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Der amerikanische Schriftsteller Thomas Harris brachte es nur auf fünf Romane, doch er schuf mit Dr. Hannibal Lecter eine Kultfigur. Während seine Rolle in "Blutmond" eher untergeordnet war, so lebte "Das Schweigen der Lämmer" um so mehr von seiner Präsenz. Regisseur Jonathan Demme (Der Manchurian Kandidat, Philadelphia) inszenierte einen der besten Thriller der Filmgeschichte, völlig zu Recht mit fünf Oscars ausgezeichnet. Regisseur Michael Mann durfte den Vorgänger "Blutmond" in Szene setzen, der gerade mal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder einspielte.

Clarice Starling (Jodie Foster) ist angehende FBI-Agentin, wird jedoch von Jack Crawford (Scott Glenn) für einen besonderen Auftrag rekrutiert. Sie soll das Vertrauen des inhaftierten Kannibalen Dr.  Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) gewinnen, um so an Informationen über den Serienkiller "Buffalo Bill" (Ted Levine) heranzukommen. Der hat schon drei junge Frauen ermordet und nun die Tochter der Senatorin in seiner Gewalt. Clarice gelingt es tatsächlich Lecter einige Informationen über seinen ehemaligen Patienten zu entlocken, doch sie muss dafür einen hohen Preis bezahlen. Schließlich kann Lecter auch noch fliehen.

Gerade der Charakter des unberechenbaren Dr. Hannibal Lecter macht diese Hatz auf einen Serienkiller so interessant. Er ist eine Bestie, die der Zuschauer sogar noch sympathisch findet, zumindest in der ersten Filmhälfte. Auf der anderen Seite steht die Anfängerin Clarice Starling, zwar schon recht abgeklärt, doch gerade ihre traurige Vergangenheit macht sie verletzlich. Doch Clarice will Karriere machen und dafür ist Dr. Lecter die richtige Basis. Zwischen den Beiden entwickelt sich nie eine Freundschaft, doch Lecter beginnt die junge FBI-Agentin zu schätzen und sie tauschen Informationen aus. "Quid pro Quo" lautet Lecters Motto, Clarice bekommt Informationen über "Buffalo Bill", muss im Gegensatz Lecter aber ihre traurige Vergangenheit offenbaren. Demme erzählt sehr gemächlich, aber gleichzeitig auch düster und unheimlich. Die Story ist komplex, man findet immer neue Hinweise, zum Beispiel den Schmetterling im Hals der Opfer, das Mosaik setzt sich nur langsam zusammen. Auch bleibt der Charakter Hannibal Lecter über die gesamte Laufzeit sehr geheimnisvoll. Man weiss nicht, ob man ihm trauen kann, denn er provoziert auch gerne nur und will für seine Informationen auch Gegenleistungen, da wäre zum einen die Verlegung in eine andere Anstalt. Doch trotz aller Sympathien für diesen Menschen, ist und bleibt er ein eiskalter Mörder, wie er bei seiner Flucht unter Beweis stellt. Clever aber auch kompromisslos, er hat dieses gewisse Grinsen im Gesicht, wenn er Leute auf grausame Weise tötet, Anthony Hopkins (Hannibal, Die Maske des Zorro) liefert hier eine exzellente Vorstellung.

Clarice verbeisst sich immer mehr in den kniffeligen Fall, während Demme auch ab und an zu "Buffalo Bill" blendet. Der hält die Opfer in seinem Keller gefangen, mit einer Lotion müssen sie ihre Haut anreiben, denn genau darauf ist der wahnsinnige Serienkiller aus. Er hinterlässt keinerlei Spuren und es gelingt Clarice wirklich nur durch Lecter, auf die Spur des Killers zu kommen. Erst im Finale treten dann ein paar Klischees zu Tage, so stürmt das FBI mit Crawford das falsche Haus, während Clarice durch glückliche Umstände direkt bei "Buffalo Bill" landet. Der zieht es vor sich ein Spielchen mit Clarice zu leisten, anstatt ihr gleich den Garaus zu machen. Hochspannend bleibt das Ganze trotzdem durchgehend und auch das Happy End hat eine Schattenseite und deutet eine Fortsetzung schon an. Wie Hopkins erhielt auch Jodie Foster (Inside Man, Panic Room) für ihre Performance einen Oscar, obwohl Hopkins hier alle an die Wand spielt. Auch sonst ist "Das Schweigen der Lämmer" top besetzt, wirklich schräg ist Ted Levine (The Hills have Eyes, Ohne Ausweg) als Serienkiller "Buffalo Bill".

Ein brillanter und hochspannender Thriller mit Top-Besetzung. Die komplexe Story entfaltet sich langsam aber kontinuirlich, nur ein paar unschöne Klischees gegen Ende bilden das einzige Manko. Die mit Abstand beste Verfilmung aller Thomas Harris Romane, gehört zu den besten Thrillern der Welt. Ein Muss für jeden Filmfan.

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