Review

Ein außerordentlich gelungener Film ist Jan Hrebejk da gelungen. Eine Einordnung in ein bestimmtes Genre fällt schwer: "Wir müssen zusammenhalten" ist keine Komödie, obwohl die meisten Szenen umwerfend komisch sind. Eine Tragödie ist es auch nicht, obwohl die Rahmenhandlung sich mit dem vielleicht finstersten Kapitel der Neuzeit auseinandersetzt (die Judenverfolgung im 3. Reich). Obwohl der Film sowohl tragische, als auch komische Elemente vereinigt kann man auch nicht wirklich von einer Tragigkomödie sprechen. Bleibt im Grunde nur die relativ nichtssagende Bezeichnung eines Dramas.

"Wir müssen zusammenhalten" ist anspruchsvoll, aber nicht anstrengend. Selten habe ich eine derart kluge und gleichzeitig humorvolle Auseinandersetzung mit einem derart ernsten Thema gesehen, welche nicht früher oder später entweder zu anstrengendem Kopfkino ausartet, oder aber zugunsten der Unterhaltung und der Zugänglichkeit hinter den angemessenen Erwartungen bleiben muss. Der Film setzt sich mit  menschlichen Verhaltensweisen auseinander, zu einer Zeit, als der Mensch dem Unmenschen ausgeliefert war. "Wir müssen zusammenhalten" ist dabei zu jeder Zeit herrlich unangestrengt, aber niemals beliebig oder unverbindlich. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit und in einfachsten Worten reiht sich Szene an Szene, Dialog an Dialog und dennoch wird der Film zu keiner Minute langweilig oder läßt an Niveau zu wünschen übrig.

Die Grundstimmung ist unglaublich positiv und humorvoll, doch verliert die so eigentlich optimistisch-heitere Geschichte dennoch niemals die nötige Bodenhaftung. So bleibt einem immer wieder das Lachen im Halse stecken, wenn Hrebejk bisweilen an die realhistorischen Umstände erinnert und so dem Zuschauer völlig unaufdringlich, aber dennoch sehr überzeugend den nötigen Respekt abfordert. So entsteht echte Betroffenheit ohne plakative Schuldzuweisungen, ja eine gewisse "produktive Traurigkeit" stellt sich ein, anstatt von unproduktivem Hass oder Zorn.

"Wir müssen zusammenhalten" beschreibt auch den Mechanismus von Ursache und Wirkung in der Welt und wie scheinbar unbedeutende Handlungen enorme Auswirkungen nach sich ziehen. So wird der Zuschauer bis zum grandiosen Schluß, an dem schließlich alle Fäden der Handlung zusammenlaufen, stets daran erinnert, wie eine kleine Gemeinheit oder auch schlichtweg Feigheit großes Unheil bewirken, Mut und Tugendhaftigkeit dagegen geradezu Berge versetzen können und so auch in schwierigen Situationen das dezidierte Handeln jedes Einzelnen letztendlich über das Schicksal bestimmt.

Da mir in der Retrospektive quasi nichts einfällt, was man an diesem Film hätte wesentlich besser machen können, vergebe ich 9 / 10 Punkten, womit "Wir müssen zusammenhalten" zweifelsohne als kleines Meisterwerk durchgeht.

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