Auslöser der den Stein ins Rollen bringt und wird vom Film nur sekundär behandelt. In erster Linie fußt „The Silence of the Lambs“ auf der Beziehung zwischen der angehenden F.B.I. – Agentin Clarice Starling (Jodie Foster, „Contact“, „Panic Room“) und dem kannibalistisch veranlagten, hochintelligenten, kultivierten Mehrfachmörder Hannibal Lecter (Anthony Hopkins, „The Edge“, „Hannibal“).
F.B.I. Agent Jack Crawford (Scott Glenn, „Backdraft“, „Vertical Limit“) schickt seine talentierte, ehrgeizige, sich noch mitten in der Ausbildung befindliche Mitarbeiterin Starling als letzte Möglichkeit zu Lecter. Er hofft, dass der Psychopath und Gentleman einer jungen Frau die nötige Aufmerksamkeit schenkt und in der Tat beginnt der sich für sie zu interessieren. Gegen den Rat von Crawford geht sie mit ihm einen „Quid pro Quo“- Kontrakt ein. Für jede hilfreiche Information von ihm muss sie etwas von ihrer schmerzhaften Kindheit offenbaren. Schnell erhält er Zugang zu allem, was sie im Inneren zu verstecken versucht. Ein Pakt, besser ein Flirt, mit dem Teufel, der verhängnisvolle Folgen haben soll. Sich ihm zu entziehen scheint unmöglich.
Die düstere Ausleuchtung und die grandios Lecter als menschlichen Dämon, ja als den Leibhaftigen, einfangende Kameraarbeit von Tak Fujimoto, der später bei M. Night Shyamalan noch zweimal für beklemmende Bilder sorgen sollte, gehören neben den offenbarenden, fesselnden Dialogen zwischen Starling und Lecter zu den Höhepunkten von „The Silence of the Lambs“. Demme lässt es dabei offen wie tief Lecter in Sterling schließlich einzudringen vermag, lässt dank ihrer Reaktion auf seinen finalen Anruf aber genug Spielraum für Interpretationen. Einen Aspekt den die Fortsetzung „Hannibal“ zehn Jahre später leider nicht mehr richtig aufgriff.
Erschreckend kaltblütig, brutal und hoffnungslos ist der Film gleich auf zweierlei Weise. Man vermeidet zwar die unappetitlichen Häutungen von Buffalo Bill zu visualisieren und überlässt der, von Obduktionen und Tatortfotos reichlich angeheizten, Phantasie des ohnmächtigen Publikums diese Untaten, dafür zeigt Demme die für Schweißausbrüche und Unbehagen sorgenden Vorbereitungen, das Halten seiner Opfer und die Entführungen derselbigen. Das Publikum wird hier gnadenlos in die wissende Zuschauerrolle gedrängt, die nicht in der Lage ist zu handeln.
Zwischenzeitliches Grauen verbreiten dann immer wieder die Auftritte Lecters, der urplötzlich sein zweites Gesicht offenbart, Grauen. Aus dem höflichen, disziplinierten und manierlichen, undurchschaubaren Mann wird urplötzlich ein rasender, gewalttätiger, gnadenlos tödlicher Menschenfresser, der sein lang gehegtes Ziel in die Tat umsetzt: Freiheit. Dafür füttert er das F.B.I. Häppchenweise mit seinen Erkenntnissen.
Das Tempo des Films bleibt bis zum Schluss eher gemäßigt. „The Silence of The Lambs“ baut voll und ganz auf seiner Atmosphäre und den Darstellern und tut gut daran. Demme setzt die richtigen Schwerpunkte, spart sich Action auf und dosiert den Horror so, dass keine Abstumpfung seitens des Publikums stattfindet. Zudem ist ein erzählerisch, geschickter Kniff für den Erstseher einen Schlag in den Magen. Mit ihm läutet er schließlich auch das nervenzerfetzend, spannende Finale, in dem Starling in einem düsteren, modrigen Keller schließlich dem wahnsinnigen, kranken, transsexuellen Killer gegenüber steht, ein – nur begleitet von Komponist Howard Shore („The Game“, „The Lord of the Rings“)
Die hier noch recht junge Jodie Foster lieferte hier eine ambitionierte Leistung ab – vielleicht die beste ihrer Karriere. Die störrische, unbequeme, aber auch einsame und später obsessive Agentin scheint ihr jedenfalls auf den Leib geschrieben. Sehr selbstbewusst und mit der nötigen Emotionalität ausgestattet, bietet sie Anthony Hopkins Paroli.
Der ist hier natürlich über jeden Zweifel erhaben und interpretiert die Rolle ganz eigen. Die Grenze zwischen Schauspiel und natürlicher Veranlagung verschwimmt hier zusehends. Mit dieser unbeschreiblichen, ausstrahlungsstarken Darbietung sorgt er für Faszination des puren Bösen. Anstatt abstoßend wirkt er anziehend auf das Publikum – hier geht etwas Magisches von ihm aus. In „Hannibal“ durfte er seinem Charakter Jahre später noch neue Dimensionen hinzufügen.
Fazit:
„The Silence of the Lambs“ ist ein extrem spannender, düsterer Psychothriller, der mit intensiv und grandios aufspielenden Schauspielern glänzt und zudem noch über eine atmosphärischen, den Zuschauer jeder Hoffnung beraubenden Inszenierung seitens Jonathan Demme verfügt. Die intelligenten Dialoge zwischen Starling und Lecter dürften jedem Zuschauer wohl ewig in Erinnerung bleiben. Grandios bis zum letzten Take.