Review

Der deutsche Titel dieses Films, "Botschafter der Angst"  ist ein wenig irreführend und man hätte gut daran getan, den Originaltitel beizubehalten, wie dies auch beim Remake dieses Klassikers mit Denzel Washington im Jahre 2004 erfolgte.Wie so oft braucht sich das Original vor der Neufassung rund 42 Jahre später nicht zu verstecken.

Der Film hält sich insgesamt recht dicht an die Romanvorlage von Richard Condon und ist somit auch zum Teil ein Produkt des Kalten Krieges.
Eine Gruppe von US-Soldaten wird während des Koreakrieges von den kommunistischen Streitkräften gefangen genommen und einer intensiven Gehirnwäsche unterzogen und anschließend zurückgeschickt. Was die Soldaten nicht wissen, ist, dass einer von ihnen zum perfekten Attentäter umfunktioniert wurde. Er, Raymond Shaw, wird von den anderen als derjenige gefeiert, der sie gerettet habe. Die übrigen Soldaten kehren in ihr Zivilleben zurück oder machen wie Captain Marco Karriere beim Militär. Allen gemeinsam ist, dass sie mitunter die gleichen Albträume haben, in denen sie scheinbar als Gäste einer Versammlung von Blumenzüchterinnen beiwohnen, wobei die tatsächlich erlebte Wirklichkeit immer wieder durchschimmert. In dieser erleben sie erneut, wie Raymond Shaw als Demonstration für seine Programmierung als Attentäter zwei der Kameraden, die allgemein als vermisst gelten, umbringt.
Die Albträume sind der Anlass, dass die Soldaten wieder Kontakt aufnehmen. So trifft sich Captain Marco mit Raymond Shaw, der inzwischen ein erfolgreicher Journalist geworden ist. Marco ist über das zum Teil seltsame Verhalten seines ehemaligen Kameraden und Freundes erstaunt. Ist dessen Mutter, die in zweiter Ehe mit dem Senator Iselin verheiratet ist, dafür Schuld. In den Gesprächen mit Shaw erfährt Marco die Geschichte von dessen Liebe zur Tochter des liberalen Senators Jordan, der mit dem Antikommunisten Iselin verfeindet ist.
Die Spannung wird verstärkt, als Raymond Shaw, der "Schläfer" im Dienst der Gegenseite, "geweckt"  wird und zur "Übung" seinen Chef bei der Zeitung umbringt. Dann erhält er den Auftrag den Präsidentschaftkandidaten beim Nominierungskongress zu erschießen. Für Captain Marco beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, will er seinen Freund davon abhalten, weitere Morde zu begehen.

Insbesondere die Albtraumsequenzen sind beängstigend gut gelungen und es ist unbegreiflich, weshalb gerade hier bei der deutschen Kinofassung gekürzt wurde. Vielleicht waren die drastisch dargestellten Morde an den Kameraden, die zum Teil noch dabei mithalfen, einem deutschen Publikum in dieser Form nicht zumutbar. Filmtechnisch und erzähltechnisch sind sie aber Höhepunkte der Filmkunst. Durch das ständige Überblenden und Rückblenden zwischen der indoktrinierten Versammlung der Blumenzüchterinnen und der erschreckenden Wahrheit, ergibt sich für den Zuschauer die Gelegenheit sich noch stärker mit den Charakteren zu identifizieren, indem er sich selbst überlegt, welcher Eindruck nun der wirkliche ist.

Schauspielerisch sind die meisten Rollen mehr als gut besetzt, das gilt auch für die Nebenrollen. So überzeugt Laurence Harvey als Raymond Shaw als potentieller Attentäter und man kann seinen Zwiespalt, sein Leiden an  der Wirklichkeit gut nachvollziehen. Leider tritt er danach nicht wieder in einer Hauptrolle hervor. Frank Sinatra mimt gewohnt gut, an einigen Stellen etwas zu routiniert, den untersuchenden Captain Marco.
Auch die Nebenrollen wissen zu überzeugen. Allen voran Angela Lansbury als die Mutter Shaws, die tatsächlich gleichen Alters mit dem ihren Sohn darstellenden Schauspieler war. Auch Janet Leigh (als Freundin Marcos), James Gregory (als Senator Iselin), John McGiver (als Senator Jordan) sowie Henry Silva als ein zwielichtiger Koreaner, der bei der gefangennahme der Soldaten beteiligt war, überzeugen in diesem Film.

Sinatra und Silva liefern sich in diesem Film zudem einen der ersten Martial-Arts-Szenen des amerikanischen Kinos. Gerade hier lohnt es sich beim Audiokommentar des Regisseurs John  Frankenheimer genau zuzuhören und zu erfahren, was in der Szene schief lief und für welchen Schauspieler die Einstellungen schmerzhafter waren.
Gerade die Extras bei der mir vorliegenden US-Veröffentlichung sind lohnenswert, erfährt man doch einige interessante Hintergründe.

Gedreht in schwarz/weiß zieht einen der Film recht schnell in den Bann. John  Frankenheimer versteht es eine beängstigende Atmosphäre aufzubauen, die zumindest mich bis zum Ende gefesselt hat. Ob dies tatsächlich als Politsatire gedacht war, sei dahingestellt. Sicherlich ist die Figur des antkommunistischen Senators Iselin überzeichnet, aber betrachtet man heutzutage den einen oder anderen US-Politiker, hat man das Gefühl, dass die Wirklichkeit  den Film beim Überzeichnen in den Schatten stellt.

Auch wenn er ein Produkt des Kalten Krieges ist, kann der Film auch heute noch den Zuschauer zwei Stunden lang fesseln und spannend  unterhalten.

Weitere lesenswerte Infos finden sich unter Trivia im Katalog der "imdb".

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