Nach dem Tod ihrer Mutter wird die schüchterne Babydoll von ihrem Stiefvater in die Klapse gesteckt. Um dem trostlosen Alltag dort zu entfliehen, flüchtet sich Baby in abstrakte Traumwelten. Diese Phantasiewelt liefert ihr jedoch auch die Anleitung zur Flucht aus dem Irrenhaus. Ihre neu gewonnenen Freundinnen unterstützen Babydoll in ihrem Vorhaben und tauchen mit ihr in die Traumwelt ab. Die Grenzen zwischen Realität und Phantasie scheinen zu verlaufen…
Zack Snyder kickt back! Mit seinem neuesten Streich SUCKER PUNCH will der Meister der Optik nicht nur an seine visuellen und unkonventionellen Erfolge 300 und WATCHMEN anknüpfen, sondern die Messlatte des Machbaren noch einmal nach oben schrauben. Das Ergebnis ist ein Effektgewitter sondergleichen. Beinahe „too much“ für die Aufnahmekapazität eines bescheidenen Zuschauerhirns. Bombasto-Kino Deluxe! Ein Film nach dem Motto „Weiber, Wummen, KAWUMMM!“, der mit Videospieloptik und haargenau platzierter Zeitlupen-Ästhetik dem mit offenem Staunemund vor der Leinwand hockenden Zuschauer das Hirn aus dem Schädel ömmelt.
SUCKER PUNCH entführt uns in phantastische Paralleluniversen und unwirkliche Scheinwelten, in denen sich unsere grazilen, leicht bekleideten Protagonistinnen gegen riesige Killer-Samurais, fiese Nazizombies, Orks und Feuer spuckende Drachen zur Wehr setzen müssen. Die Action dabei ist schlichtweg atemberaubend, schweinegeil und spektakulär bis zum Gehtnichtmehr. Die Ladys reißen den Bösewichten mit Samuraischwertern, Ballermännern, aus dem Shooter HALO geklauten Sturmgewehren und natürlich allerhand Kung Fu-Akrobatik die Ärsche auf. Zum Einsatz kommt auch ein Häschen-Roboter mit eingebauten Miniguns. Zeppeline und Wehrmachtkampfbomber werden vom Himmel geschossen. Egal ob zu Land oder in der Luft die Mädels liefern einfach eine prima Figur ab.
Klar, dass mal wieder gut 99% davon aus dem Daddelkasten stammt. Das Ergebnis macht aber zweifelsohne mächtig Laune.
Wenn nun beim einen oder anderen die Frage aufkommt, was der ganze Humbug denn bitteschön zu bedeuten hat, dann ist diese durchaus gerechtfertigt. Eine Antwort, warum die Chickas in die Phantasiewelten reisen und dort ausgerechnet gegen die gerade aufgezählten Ungetüme kämpfen müssen, bleibt vollkommen unklar. Gut, Protagonistin Babydoll bekommt bei ihrer ersten Reise ins Land der Träume eine Anleitung zur Flucht aus der Klapse gesteckt und ist fortan damit beschäftigt, bestimmte Gegenstände, die für den Ausbruch nötig sind (z.B. Karte, Feuer, Schlüssel etc.), zu sammeln. Jeder Gegenstand in der Traumwelt (z.B. Drachenfeuer) entspricht einem Gegenstand in der Realität (z.B. Feuerzeug). Jedes Mal wenn es daran geht, einen bestimmten Item zu beschaffen, tauchen die Girls in eine neue Traumwelt ab. Dies ist freilich überaus unterhaltsam und geil anzusehen. Hinterfragt man jedoch den Sinn des Ganzen, steht der Film mit leeren Händen da.
Die Story hat also ganz klar ihre Schwächen. Aber hat sie denn überhaupt Stärken? Definitiv! Das Erzähltempo stimmt, es wird kaum langweilig und es sind mehrere unvorhergesehene Twists eingebaut, die dem Plot Aufwind verschaffen.
Story hin oder her, kommen wir nun zum Kernstück des Films, zum Highlight und Hauptgrund sich den Streifen zu Gemüte zu führen: den Weibern!
Ihre Namen sind Babydoll, Sweet Pea, Rocket und Blondie. Das sind überaus adrette junge Damen mit Modelmaßen und Playboyposen. Sie alle tragen durchgehend, also auch in allen Actionszenen, Minirock, Strapse, Overknees und High Heels. Sie sind stets aufgebretzelt als wären sie gerade auf dem Sprung in die nächste Promi-Disse. Jede von ihnen trägt Pfauen-artige Wimpern. …Kurzum: Geile Weiber mit geilen Körpern! Wirklich Wahnsinn, aber es ist tatsächlich für jeden männlichen Hetero-Geschmack etwas dabei: Die Blonde, die Brünette, die Asiatin, die Kindliche, die Burschikose, die mit etwas mehr Busen, die mit etwas weniger Busen… Als Mann ist man also hauptsächlich mit Sabbern beschäftigt. Da könnte der Sitznachbar in Flammen aufgehen, man(n) würde es kaum mitbekommen, so fesselnd sind die hübschen Damen.
Man könnte natürlich fies sein und dem Film unterstellen, er bediene nur billige Klischees: Schulmädchenuniformen und laszive Lolitas im Hentei- bzw. Mangaporno-Style, dralle Schenkel, stramm geschnürte Korsetts, herausquellende Titten, fette Angelina Jolie-Blaselippen etc… Man stelle sich nun aber bitte eine in Zeitlupe das Katana schwingende Lolita vor , wie sie einem gigantischen Drachen oder Samurairoboter den Schädel abtrennt – schon erkennt man, dass es sich hierbei um tiefschürfende, hochwertige Filmkunst handelt.
Für geile, weibliche Charaktere benötigt man geile, weibliche Schauspielerinnen. In den Hauptrollen finden sich Emily Browning (DER FLUCH DER ZWEI SCHWESTERN), Abbie Cornish (OHNE LIMIT), Jena Malone (DONNIE DARKO), Carla Gugino (SIN CITY, SPY KIDS) und – man höre und staune – Vanessa Hudgens (HIGH SCHOOL MUSICAL). Bei letzterer kann man kaum glauben, dass es sich wirklich um das brave, kleine Gör handelt, das zusammen mit Zac Efron diesen gesanglichen Amoklauf und Holocaust der oberflächlichen Fröhlichkeit verübt hat. Sie scheint tatsächlich erwachsen geworden zu sein. Zumindest erwachsen genug, um als geile Bitch durchzugehen (Spaß!).
Unter den nennenswerten männlichen Darstellern finden sich Scott Glenn – er geleitet Babydoll als weiser Führer, den man leicht mit Mr. Kung Fu David Carradine verwechseln könnte, durch die Traumwelten (der Sinn seiner Rolle bleibt völlig im Dunkeln) – und Jon Hamm als Tod bringender „High Roller“.
So stark die Figuren optisch auch auftreten, fehlt es ihnen doch merklich an Tiefe. Emotionen bleiben daher auf der Strecke. Auch werden alle Charaktere viel zu schludrig vorgestellt, um ernsthaft mit ihnen mitleiden zu können.
Will man doch noch einmal einen Blick auf die Handlung werfen, obwohl dies gänzlich überflüssig erscheint, angesichts der Unmenge an bislang aufgezählten positiven, weiblichen Argumente, bleibt festzustellen, dass das Thema „Traum Vs. Realität“ bereits in zahlreichen Filmen verarbeitet wurde und das auch oft in besserer Form. Der Vergleich zu Christopher Nolans allumfassender Traumstudie INCEPTION hinkt. Besser dagegen die Gegenüberstellung zu PAN’S LABYRINTH, in welchem die kindliche Hauptfigur ebenfalls nach Belieben die Barriere zwischen Traum und Wirklichkeit passiert, um zur phantastischen, mit geheimen Kräften ausgestatteten Heldin zu werden. Im Direktvergleich fällt wohl am besten auf, dass SUCKER PUNCH die „Was ist Traum, was real?“-Thematik im Grunde gar nicht wirklich bearbeitet, sondern vielmehr nur benutzt ohne tiefer darauf einzugehen. Klar fallen mal pseudokluge Sprüche wie „Der Schlüssel, um dich zu befreien, liegt in dir selbst“ oder ähnlicher Schmonsens. Den Film als philosophisch tiefgründig zu bezeichnen, wäre allerdings eine Beleidigung für Schoppenhauer und Co.
Da kommt SUCKER PUNCH doch eher einer intelligenteren und aufwendiger fabrizierten Version des Prügelkloppers DOA – DEAD OR ALIVE gleich. Auch bestehen Parallelen zu DREI ENGEL FÜR CHARLIE und AEON FLUX, welche ja auch hauptsächlich aufgrund ihrer weiblichen Besetzung (z.B.: Lucy Liu oder die obergeile Charlize Theron-Schnepfe) ansatzweise sehenswert waren.
Der Fairness halber muss jedoch schon betont werden, dass SUCKER PUNCH ein weitaus größeres Filmvergnügen darstellt, als die letztgenannten Negativklassiker. In visueller Sicht wird hier tatsächlich ein neues Level beschritten und Zack Snyder hängt die Messlatte einen Tick höher. Brachiale Action, hübsche Mädels und lässige Videoclip-Ästhetik, zudem noch wahnsinnig stimmige Songs, u.a. Björks “Army Of Me” und eine affengeile Coverversion des Pixies Schlagers “Where Is My Mind“, machen SUCKER PUNCH zu einem Popcorn-Kracher der Superlative. Die Story, so löchrig und verbesserungswürdig sie auch erscheint, ist für einen derartigen Blockbuster schon als ganz brauchbar zu bezeichnen. Man merkt allerdings nicht nur anhand der kaum vorhandenen Gewaltdarstellung, dass der Film Federn hat lassen müssen, um einem R-Rating zu entgehen, sondern auch an der schludrigen Charakterzeichnung und den Sinnlücken.
Fazit:
TRANSFORMERS goes ALICE IN WONDERLAND goes KILL BILL goes Lolita-Porn!
Comichaftes, anspruchsloses, relativ sinnentleertes, keinesfalls aber dümmliches oder langweiliges Actiongebolze mit einem Optik-Overkill und supercoolen, sexy Weibern.
„Girl Power“ wie man(n) sie mag!