Review

Vorbemerkung:

Ich sah "Sucker Punch" gestern in einem Multiplexkino in Bangkok und zwar im Original mit thailaendischen Unterttiteln. Mein Englisch ist einigermassen brauchbar aber nicht perfekt. So habe ich wohl das Meiste mitbekommen, einige Details sind mir sicher entgangen. Dazu wurde der Film auf Riessenleinwand und in ohrenbetaeubender Lautstaerke wie das hier ueblich ist gespielt, dies mag den Ueberwaeltigungseffekt verstaerkt haben...

Geschichte:

Baby Doll wird nachdem ihr Stiefvater nach den Tod ihrer Mutter ihre kleine Schwester umbrachte (?) von ihm des Mordes beschuldigt und in eine psychiatrische Klinik einweisen gelassen, wo man sie so behandeln soll, dass sie hinterher nicht mal ihren Namen mehr weiss. Dafuer bezahlt er den Anstaltsleiter. Dort tut sie sich mit weiteren Maedchen der weiblichen Abteilung zusammen und schmiedet Ausbruchplaene. Dazu muss sie 4 (+ 1) Gegenstaende auftreiben. Jeden Gegenstand ist eine Fatasieepisode zugeordnet die in Japan in ferner Vergangenheit, im Ersten Weltkrieg, in einem mystischen Mittelalter und in "Under Siege 2" (oder auch in "Un flic" von Melville) spielen. Am Ende gelingt nur einem der Maedchen die Flucht...

Bewertung:
 
Zack Snyder hat mit seinem 5. Film ein japanisches Manga verfilmt, das dachte ich gestern als ich ihn sah und genauso sieht der Film auch aus. Ich war nach seinen letzten 2 Filmen die mir aus unterschiedlichen Gruenden beide nicht gefielen oberskeptisch. Aber schon die erste Fantasieepisode hat mich komplett ueberzeugt, voellig over-the-top fernab jeder Realitaet, nahezu komplett aus dem Rechner, aber mit einer Wucht und einem Pathos dargebracht, dass ist Breitwandkino wie ich es mag, das ist der Snyder aus "300" oder "Dawn". Die Teile in der Anstalt sind in einem Neofiftieslook gehalten. Die Fantasieepisoden spielen in diversen Epochen, das wird aber immer durch bewussen Einsatz anachronistischer Waffen, Flugzeuge, Technik aller Art gebrochen.
Eines sollte man vielleicht zumindest noch kurz sagen, der Film ist ausserordentlich maennerfeindlich, vom Wise Man (Scott Glen) abgesehen sind alle maennlichen Figuren Sadisten, Moerder, Vergewaltiger, notgeil und korrupt.
Und noch eines sollte man sagen, das ist ein PG 13-Film, d.h. die ueblichen Blutorgien die man von Snyder gewohnt war gibt es nicht, aber auch das stoert eigentlich nicht. Ein kleiner Kritikpunkt, die Coverversion von "White rabbit" einem der genialsten Popsongs aller Zeiten ist ein Fiasko, die von "Search and destroy" kommt schon besser. Von Mozarts Requiem gibts leider auch nur ne Billigversion.
Snyder hat sich mit "Sucker punch" weit aus dem Fenster gelehnt, aber er ueberzeugt durch Leidenschaft, Einfallsreichtum, Wucht! Die Maedchen moegen einem vielleicht nicht gefallen, sie moegen schlechte Schauspielerinnen sein, das alles spielt bei einem derartigen Ideengewitter keine Rolle, der Film hat eine klare einfache und sinnvolle Struktur (ganz im Gegensatz zu Watchmen), und er wirkt wie ein Sog, selten sind mir knappe 2 Stunden kuerzer vorgekommen. Nachdem Tatantino sich (vielleicht) endgueltig dem serioesen Autorenfilm zugewendet hat ist Zack Snyder heute der Koenig der Postmoderne. Empfehlung!

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