Emily Browning spielt eine junge Frau, die nach einem unglücklichen Zwischenfall von ihrem tyrannischen Stiefvater in eine Psychiatrie eingewiesen wird, wo sie in wenigen Tagen eine Lobotomie erwartet. Sie träumt sich in ein Bordell, wo sie und die anderen Insassinnen als Tänzerinnen arbeiten müssen, während sie einen Fluchtplan aushecken. Die Aufgaben, die sie vor ihrem Ausbruch noch vor sich hat, ersetzen in ihrer Fantasie diverse Kriegsvisionen, in denen sie gegen Drachen, deutsche Soldaten und Roboter kämpft.
Nach seinem kompromisslosen Gemetzel "Dawn of the Dead" und seiner visuell enorm eindrucksvollen Schlachtplatte "300", mit der sich Zack Snyder einen Namen machen konnte, folgte mit "Watchmen" eine der besten Comic-Verfilmungen der letzten Jahre, bevor sein 3D-Trickfilm "Die Legende der Wächter" eher unterging. So konnte man an Snyders neustes Werk "Sucker Punch" durchaus hohe Erwartungen stellen, die er in handwerklicher Hinsicht auch voll und ganz erfüllt. Als Schnapsidee entpuppt es sich dagegen, dass der Regisseur hier erstmals ein eigenes Drehbuch zu seinem Film schrieb.
"Sucker Punch" ist visuell nicht minder ansprechend als "Watchmen" und "300" geworden. Snyder wählt für die Action-Sequenzen auf der zweiten Fantasie-Ebene die verschiedensten Kulissen und Figuren aus, sodass immer wieder aufs Neue ein interessanter Bilderbogen zu bestaunen ist. Egal, ob es sich nun um einen Kriegsschauplatz in der Ruine von Nortre Dame handelt, um eine mittelalterliche Burg, in der sich ein gewaltiger Drache befindet, oder um einen futuristischen Zug auf einem fremden Planeten, die Welten, die Snyder hier konstruiert, haben definitiv etwas für sich. Auch die Action-Sequenzen können sich sehen lassen, sind dynamisch inszeniert, bieten hervorragende Effekte auf und kommen angesichts der auf Hochglanz polierten Optik hervorragend zur Geltung. Snyder spielt dabei zudem immer mal wieder gekonnt mit Slow-Motion-Einstellungen und Perspektivwechseln. Seine Hauptdarstellerinnen setzt Snyder dabei, bewusst dem Trash-Genre entlehnt, wie Pin-Up-Girls in Szene, was dann auch sehr ansehnlich ausfällt. Es vergeht kaum eine Action-Szene, in der man den attraktiven Darstellerinnen nicht kurz unter den Rock schauen könnte, "Sucker Punch" ist auch so allgemein ein ziemlich maskuliner Film geworden.
Musikalisch gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Snyder findet für jede Szene den passenden Song, wobei die überarbeiteten Versionen diverser Klassiker auch hier gut und interessant klingen. Darstellerisch gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, obwohl Snyder eher auf die zweite bis dritte Garde Hollywoods zurückgegriffen hat, besonders Emily Browning macht in der Hauptrolle in doppelter Hinsicht eine überaus gute Figur. Dass Snyder ein guter Handwerker ist, ist nun aber nichts wirklich Neues.
Neu hingegen ist, dass der angehende Kultregisseur sein Drehbuch selbst verfasst hat und dies hätte er besser gelassen. Was noch relativ interessant beginnt, entpuppt sich schnell als etwas konfus und unausgegoren. So wollen die reale Erzählebene und die beiden Fantasie-Ebenen nicht so recht zusammenpassen, sodass der Film eher undurchdacht als innovativ daherkommt. Besonders am Ende, wenn Snyder versucht, die drei Ebenen zusammenzuführen, harkt es an einigen Ecken und Enden, was wohl vermeidbar gewesen wäre, wenn Snyder einen stringenteren Plot konstruiert hätte.
Noch unglücklicher ist letztlich Snyders zu keinem Zeitpunkt gemeisterter Grat zwischen augenzwinkerndem Trash und versuchtem Tiefgang. Wenn er obskure, zugegebenermaßen überaus amüsante Nebenfiguren wie den Bürgermeister oder den Koch in seinen Film integriert, seinen knapp bekleideten Darstellerinnen unter den Rock filmt und sie dann auch noch gegen mechanisch betriebene Soldatenleichen und andere bizarre Gegner kämpfen lässt, dann ist das definitiv Trash, der angesichts seiner gelungenen Machart etwas für sich hat. Edeltrash gewissermaßen. Wenn Snyder dann aber alle drei Minuten wieder ernstere Töne anschlägt, ähnlich wie in del Toros "Pans Labyrinth" geschehen, die Flucht seiner Protagonistin in ihre Fantasie zu fokussieren versucht und auf klassische Elemente eines Dramas zurückgreift, dann lässt dies den Film nur noch unausgegorener und konfuser wirken. Besonders der Versuch, am Ende noch eine Botschaft zu vermitteln, wirkt fehl am Platz und zieht den Film deutlich stärker ins Lächerliche als alle übertriebenen Gewaltorgien zusammen.
Fazit:
Man kann Snyders Film dafür hassen, dass er sich in seinen unglücklich konstruierten narrativen Ebenen verfängt, dafür, dass er inmitten seines bewusst trashigen Werks ernste Töne und psychologische Tiefe zu simulieren versucht, was durchweg einen faden Beigeschmack verursacht. Man kann ihn aber auch für seine visuelle Brillanz mögen, für gute Action-Sequenzen, für hohe Schauwerte, für eine virtuose handwerkliche Umsetzung, seine leicht bekleideten Darstellerinnen, für einen letztlich ordentlichen Unterhaltungswert. Es wäre sicherlich mehr drin gewesen - dass er mehr kann, hat Snyder bereits mehrfach bewiesen -, aber schlecht ist der Film definitiv auch nicht.
66%