Review

Späteinsteiger des durchaus überzeugenden, da mit einigen [wenigen] größeren Würfen und vielen zumindest wie selbstverständlich leicht überdurchschnittlichen, wenn auch sicherlich nicht vollständig befriedigenden Werken gesegneten Koreanischen Kinos im Jahre 2010, welches trotz seiner transzendenten Thematik auch in der aktuellen Zeit spielt. Eine Mischung aus Übernatürlichkeit mit guten und umso böseren Auswirkungen in der heutigen Realität, die allerdings immer wieder mit kleineren Kniffen und Einfällen in das Absonderliche oder Humoristische und somit direkt in die unterhaltende Kinemathek geführt wird.

Ein proklamierter Blockbuster für die Massen schon von weiter Sicht, mit höchster Vorverkaufsrate Inlands und auch eifrigen Rechteverkäufen im westlichen Markt, der ausnahme- und erfreulicherweise die Vielversprechungen einlösen und in manchen Schritten gar noch drauflegen kann. Ein Action •Drama •Science-Fiction •Thriller, wie frostiger Zuckerguss, gedreht und geschrieben als höchstpersönliches, gleichzeitig vertraut und außerdienstlich wirkendes Debüt von Kim Min-suk, der seine Weihen zuvor mit dem Kurzfilmen Memories of Old Boy und The Bone Blade und aufgrund dessen Rezeption als Gewinner des Mise-en-scéne Short Film Festival 2004 bzw Korea Youth Film Festival 2007 und in diverser assistierender Funktion bei The Host, A Bittersweet Life und The Good, the Bad, the Weird gemacht hat:

Nachdem er nach einem schweren Autounfall seinen Job auf einem Schrottplatz verloren hat, findet Im Gyoo-nam [ Ko Soo ] per Zeitungsanzeige eine Tätigkeit im "Utopia" Pfandleihhaus von Jung-Sik [ Byeon Hie-bong ], der ihn auch mit seiner Tochter Yeong-sook  [ Jung Eun-chae ] und einem ganz neuen Problem bekannt macht. Der aufmerksamen alten Herren werden direkt vor seinen Augen immer wieder eingenommene Geldbeträge entwendet, und er hat das unbestimmte Gefühl, daß ihm auch mehrere Minuten an Zeit abhanden kommen. Eines Tages mit seinen Freunden Ali [ Enes Kaya ] und Boba [ Abu Dodd ] zu Besuch anwesend, findet sich auch Gyoo-nam plötzlich wie in einem Standbild gefangen, kann sich anders als die anderen Anwesenden allerdings mit schwerster Anstrengung daraus befreien und sieht sich dem herumschnüffelnden und ebenso überraschten Cho-in [ Kang Dong-won ] gegenüber, der mit seinen Gedanken die Menschen an-, um- und ausschalten kann wie einen Fernseher und so die Welt nach seinen Belieben und Gutdünken steuert. So mit einer schier unüberwindlichen Kraft und wahllos auf ihn angesetzt programmierter Menschen konfrontiert, wagt sich der bisher unauffällige, aber ebenfalls mit in sich schlummernden Fähigkeiten ausgestattete average guy in den Kampf, wobei er nicht nur sein eigenes Leben, sondern vor allem die der Unbeteiligten in die Waagschale wirft.

  • "Who is going to win? Will it be me who has so many people that will fight. Of will it be you who has to fight so many people?"

Um das Publikum nicht zu verschrecken, arbeitet die Inszenierung von Psychic [ AT und wörtliche Übersetzung des Originaltitels ] dabei nur zu Beginn mit Bildern des Horrors, in verschiedenen Mitteln vom schnellen Schock über den Ekel und Motiven der Urängste; auch wird trotz all der vielen Toten, die dem gedanklichen suicide circle als heilloser Kollateralschaden anheim fallen, kein gänzlich verstörender oder gar depressiver Ton gesucht. Zwar spielt das soghafte Geschehen, dass schnell zum Kampf der Mächte abseits der Einsicht in die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Handelns erwächst, zumeist bei dunkler Nacht, erhellen aber immer wieder einige leichtere Spitzen die sich ansonsten schon bedrohlich bemerkbar machende Szenerie, wobei ein gewisser comigaler Stil schon vom Sujet und der Einbringung der aufgedrehten multikulturellen Combo als Gegner nicht von der Hand zu weisen ist. Darüber hinaus bewegt sich der Film trotz seines Status als Zugfang der Massen überraschenderweise eher am Rande der Gesellschaft, mit vielen Details und Ungewohntheiten, hat nicht nur zwei Außenseiter [mit konzentrierten darstellerischen Einsatz ] als Kontrahenten und Zentralfiguren, sondern hält die Schar weiterer Personen auch ebenso äußerst klein wie sich die Begebenheiten immer und wieder im Pfandhaus und Drumherum abspielen.

Nur vereinzelt geht es in andere Gebäude wie Polizeirevier und U-Bahn-Station hinein und auf die Straße hinaus, [meist mit verheerenden Folgen], wird die Zivilisation hier als weitgehend anonyme Aura mit wenig Beachtung für seinen Nebenmann gezeichnet, eine unpersönliche Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, in der Cho und Im auf ihre Weise ihre jeweils kleine heile Welt, Cho dies sogar als Spielzeugausgabe mit sich als überdimensional großer Mittelpunkt gebaut haben. Ein schon widersprüchliches Bild der Stadt, mit neu bestimmter kultureller und sozialer Position, dass noch mit kleinen, wie im Nebenher ablaufenden Detail angereichert wird, wie der Massenbeerdigung, in der kein Platz für Intimität und Trauer des Einzelnen ist. Dicht an dicht gedrängt sind auch die visuellen Einfälle und die nutznießerischen Gedanken dahinter, fängt die Leinwand beim ersten Kontakt der Widersacher an zu zittern und zu beben, erscheint durch meisterhaftes Phantasiegebilde selbst der Griff zum Lichtschalter als Bedrohung und auserkorener Auslöser einer Actionszene zugleich und wird auf diese und mehrere Weise das Produkt dahinter auch zum Individuum.

Vom scheinbar Harmlosen mit immer kürzer werdenden Erholungspausen und zunehmender Beschleunigung zur mittleren Katastrophe, in der der Regisseur mit seinen Suggestionen die Zuschauer genauso wie Marionetten manipuliert wie der son of an evil spirit Hypnotiseur seine Zufallsopfer und die Behelfsarmee. So sind trotz viel Aufwand wahrlich umfassende Actionszenen bis auf die Autodestruktion samt Geisterfahrer und Karambolage als Showdown gar nicht, der Eindruck durch viel Tempo, Druck, eine stetig bereite Positionierung und auch diskursiven Anklagen allerdings gegeben. Zeremoniell und Berechnung als visuelle und dort auch dramaturgisch durchblutete Begehrensstruktur, zwischen rauer Qualität der down-to-earth settings und der außergewöhnlichen, übernatürlichen Kräfte.

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