Gewisse Filmklassiker machen eine Bewertung gehörig schwer und so ein Fall von inhaltlicher und filmischer Trennung ist John Frankenheimers „The Manchurian Candidate“, der in Deutschland unter dem irreführenden Titel „Botschafter der Angst“ gelaufen ist.
Während Frankenheimers Film in Amerika rundweg als Klassiker abgefeiert wird, hat die deutsche Kritik dieses Werk immer recht zwiespältig, um nicht zu sagen abfällig aufgenommen. Das mag einerseits an der chronischen Humorlosigkeit einheimischer Kritiker liegen, andererseits haben die Amis auch einen anderen Blickwinkel.
Für die Elite der Kritiker funktioniert der Film nämlich als eine Art politische Satire, weswegen auch Pauline Kael ihm freundlich gesinnt war.
Ich will nicht verhehlen, daß es durchaus satirische Bezüge gibt. Die Zeichnung des Stiefvaters des hier von den Kommunisten per Hypnose und Drogen umgedrehten Shaw, Senator Iselin ist geradezu die perfekte Ironisierung eines Kommunistenhetzers des kalten Krieges, ein ständig schwitzender, sich überschlagender Kettenhund, der es mit Daten und Fakten nicht aufnehmen kann und dem sogar seine Frau sagen kann, daß Denken nicht gerade seine stärkste Eigenschaft ist. Daß gerade er ins weiße Hause gepusht werden soll, hat tatsächlich humorige Züge, da hinter einem großen Mann immer eine große Frau steht, nämlich Angela Lansbury, die hier bei wirklich allem die Fäden zieht.
Ansonsten nimmt der Film sich aber für meinen Geschmack viel zu ernst, um eine gewollte Satire zu sein. Die Ausgangssituation, eine amerikanische Kompanie wird von Rotchinesen aufgebracht und unter Drogen bearbeitet, ja bis zum Mord getrieben, ist deutlich ein Feindbild des kalten Krieges, die zu dieser Zeit in der Kuba-Krise ihren Höhepunkt fand.
Die bösen Schlitzaugen, egal welcher Couleur, in Verbindung mit den Russen, haben natürlich nichts Besseres zu tun, als auf diese teuflische Art und Weise den american dream zu infiltrieren und die Kontrolle über das Land zu übernehmen.
Und, das ist dann die große Überraschung, hinter allem steckt vor Ort auch noch die Lansbury, die ihren eigenen Sohn opfert, bzw. ihn fleißig politische Gegner morden läßt.
Leider schwankt das Gesamtergebnis dann doch ein wenig zu stark zwischen Polit-Thriller, persönlichem und psychologischen Drama, um vollends überzeugen zu können.
Während Laurence Harvey als auserwählter Attentäter Raymond Shaw eine brauchbar sperrige Darsteller des mutterhassenden Kriegshelden gibt, der immer ferngesteuert Verbrechen begehen muß, arbeitet Frank Sinatra als ebenfalls betroffener Kamerad Bennett Marco daran, den hypnotischen Bann zu brechen, als er endlich darauf kommt.
Sinatra ist leider überhaupt nicht in Form, es ist keine schlechte Leistung, aber man hat nie das Gefühl, er würde das Letzte aus sich herausholen und das Drehbuch legt seine, eigentlich positive Rolle, viel zu ängstlich, zögernd und gemütsarm an.
Aus den anderen Darstellern sticht natürlich die Lansbury hervor, ein Muttermonster von geradezu enorm bösartigen Ausmaßen, während für Janet Leigh kaum mehr als ein, zwei funtionsarme Aufbauszenen mit Sinatra bleiben.
Da der Zuschauer schon viel zu früh und detailliert weiß, was im Koreakrieg vorgefallen ist, gibt es leider im Drehbuch nicht mehr viel Platz für Überraschungen und auch die Decouvrierung der Lansbury als der amerikanische Kommie-Kontaktmann fällt wenig aufregend aus, da das Spiel mit der impulsgebenden Karo-Dame, die aus Harvey den Befehlsempfänger macht, viel zu oft zu sehen ist, um dann wirklich zu überraschen.
Natürlich bleiben immer noch ein paar Aha-Effekte übrig, etwa wenn Shaw seine eigene Angetraute umlegt, nachdem er gerade seinen Schwiegervater erschossen hat und auch das Attentat auf der Nominierungsverkündung am Ende hat so seine Spannungsmomente, aber der allmächtige Druck will nicht den ganzen Film halten.
Und am Ende segnet Sinatra ja dann auch den US-Kriegshelden ab, der sich im letzten Moment vom Kommunismus befreit hat, wobei von der weltweiten Verschwörung keine Rede mehr ist.
Ja, da hat es Amerika besser, für die der Patriotismus diese Attacke auf den guten und bösen Geschmack versüßen kann. Bei uns wirkt „Botschafter der Angst“ meistens einfach nur platt, bisweilen etwas zäh und mit zu vielen persönlichen Problemen, die leicht neben dem Plot liegen.
Was bleibt, ist die Dreistigkeit der Macher, die schöne s/w-Fotografie und einige treibende Sequenzen von Macht und Format. Und ein fahler Beigeschmack! (7/10 – aus filmischen Gesichtspunkten).