Review

Sucker Punch oder Zack Snyders feuchter Traum

Zack Snyder ist inzwischen bekannt durch seine fantastischen Bilder in z.B. 300 oder Watchmen. Auch bei Dawn Of The Dead hatte Snyder ein gutes Händchen bewiesen und lieferte eines der besten Remakes von Filmklassikern seit Jahren ab.
Nun hat Snyder seinen ganzen Stolz, sein "Baby" verfilmt - Sucker Punch. Kein Remake, keine Comic-Adaption, all Zack Snyder. Und dort ist wohl auch der Hund begraben.

Die Geschichte von Sucker Punch handelt von Baby Doll, die nach dem Tod der Mutter zusammen mit ihrer jüngeren Schwester beim bösen Stiefvater wohnt. Das Testament der Mutter erklärt die beiden Mädchen als alleinige Erben - sehr zum ärger des Stiefvaters. Er misshandelt und tötet im Rausch Babydolls Schwester und nachdem Babydoll ihn angreift, jedoch nicht tötet, landet sie schlussendlich in einer Psychatrie. Dort soll Babydoll eine Lobotomie bekommen, damit sie nicht mehr fähig ist das Erbe anzunehmen und der Stiefvater als Erbe eingesetzt werden kann. Hierzu besticht der Vater den Aufseher der Psychatrie und lässt eine Lobotomie veranlassen, die sonst nicht genemigt werden würde.
Babydoll schmiedet einen Plan um auszubrechen. Sie flüchtet sich in eine zweite Realitätsebene, die in einem Bordell spielt, in dem sie der Neuankömmling ist, die atemberaubend Tanzt. Sie trifft im Bordell (und somit auch in der Psychatrie) auf weitere "Tänzerinnen", die ihr dabei helfen wollen, auszubrechen. Hierfür brauchen sie fünf Gegenstände aus verschiedenen Bereichen des Hauses, vier sind bekannt, der fünfte ist geheim. Allerdings haben die Mädchen nur fünf Tage zeit, dann bekommt Babydoll besuch von dem Arzt für die Lobotomie bzw. dem High Roller in der "Bordellebene", der die jungfräuliche Babydoll für viel Geld ihrer Jungfräulichkeit berauben soll.
Somit muss Baby Doll mit ihrem hypnotisierenden Tanz die Wächter ablenken, damit die anderen Mädchen die Gegenstände stehlen können. Während dieser Tänze driftet Baby Doll in eine dritte Ebene ab, die "Kampfebene"in der sie und die andern Mädchen Superkräfte besitzen und gegen verschiedene Monster mit allerlei Waffen wie Kampfflugzeugen, Maschinengewehren, Schwertern und Robotern kämpfen müssen um die begehrten Gegenstände wie z.B. einen Schlüssel zu erhalten. Jeder Kampf hat eine gewisse Aufgabe, z.B. das Entschäfen einer Bombe unter Zeitdruck oder das stehlen einer Karte.

Soweit die Story.

Kritik:
Die Story wiederzugeben ist genauso schwer, wie der Story zu folgen. Ein ständiges wechseln zwischen den Ebenen, die zwar klar voneinander zu unterscheiden sind, jedoch sehr vorhersehbar und komplett Kontextfrei sind, ermüdet doch auf Dauer. Sobald ein bestimmter Gegenstand in der "Bordellebene" erhalten werden soll, müssen die Mädchen in der "Kampfebene" ran. Dies geschieht immer auf die selbe Art und Weise auch wenn es immer verschieden in Szene gesetzt wird.
Wer Fragen wie "warum" und "wie" und "wann" an den Film und die Story stellt, wird bitter enttäuscht - diese Dinge sind irrelevant.
Der rote Faden ist zwar stets vorhanden, verliert sich aber oft in den Actionmomenten und dient schon fast nur zur Überleitung zu den Actionsequenzen.
Figuren gibt es zwar genug, jedoch sind sie fast alle recht oberflächlich und sind die üblichen Stereotypen wie z.B. der fette, eklige Koch, der Mädchen, die sein Essen stehlen misshandelt oder der versoffene, pädophile Stiefvater um nur einige zu nennen. Motivation der Figuren ist quasi nie gegeben, auch wenn am Ende die eine oder andere Figur seine Taten hinterfragt.
Die Hauptcharaktere sind bis auf das "Tänzer"-Schwesternpaar alle recht eindimensional, Babydoll, als Heroin genauso.
Der am Anfang des Films aufgegriffene und am Ende wieder auftauchende kritische Ton verliert über die Laufzeit des Films völlig an Bedeutung, da die Hauptcharaktere ausser "Frauenpower" und hübschen Aussehen nichts zu bieten wissen.
Der ganze Film schreit förmlich nach Metaphern und Symbolik:
Die gequälten Seelen der Psychatrie vs die "Tänzerinnen" im Bordell, die Hilflosigkeit in der echten Welt vs die überragende Macht in der "Kampfebene" und so weiter. Babydoll "bewaffnet" sich in der "Kampfebene" für den Tanz und jeder Tanz ist ein Kampf für die Freiheit...
Zack Snyder lebt scheinbar seine erotischen Fantasien mit diesem Film aus, denn was hier präsentiert wird könnte direkt aus einem japanischen Hentai dank MPAA PG-13 Rating mit Jugendsperre stammen.
Mädchen als Prostituierte, in Schulmädchenuniform, Slip immer in Augenhöhe des Zuschauers, angedeutete Vergewaltigungen und Entjungferungen - nur einige Beispiele. Den Film bringt es nicht voran, dem testosterongeladenen Mann allerhöchstens eine Erektion. Somit kann man die "Tänze" in der "Bordellebene" in der "Psychatrieebene" gut als sexuelle Annäherung Babydolls an die männlichen Wächter ansehen. Wie weit das bewusst oder unbewusst von Snyder integriert wurde, ist unklar, klar ist jedoch, dass durch die exzessive Verwendung von Sexualität in jeder Form der Darstellung der weiblichen Hauptfiguren eine Objektisierung der Mädchen erreicht wird. Diese soll zwar eine Kritik darstellen, scheitert jedoch kläglich beim Versuch und es wird das Gegenteil erreicht.

Im visuellen Bereich zeigt Snyder wieder allen, was in ihm steckt - fantastische Sets, grandiose Kostüme und effektvolle Kämpfe mit kreativen Choreographien süßen den sonst recht salzigen Filmgenuss. Die kommenden Fantasy und Sci-Fi Filme werden sich auf jeden Fall mit diesem Film messen müssen. Und Zack Snyder schafft das, was viele in 3D nicht schaffen: Ein plastisches dabei-sein-Gefühl zu vermitteln. Man fühlt sich bei den Actionsequenzen mitten im Geschehen.
Auch bei der musikalischen Präsentation lässt sich Snyder nicht lupen und setzt mit bekannten Hits wie "Sweet Dreams" und "White Rabbit" in ruhigeren Covern sowie "Army Of Me" von Björk im Remix und eigenen Songs von Emily Browning passende und teils sehr Kontrastreiche, bewegende Musikuntermalung ein. Natürlich dürfen treibende Elektrostücke bei den Kämpfen nicht fehlen.

Fazit:
Zack Snyders Film wird man mögen oder hassen: Hier geht Ästhetik über Inhalt. Der Film hätte allerdings so viel mehr sein können als er letztendlich ist. Gute Storyansätze sind vorhanden, jedoch durch die drei Ebenen sowie der Actionelemente verliert sich die Übersicht und der Sinn der jeweiligen Aufgabe. Man hätte besser daran getan, alles auf zwei Ebenen mit besser ausgearbeiteten Figuren spielen zu lassen. Schade.

UPDATE:
Ich habe mich noch lange mit dem Film beschäftigt, viele Kritiken und Interviews gelesen, Interpertationen angesehen/angehört und damit eine zweite, jedoch nachträgliche Meinung gebildet.
Dies soll nun nicht heissen, dass ich beim ersten Mal sehen nicht genau das verstanden und empfunden habe, was ich oben als Review geschrieben habe, sondern nur, dass ich nicht, wie viele andere, den Film von vorne bis hinten durchinterpretiert habe und mit völlig anderen Erwartungen an diesen Film herangetreten bin.
Ziehe ich jetzt feige den Schwanz ein und lasse mich von anderen Kritiken beeinflussen?
Meine Meinung im Bezug auf das erste Mal sehen steht.
Ich bin mir nun nur bewusst, dass dies kein Popcorn-Unterhaltungsfilm sein soll, was der Trailer suggeriert, sondern durch gewollte Interpretation und Symbolik durchzeichnete Kritik an der Gesellschaft. Ich habe diese Interpretationen erst nachdem ich den Film nicht gemocht habe, gehört, dadurch mir aber ein anderes Bild machen können.
Somit überlasse ich es dem geschulten Leser dieses Reviews sich die Mühe zu machen und den Film zu interpretieren oder einfach die schönen Bilder zu genießen. Ich werde ihn mir auf jeden Fall nocheinmal unter anderen Gesichtspunkten ein zweites Mal ansehen und dem Film nocheinmal eine Chance geben und ggf eine Zweitmeinung abgeben.

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