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Im Frankreich des 18. Jahrhunderts muss die verwitwete Marquise de Merteuil zu ihrem Missfallen erfahren, dass ihr derzeitiger Geliebter Gercourt ihre unschuldige 15-jährige Cousine Cecile heiraten will. Sie bittet ihren Ex-Geliebten, den Vicomte de Valmont, dafür zu sorgen, dass Gercourt in der Hochzeitsnacht eine Überraschung erleben wird. Valmont willigt ein, sich Ceciles anzunehmen, auch wenn das für ihn eigentlich eine zu leichte Aufgabe zu sein scheint. Mehr Unterhaltung verspricht er sich davon, die verheiratete Madame de Tourvel zu verführen, da diese als Musterbeispiel weiblicher Tugend gilt.

Gefährliche Liebschaften wurde ja bereits schon mehrfach verfilmt, dennoch interessierte „Einer flog über das Kuckucksnest Regisseur“ Milos Forman das Thema genug, um den Stoff nochmal als sehr aufwändiges Kostümdrama mit über zwei Stunden nochmals zu inszenieren. Im Zentrum des wohlgekleideten Intrigantenhaufens mit strenger Etikette und höfischer Wortwahl steht die von der Mutter angedachte Heirat der 15-jährigen Klosterschülerin Cecile (passenderweise war Hauptdarstellerin Fairuza Balk zum Drehzeitpunkt ebenfalls 15) und dem Bestreben ihrer älteren Cousine diese Ehe scheitern zu lassen, in dem sie ihren Freund Valmont dazu einspannt.
Was folgt ist eben ein großes Durcheinander an Gefühlen, Allianzen und natürlich Liebe und Eifersüchteleien, an denen eine ganze Reihe des französischen Adels beteiligt ist. Da freut sich die naive und weltunerfahrene Cecile, das sie der Ehe versprochen wird, ohne zu wissen, wer denn nun der zukünftige Matratzenmitbesteiger überhaupt ist, Emanzipation war damals sichtlich noch nicht erfunden. Dieser wird dann als hochnäsiger, meist desinteressiert älterer Frauenheld vorgestellt, der eben jener Cousine die klassische Raufhupf- und Wegfürimmernummer durchgespielt hat, die wiederum ihren Kumpel mit einer Wette einspannt Cecile zu verführen, um dann die Hochzeit aufgrund des Beschämens der dann nicht mehr vorhanden Jungfräulichkeit platzen zu lassen.
Dadurch, das der Stoff eher trocken und doch sehr emotionsgeladen ist, können zwei Stunden schon mal eine lange Zeit werden, wenn man sonst wenig mit dem Zeitkolorit, ausführlichen Charakterdarstellungen oder hohem Anteil an Dialogen anfangen kann. Dafür gibt es gute Darsteller, wirklich sehenswerten Sets und Kostümrequisiten und ein Script, das allen Figuren Wendungen und Platz für Entwicklung einräumen. Genau das richtige für tiefenentspannte Historienfans, aber Gift für Leute aus dem John Woo Fanclub.
6/10

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