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Als bekennender Blutmond-Fan muss ich leider sagen, dass Das Schweigen der Lämmer es bei mir einfach sehr schwer hat. Dabei muss man fairerweise sagen, dass es im Hollywoodkino der 1990er einfach zwei sehr gute Serienkillerfilme gab: Das Schweigen der Lämmer und Sieben - danach kommt erst mal lange nichts.

Das Schweigen der Lämmer ist handwerklich und formal ein absoluter Topfilm, der auch heute noch gut funktioniert - alleine das ist ein Anzeichen für einen Topfilm. Er hat eine absolut überragende Schauspielerriege und einen enorm fähigen Regisseur auf dem, Höhepunkt seiner Kunst. Der Film oszilliert zwischen dokumentarischem Horror und finsterem Psychothriller auf eine erstaunlich hervorragende Art und Weise und weiss dabei genau, das Publikum im genau richtigen Masse so sehr anzuekeln, dass es gerade so immer noch fasziniert weiter schaut.

Das Prunkstück des Films ist ganz klar das (erotische) Psychoduell zwischen Jodie Foster als angehender FBI-Agentin und Anthony Hopkins in seiner (mittlerweile) Paraderolle als Hannibal Lecter (verzeiht die falsche Schreibweise falls es so ist), der in seiner Zelle sitzend immer noch der gefährlichste Psychopath des Films ist.

Wie gesagt, man kann dem Film überhaupt nichts vorwerfen, alle Beteiligten sind 1A, und der Film über jeden Zweifel erhaben einer der besten des Jahrzehnts. Das ist einer der seltenen Glücksfälle, dass die Oscarverleihung mal alles richtig gemacht hat, denn der Film soweit ich mich erinnere in allen wichtigen Kategorien abgesahnt.

Also was habe ich auszusetzen?

Ein paar Jahre vorher hat Michael Mann den grob unterschätzten Blutmond herausgebracht, welcher auf einem anderen Roman des gleichen Autors beruht, und in dem ein gewisser Hannibal Lecter aus einer Zelle heraus bei dem Fall behilflich sein soll. Der Ansatz dieses Hannibal Lecter (ich weiss nicht mehr welcher Film, aber einer von beiden schreibt Lecter tatsächlich so) ist etwas stärker an  Michael Douglas in Wall Street erinnernd und weniger prätentiös und pseudomysteriös wie die von Hopkins gespielte Version und meines Erachtens mindestens gleichwertig, um nicht sogar zu sagen, für mich besser als Charakter ausgefeilt. Der Darsteller Brian Cox meistert die Rolle einfach in meinen Augen deutlich besser. Das ist sicherlich Ansichtssache, da der Unterbau der Filme komplett unterschiedlich ist, aber Hopkins für diese Rolle komplett über den Klee zu loben und Cox Version zu ignorieren halte ich einfach für komplett falsch. Zumal es einfach die Rolle ist, die so brilliert und weniger der Darsteller. Zu dieser These komme ich, da sogar Mads Mikkelsen (übrigens auch ein komplett unterschätzter Schauspieler seiner Generation) in der Serie Hannibal absolut sehenswert ist.

Aber das ist natürlich nur das Haar in der Suppe, Film gut, Zuschauer zufrieden: 9 Punkte

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