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Die Vita Hannibal Lecters wurde in drei Teile gespalten. Der mittlere, hier vorliegende Teil, war ursprünglich von Thomas Harris als erster geschrieben worden und so erfolgreich, daß ein Nachfolger ("Hannibal") und zuletzt sogar ein Vorgänger ("Roter Drache") her mußte. Die Verfilmung von "Schweigen der Lämmer" ist das Highlight unter den Psychothrillern, Referenz in Sachen subtiler Grausamkeit, fesselnd von Anfang bis zum Ende. Der Film begeistert durch die sanften Töne.

Clarice Starling (Jodie Foster in Bestform) ist angehende FBI-Agentin und in ihrem Beruf noch relativ unsicher, wenn auch zielstrebig und mit dem Willen und dem Mut sich an die Spitze vorzuarbeiten. Weder ein mißlungener Einsatz noch eine bewegte Kindheit hält sie davon ab sich in die Höhle des Löwen zu wagen. Die Höhle ist ein Gefängnis und der Löwe Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins) - ein inhaftierter Kannibale. Dieser, so wird vermutet, kann dem FBI behilflich sein einen psychopathischen Serienmörder namens Buffalo Bill zu fassen, schließlich könnte der Doktor ihn als Patient einst behandelt haben und somit wiedererkennen. Nun geht es im folgenden primär darum, wie es das FBI schafft Informationen aus jemandem herauszulocken, der dem FBI das Ende seiner Freiheit verdankt.

Die Darstellung und Ausarbeitung der Charaktere nimmt in "Schweigen der Lämmer" ausreichend Raum ein, so daß wir nachvollziehen können wie die beiden Protagonisten Lecter und Starling denken und reagieren. Wir beginnen beide zu verstehen, können uns in die Psychen hineinversetzen und fiebern mit - ein Hin und Her zwischen den gegnerischen Seiten. Auch der Film schafft es in hervorragender Weise das Zusammenwachsen der Sympathien darzustellen, indem Hannibal beginnt mit Clarice zu flirten und die junge Agentin sich dem nicht vollständig verschließen kann.

Der Film ist einer der ersten hoffähigen Filme, in dem der eigentliche Bösewicht fast liebenswert dargestellt wird und dem unsere eigentlichen Sympathien gelten (vgl. "Heat"). Anthony Hopkins spielt einen kultivierten, intelligenten und charmanten Menschen, der nur das Pech hat eines eigenwilligen Gustos, was ihn letztlich zum Mörder machte. Dieser Charakter wird später in "Roter Drache" noch stärker ausgearbeitet: Wer alle drei Teile in der logisch richtigen Reihenfolge hintereinander sieht bemerkt nicht nur die nachvollziehbare Verknüpfung sondern taucht insbesondere in "Schweigen der Lämmer" noch tiefer ein in die Welt der Psychologie. Man ertappt sich immer wieder beim Versuch, Lecter als völlig normalen Mensch zu identifizieren und wacht erst nach Ende der Trilogie wie aus einem Traum, aus einer Scheinwelt, auf.

Untermalt wird dieses Zelluloid-Highlight von einer düsteren tiefen Musik, Howard Shore komponierte einen perfekt passenden Soundtrack durch den die latent vorhandene Spannung noch intensiver empfunden wird. Der Film lebt von den kleinen Dingen, nicht von bombastischen Actionsequenzen, was sich letztlich im Showdown widerspiegelt der so gar nicht dem üblichen Klischee entspricht. Die Schauspieler agieren alle bemerkenswert glaubwürdig, weil sie sich nachvollziehbar verhalten, realistisch unterhalten - der Film könnte in weiten Teilen fast eine Dokumentation einer wahren Begebenheit sein.

Nichts für schwache Gemüter, nach dem Abspann geistig schnell Abschalten kann man vergessen. Am besten Abends nach einem guten Essen genießen, ein Gläschen Rotwein dazu, Kerzenlicht.

(10/10)

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