Review

ACHTUNG! SPOILER!

Die Journalistin Tina Davenport, rassige, durchtrainierte Tochter des in Vietnam gefallenen Green Beret Colonels Winston Davenport, hat sich in die frühere Berghütte ihres Vaters zurückgezogen, um ein Buch über ihn zu schreiben und seine berühmten Überlebenstechniken zu testen. Dabei läuft die attraktive Joggerin dem sexbesessenen Manny über den Weg. Der Psychopath Manny ist Mitglied der halbmilitärischen Horde rund um den brutalen Major Halgrove. Halgrove hat mit seinen Leuten eine Motorrad-Gang rücksichtslos ermordet. Tina ist ihr nächstes Opfer. Manny nimmt sie gefangen, um sich für eine frühere Schmach an ihr zu rächen. Doch Tina kann den Major zu einem „einseitigen Duell“ anstacheln. Er läßt sie in der Wildnis frei, gibt ihr einen kleinen Vorsprung und macht dann mit seinen Leuten Jagd auf sie. Ein unerbittlicher Kampf beginnt, ein Kampf mit einem überraschenden Ausgang...
WARCAT, ein internationaler Actionthriller, brandaktuell aus den USA. Mit Superstunts und vielen Special Effects.
90 Minuten Hochspannung. 90 Minuten Action pur.“


So steht es geschrieben auf der uralten VHS von „Focus Film“. Für die 2021 veröffentliche deutsche DVD hat man sich allerdings auch keinen neuen Text einfallen lassen.

Ted V. Mikels at his worst!
WARCAT ist ein sinnloser und unnötig brutaler Actionfilm um eine Gruppe von soziopathischen, paramilitärischen Männern, die in irgendeiner US-Wüste ihr Überlebenscamp aufgeschlagen haben. Die Möchtegern Söldner sind bis an die Zähne bewaffnet mit Maschinengewehren, Revolvern, Handgranaten, Sprengstoff sowie Granatwerfern und quasseln die ganze Zeit nur dummes Zeug. Nachdem sie mit gnadenloser Menschenverachtung eine eher harmlose Motorradgang niedergemetzelt haben, entführen und vergewaltigen die Männer eine junge Frau, die sich gerade erst in der nahe gelegene Kleinstadt niedergelassen hat. Die Frau rächt sich am Ende auf ebenso brutale Weise an ihren Peinigern, von denen keiner das Massaker überlebt.

Dieser primitive, eintönige und konfuse Streifen ist vor allem eins: total langweilig. Die  gewisse Leichtigkeit, die andere Filme von Ted V. Mikels genießbar macht, fehlt bei dieser Auftragsarbeit vollkommen. Die an sich ganz reizvolle Wüstenszenerie konnte Mikels nicht im geringsten für sich und den Film nutzen. Der ganze Streifen ist einfach nur öde, trostlos und monoton inszeniert und kommt mit zahlreichen technischen Mängeln daher. Die amateurhaften Darsteller passen sich diesem unterirdischen Niveau ohne Probleme an. Da die dumme Rape & Revenge Story nicht genug für einen abendfüllenden Film her gab, wurden von den Drehbuchautoren noch ein paar Szenen um zwei Psychopathen in die Story eingebaut, die aus Langeweile und Sadismus irgendwelche Leute abschlachten, die ihnen zufällig über den Weg laufen. Diese Szenen wurden dann an völlig beliebigen Stellen in den Film montiert. Der gequälte Versuch, die beiden Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen ist einfach nur lächerlich und lässt den Zuschauer ziemlich ratlos zurück.

Ursprünglich sollte Ray Dennis Steckler den Film inszenieren, wurde aber aufgrund von Differenzen mit dem Produzenten durch Mikels ersetzt. Als kleine Referenz an Steckler tragen die Biker T-Shirts mit der Aufschrift „Thrill Killers“, so auch der Titel eines älteren Films von Steckler. Da Mikels und Steckler befreundet waren, hatte sich Mikels, bevor er die Regie übernahm, laut eigener Aussage, persönlich bei Steckler erkundigt, ob dieser damit einverstanden war. In einem Interview am Set von WARCAT sagte Mikels in diesem Zusammenhang: „...right now I'm doing this with Ray [Dennis Steckler] out of warmth and friendship.“ *
Später distanzierte sich Ted V. Mikels von diesem Film, da er u.a. mit den kruden Gewaltszenen nicht einverstanden war, der Produzent aber auf diesen Szenen bestand: „It wasn't my picture. I was hired to do the work. That movie belongs to [the producer]. I may be known for horror, but if it isn't campy, I'm not pleased with it.“ **

Wie bei anderen Filmen von T.V. Mikels waren auch hier die meisten Darsteller in weiteren Funktionen hinter der Kamera tätig, so als Production Manager, Kamera-Assistent, Tontechniker oder Ausstatter. Den Bild-, Toneffekt- und Musikschnitt besorgte T.V. Mikels höchst selbst. Zusätzliche Dialoge (!?) steuerten G. Wayne Caro und Gary Hodge bei. Die Titel und optischen Effekte besorgte mal wieder David L. Hewitts Firma „Hollywood Optical Systems“.  Im Abspann dankt Mikels u.a. Dan Q.Kennis und Samuel M. Sherman.

Laut synchrondatenbank.de wurden für die deutsche Fassung hervorragende und professionelle Synchronsprecher verpflichtet, darunter Gerhard Acktun, Herbert Weicker (Mr. Spock), Eric Schumann, Eva Kinsky, Nino Korda und Alexander Allerson.
 
WARCAT, der am 19.10.1987 in Deutschland von der Videofirma „Focus Film“ mit FSK 18 und einer Laufzeit von 77:39 Minuten (gekürzt) erstmals veröffentlicht wurde, war von 1988 – 2012 indiziert.

„Wir raten ab!“ (Filmdienst). Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Aus der Werbung:
Hunted Like an Animal...Then She Got Even (Plakat)
Jannina Poynter als „weiblicher Rambo“ (VHS)


Literatur:
* V. Vale, Andrea Juno: RE Search – Incredible Strange Films, San Francisco 1986
** Bryan Senn: The Most Dangerous Cinema – People Hunting People on Film, 2014 (zitiert nach Google-Books)

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