Review

"Ford Fairlane" ist eigentlich die Bezeichnung eines Autos, welches in den 50er und 60er Jahren produziert und verkauft wurde. Rex Weiner machte daraus eine Comicfigur, die einmal monatlich in einer New Yorker Zeitung veröffentlich wurde. Produzent Joel Silver gefiel das so sehr, dass er sich die Rechte Mitte der 80er Jahre sicherte, um daraus einen Kinofilm zu machen. Hierzu verpflichtete er den gerne mal beleidigenden und mittelmäßig erfolgreichen Komiker Andrew Dice Clay (Eine Nacht bei McCool´s, Point Doom), der für seine Performance gleich mit dem Anti-Oscar ausgezeichnet wurde. Überhaupt sahnte "Ford Fairlane" gleich fünf Goldene Himbeeren ab, viele Kritiker und Zuschauer schienen diese Actionkomödie zu ernst zu nehmen. Die Figur selbst ist ein typischer Macho, der raucht wie ein Schlot, säuft wie ein Loch und die Frauen reihenweise durch die Kiste scheucht. Seine Dialoge bestehen größtenteils aus Schwimpfwörtern, nebst derben bis pubertären Zoten, leider sind echte Lacher selten. Er bezeichnet sich selbst als Rock´N´Roll Detektiv, weil er größtenteils in dieser Szene ermittelt und musikalisch nicht unbegabt ist, wie ein Auftritt auf der Bühne beweist. Sein größter Schatz ist eine Gitarre von Jimmy Hendrix und gemäß seines Namens fährt er ein rot-weißes Ford Fairlane Cabrio.

Jedenfalls ist Renny Harlins (Stirb Langsam 2, Tödliche Weihnachten) fünfte Regiearbeit nicht nur hübsch altmodisch, sondern auch eine Hommage an den Film Noir. Die Bezeichnung Actionfilm ist hier eigentlich falsch, viel mehr ist "Ford Fairlane" ein Krimi.
So will Ford den Tod seines Kumpels Johnny Crunch (Gilbert Gottfried) aufklären, der ihm zuvor den Auftrag gab seine Tochter Zuzu Petals (Maddie Corman) zu finden. Genau den selben Auftrag erhält er plötzlich von der einflussreichen Colleen Sutton (Priscilla Presley) und auch der erfolgreiche Musikproduzent Julian Grendel (Wayne Newton) scheint in die Sache verwickelt zu sein. Mit seiner Sekretärin Jazz (Lauren Holly) wird Ford bald von gefährlichen Killern gejagt und auch bei Lt. Amos (Ed O´Neill) steht er bald auf der Abschussliste.
Die Krimigeschichte ist eher Nebensache, aber immerhin eine solide Basis, da es gegen Ende kleine Überraschungen gibt. Jedoch verliert sich "Ford Fairlane" gerne mal in Geschwätzigkeit, obwohl einige Dialoge wirklich Pepp haben. Jedoch überschätzt Harlin seine Hautpfigur, der man zu viel Raum lässt, besonders um seine Bedürfnisse mit hübschen Frauen zu befriedigen. Als Zuschauer muss man sich auf Ford einlassen können und genau das fällt manchmal schwer. Brachialhumor ist nicht jedermanns Sache, wirklich witzig sind aber die Auftritte von Ed O´Neill (Eine Schrecklich nette Familie, Kleine Giganten), besonders seine grausige Gesangseinlage.

Doch im Endeffekt passiert hier einfach zu wenig, Harlin führt zahlreiche Charaktere ein, zum Beispiel den kleinen Jungen, der Fords menschliche Seite zum Ausdruck bringen soll. Ford kurvt derweil in der Gegend herum darf sie mal hier und da eine kleine Prügelei liefern, doch spannend ist die Chose nicht. Und für eine Komödie oder Parodie fehlt einfach der Witz. Ganz nett geworden ist die Autoverfolgungsjagd auf den Friedhof, genauso wie der Showdown im Hochhaus. Aber von richtigen Actionszenen kann man nur selten sprechen, obwohl Harlin das Ganze ordentlich inszeniert hat. Doch das eigentliche Highlight des Films ist der Score von Yello, welcher nicht nur abwechslungsreich ist und toll klingt, sondern es werden auch ganze Songs im Film gespielt. Daneben ein wenig leise Kritik an der Musikszene.
Andrew Dice Clay ist für die Rolle des machomäßigen Rock´N´Roll Detektivs eine gute Wahl, von der Betitelung Schauspieler ist er aber noch eine Ecke entfernt. Da gefällt Wayne Newton (Lizenz zum Töten, Best of the Best 2) als herrlich überzogener Musikproduzent wesentlich besser, genauso Robert Englund (Nightmare on Elmstreet, Düstere Legenden) als Smiley, oder Lauren Holly (Turbulence, Was Frauen wollen) als schlagkräftige Sekretärin Jazz.

Es ist nicht immer leicht, sich auf "Ford Fairlane" einzulassen, besonders da zwischen den wenigen Actionszenen kaum etwas relevantes passiert. Auch der Brachialhumor hält selten mal einen richtigen Lacher parat, obwohl der ungehobelte "Ford Fairlane" durchaus eine erfrischende Abwechslung zu den sonstigen Filmhelden darstellt. Amüsant ist dieser Film allemal, der Score ist klasse, die Optik nostalgisch und die Story durchaus solide. Dennoch kann ich den vielen hohen Wertungen hier nicht ganz zustimmen, es gibt zu viele Durststrecken und zu oft ist "Ford Fairlane" dermaßen überzogen, beinahe kindgerecht. Ist nicht jedermanns Sache.

Details
Ähnliche Filme