Regisseur Zack Snyder zeigte uns zumindest mit seinem Remake des Horrorklassikers Dawn of the Dead von 1978, dass er weiß wie man Filme macht. Reichte er nach Meinung vieler zwar nicht an das Original heran, bekam er jedoch gute Kritiken von vielen Seiten und wurde auch zum finanziellen Erfolg. Leider scheint Snyder in Sucker Punch vergessen zu haben, wie man gute Filme macht.
Sein fünfter Spielfilm ist zugleich der erste, der seiner eigenen Feder entsprungen ist, beschränkte er sich doch zuvor auf Remakes und Comicverfilmungen. Er schien sich jedoch nichts eigenes ausdenken zu wollen, denn er kündigte schon vorher vollmundig an, der Film sei eine Mischung aus Alice im Wunderland mit Maschinengewehren, inklusive Drachen, B-25 Bombern und Bordellen. Das er sich dann jedoch wirklich gar nichts einfallen ließ, enttäuschte mich, obwohl ich ohne große Erwartungen ins Kino ging.
Der Film dreht sich um eine namentlich nicht genau benannte junge Frau, nur Babydoll genannt, die ihren Vater verliert und vom sadistisch veranlagten Stiefvater in eine Psychiatrie eingewiesen wird um dort einer Lobotomie unterzogen zu werden. Schon erschreckend, wie Snyder seine Protagonistinnen allein durch ihre Namen fast vollständig deindividualisiert. Sweet Pea, Rocket und Blondie nennt er sie und begeht damit schon den ersten Fehler in der Charakterzeichnung. Von Anfang an sind sie alle schlicht Sexobjekte in Snyders sexistischer Welt. Andere Regisseure könnten auf der Basis seinen Protagonisten nur Spitznamen zu geben das Interesse wecken und dann auch interessante Charaktere zeichnen, deren Persönlichkeiten den Zuschauer fesseln. Dabei denke ich vor allem an Quentin Tarantinos Gangsterfilm Reservoir Dogs. Zack Snyder schafft das jedoch nicht, denn er scheint es nicht einmal zu versuchen.
Was folgt sind zwei Sprünge auf traumähnliche Handlungsebenen, in die sich die Frauen in ihrer Phantasie flüchten um der grausamen Psychiatrie zumindest im Geiste zu entgehen. Kurioserweise flüchten Sie sich direkt in das nächste Horrorszenario: Ein Bordell. Erst auf der dritten Ebene beginnt dann das angepriesene Actionspektakel. Die Hauptperson Babydoll beginnt zu tanzen und taucht damit in eine Welt ein in der so allerhand auf sie wartet. Schon dieser Grundaufbau erinnert stark an Christopher Nolans Inception, welcher etwa 8 Monate zuvor in den Kinos anlief. Dieser Diebstahl geistigen Eigentums zieht sich dann mehr als nur dreist durch das komplette Machwerk. Es scheint als hätte Snyder sich in den vier Jahren Produktionszeit alle Blockbuster angeschaut und alles aufgeschrieben was ihm gefiel: Die Mädchen kämpfen gegen Drachen, Samurai, deutsche Zombiesoldaten und viele weitere Absonderlichkeiten. Diese Actionszenen sehen beim ersten Mal noch ganz nett aus, öden jedoch schon nach kurzer Zeit an, denn sie sind vollkommen überladen mit sinnloser Action die überhaupt keinen Spaß macht. Des Weiteren stehen diese Szenen natürlich sinnbildlich für Handlungen auf der realen Ebene, der Psychiatrie. Die Mädchen sammeln einige Gegenstände um selbiger zu entfliehen und müssen dafür die jeweiligen Endgegner der Visionen besiegen. Ab diesem Moment fühlte ich mich in ein drittklassiges Adventure-Game versetzt. Die Handlung ist so dünn, dass sie im endlosen Geballere einfach zu verschwinden scheint.
Das traurigste an Sucker Punch sind jedoch die handelnden Personen. Allen voran natürlich die jungen Frauen, denn Snyder lässt sie sehr spärlich bekleidet rumhüpfen und dabei die Röcke wehen und die Kamera mehr als ein Mal über ihre Schenkel gleiten. Es ist überaus bedenklich zu was sie hier gemacht werden. Auf zwei von drei Handlungsebenen sind sie von Männern unterdrückte Sexobjekte in aufreizender Kleidung und auf der dritten möchte Snyder anscheinend den Eindruck vermitteln sie wären frei und würden sich erheben. Das meint er jedoch nicht so, denn täte er das, müsste er ihnen etwas Kleidung besorgen. Dadurch würde jedoch der Sinn dieses Werks verloren gehen: Die eigene sadistische Ader zu befriedigen und sich an halbnackten Frauen aufzugeilen. So ist Sucker Punch gewiss kein tiefgründiger Film mit einer Botschaft á la Frauen erhebt euch! sondern nur die Peinlichkeit der letzten Jahre schlechthin.
Unterstützt wird das Ganze durch uninspirierte Darsteller die keinen Funken Interesse oder gar Mitgefühl wecken. Wie sollen sie auch, wenn das ebenfalls von Snyder geschriebene Drehbuch nur klischeebehaftete Dialoge und pseudophilosophische Kommentare aus dem Off hergibt und ihnen keine Chance zur Entfaltung gegeben wird?
Fazit: Absolut peinliches und sexistisches Machwerk, dass dreist aus allerhand Spielen und Filmen stiehlt und die Elemente zu etwas zusammenfügt, dass nichts eigenständiges an sich hat, sondern nur wie ein unförmiger Brei von Lächerlichkeiten daherkommt. Sucker Punch macht seinem Namen alle Ehre - doch wohl kaum so, wie Regisseur Zack Snyder es gewollt hat.