Review

Quarantäne“ war ja damals eine ganz schöne Frechheit. Die synchronisationsfaulen Amerikaner hatten es doch tatsächlich gewagt ein 1-zu-1-Remake des spanischen Horrorstreifens „Rec“ abzuliefern, während das Original in den meisten Ländern gerade noch im Kino lief. Die Schelte war vorprogrammiert. Doch wenn ein, nach wie vor als großer Regisseur gefeierter Gus van Sant das Selbe mit „Psycho“ machen darf, warum nicht. Dennoch muss man klar sagen, trotz Kopie sämtlicher Einstellungen war „Quarantäne“ zu keiner Zeit so spannend, so überzeugend wie sein spanisches Pendant. Anscheinend merkte man das auch an den Zuschauerzahlen, denn überraschenderweise löst sich „Quarantäne 2“ komplett vom fast parallel gedrehten „Rec“-Nachfolger und erzählt uns – neben Verzicht auf die „Ego-Perspektive“, die ja der Clou von „Rec“ war – eine völlig andere Handlung an einem komplett anderen Schauplatz.

Während nämlich „Rec 2“ eine etwas unmotivierte Exorzisten-Story  im selben Apartmenthaus, direkt anschließend an die Geschehnisse des ersten Teils, erzählte, betrachten wir beim „Quarantäne“-Nachfolger den Ausbruch der Tollwutseuche quasi parallel zur Apartmenthandlung aus Sicht einiger Flugzeugpassagiere (höre ich da jemanden "Plane Dead" schreien?). In diesem Fall hat mir die Handlung und das Setting dann auch deutlich besser gefallen als beim spanischen Zwilling. Überhaupt hat „Quarantäne 2“ einige ganz nette Ideen und schafft es auch immer wieder Bezüge zum Vorgänger, sowohl handlungs- als auch stiltechnisch, herzustellen. In Punkto Stil wären das der häufige Einsatz einer etwas verwackelten Handkamera und gegen Ende der Einsatz einer Wärmebildkamera. Bei der Handlung werden immer wieder Erkenntnisse oder Bilder der Seuche im Wohngebäude ins Spiel gebracht. Das alles, und ich muss das betonen, bevor ich später zu den negativen Elementen komme, ist wirklich geschickt gemacht. Zudem kommen ein paar kleine Gimmicks hinzu, die ein paar nicht allzu bekannte Gewürze in das eng abgesteckte Feld des Zombiefilms einbringen. Zum Beispiel werden jetzt auch Tiere zur Gefahr, da diese ebenso als Überträger fungieren. Auch sehr schön fand ich, dass zu Beginn erstmal schön mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt wird, denn so gut wie jeder an Bord des Flugzeugs könnte der Infizierte sein (immerhin die Hälfte der Passagiere hustet und schneuzt sich durch die ersten 15 Minuten des Films). Die Protagonisten sind, wie so oft beim Genrefilm, austauschbar, handeln aber nur bedingt doof und kommen zumindest schon mal auf die Idee potentiell infizierte Kandidaten der Gruppe zu isolieren. Auch die Geschichte selbst kann dem Thema nichts Neues hinzufügen, ist aber trotzdem –bei heruntergeschraubten Erwartungen – okay.

Nur, und da kommen wir jetzt zu den Minuspunkten, wenn ich schon eine 08/15-Story erzähle, sollte der Film wenigstens mit Irgendetwas herausstechen um sich abzuheben. Und da ist das große Manko von „Quarantäne 2“. Er hat nichts Besonderes. Weder ist er besonders brutal – ganz im Gegenteil, oft fehlt ihm der Mut Dinge zu zeigen, die auch dramaturgisch wichtig wären (etwa ein Selbstmord, der wirklich gar nicht berührt, da er inszenatorisch völlig verhaut wurde) - noch besonders originell in anderer Hinsicht. Andererseits ist er aber dermaßen ambivalent, dann doch bei zumindest drei Szenen in die Vollen zu gehen. Also was nun, entweder ganz oder gar nicht. Inkonsequenz, das ist das Erste was einem dazu einfällt. Und dieses Wort trifft auf den Film in vielerlei Hinsicht zu. Ist schon komisch, dass man weiß, dass sich auch Tiere infizieren können, man Angst vor Ratten und Katzen hat, aber beim Auftauchen von Mäusen plötzlich beruhigt durchatmet. Das wirkt ein bisschen so, als ob die Schauspieler damit die dritte Wand durchbrechen wollten um zu sagen: „Ist ja nur ein Film. Und solange das Drehbuch sagt, da passiert nichts, reagieren wir auch nicht darauf.“ Das sind alles vermeidbare Fehler, aber im Endeffekt nicht diejenigen, die der Small-Budget-Produktion das Genick brechen. Um den Kardinalsfehler des Films greifbar zu machen, springe ich kurz von Übersee zurück in die heimischen Gefilde. Ausgerechnet aus Deutschland nämlich kam ein Beitrag zum Zombieflick, der auf beeindruckende Art und Weise zeigte, wie man auch ohne Gore- und Ausweidungszenen einen atmosphärisch dichten und ungemein spannenden Film abliefern kann. Die Rede ist vom Hauptstadtkurzfilm (ca. 60 Minuten Spielzeit) „Rammbock“. Warum ich diesen erwähne? Erstens, weil man gar nicht oft genug wiederholen kann, wie gut dieser Film ist, zweitens aber, weil dieser alles das richtig macht, was „Quarantäne 2“ zwar im Ansatz beherrscht aber mit zielsicherer Regelmäßigkeit an die Wand fährt. Als da wären: Atmosphärische Dichte und Spannung. Zwar gelingt es dem Regiedebütanten John Pogue (überraschenderweise kein Mitglied der „Pogues“ und weniger überraschenderweise kein guter Gag) immer im Ansatz diese Elemente einzuführen, kann sie aber nicht ausformulieren. Oder anders gesagt. Man weiß was er möchte, aber er schafft es nicht. Keine einzige Szene kann so etwas wie wirkliche Spannung vermitteln. Und das ist schade, denn irgendwie merkt man schon dass „Quarantäne 2“ ein ganz brauchbarer Film sein könnte, nur die Beliebigkeit und die mittelmäßige Klasse aller Faktoren (Schauspieler, Regie, Budget) lässt ihn im filmischen Mittelfeld versinken. Nichts, aber auch gar nichts fällt positiv (aber auch negativ) aus der Reihe.

Somit kann man „Quarantäne 2“ attestieren, zwar kein Ausfall, kein mieser Film zu sein, aber eben auch ganz bestimmt kein besonderes Werk. Und das ist in einem derart ausgereizten Genre einfach zu wenig – aber immer noch mehr als bei einem durchwachsenen Filmchen wie „Rec 2“, der zwar spannend und gut gemacht war, aber eben so viele bodenlos schlechte Elemente besaß (Plottwists, nein überhaupt: Plot), bei denen man sich immer wieder fremdschämen musste.

Daher: Sehr milde 6/10

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