Review

Bedrohliche Versuchungen

Ich liebe Formans Stil. In seinen audiovisuell nicht unähnlichen „Amadeus“ bin ich seit dem Musikunterricht in der neunten Klasse verliebt. Doch „Valmont“ habe ich jetzt erst gesehen - vielleicht weil er zu seinem Release dermaßen untergegangen war, nachdem Stephen Frears mit den ungemein beliebteren „Gefährliche Liebschaften“ im Jahr zuvor mit denselben Grundlagen schon einen waschechten Hit landen konnte und Formans Interpretation dagegen brachial baden ging. Dabei ist’s vielleicht sogar der bessere Film - in jedem Fall der hübschere und besser ausgestattete! Erzählt wird in der augenzwinkernden Historienmoralgeschichte von Intrigen, Sexwetten und Machtspielchen im aristokraten Frankreich vor Guillotine und Revolution…

Zwillingsfilm, die 164.

„Valmont“ sieht atemberaubend aus. Das kann man nicht stark genug betonen. Die Kerzen und Kostüme, die Säle und marmorierten Wände, die Gärten und Gänge, die Intimfrisuren und Bäder. Das muss sich eigentlich hinter nichts verstecken, was je das Prädikat Historienfilm trug. Aber das ließ natürlich auch das Budget anschwellen - was den massiven Flop an den Kinokassen natürlich nochmal schmerzhafter machte und sogar eine dicke Delle in Formans Karriere hinterließ. Was meine Bewunderung für „Valmont“ selbstredend aber nicht abbricht. Die Geschichte ist an und für sich kaum wirklich neu oder spannend. Da merkt man dann doch, dass es schon viele Varianten dieser Ausgangslage gibt („Eiskalte Engel“ ist da ein weiterer persönlicher Favorit von mir). Aber Forman und sein Cast und seine Herangehensweise machen „Valmont“ trotzdem frech, texturreich, körperlich und sehenswert. Vor allem die Benning sticht heraus. Doch auch Firth würde man heutzutage eine solche „Verführerrolle“ gar nicht mehr zutrauen. Er macht das gut. Die echten und aufwändigen Sets machen Eindruck. Man sieht und spürt die Dollar auf der Leinwand jederzeit. Und alles wirkt weitaus klassischer und understateter als bei anderen Umsetzungen. Ohne an Augenzwinkern, Frechheit, Erotik, Boshaftigkeit oder Intelligenz einzubüßen. Ganz im Gegenteil. Alles ist sehr haptisch, nachvollziehbar und reif. Forman wusste was er tut, war selbst nach fünf Jahren noch ganz im „Amadeus“-Modus und er ließ sich auch von ähnlicher Konkurrenz nicht verunsichern, vom ambitionierten Weg ab- oder aus dem Konzept bringen. Und „Valmont“ merkt man dieses Selbstbewusstsein an. In jeder Pore. In jedem lüsternen Blick. Rattig, ritterlich, raunchy. Vielleicht fehlt trotz all seiner Unverfrorenheit und nackter Popos dann aber doch ein wenig der Pepp und das Feuer und das Genie, das einen „Amadeus“ derart im Gedächtnis bleiben lässt. Ein schlechter Film sieht aber trotzdem ganz anders aus. 

Schlimme Finger und krumme Dinger

Fazit: pompös ausgestattet, mit einer famosen Annette Bening und viel Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Geilheit. Klassisches Kostümkino mit einem sexy-moderneren Kniff. Kein Überwerk - aber eine unterschätzte und exquisite Version der Geschichte! 

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