Review

Ein eher spätes TV-Movie aus der Corman-Schmiede (produziert hat der Altmeister Roger C selbst, 1994, fünf Jahre nach seiner letzten Regiearbeit). Wieder einmal paaren sich kleines Budget und großer Anspruch: wenige Schauspieler, teils halbwegs prominent (Dan Haggerty = DER MANN AUS DEN BERGEN; Kelly Preston = John Travoltas Ehefrau) agieren in einem ambitioniertem menschlichen Drama. Um Freundschaft, Verständnis und Toleranz zwischen den Kulturen = Hautfarben (vor der Kulisse einer Holzbretterbude und malerischer Prärie).

Immer noch will der gute Roger die Welt verbessern!"Ich helfe keiner Weißen, sondern einem Freund", sagt der edle Cheyenne "Hawk".

Weniger ansprechend, eher abschreckend ist der abstruse Klappentext der "Schrödermedia" DVD: In eigenwilligem Deutsch heisst es z.B. "Obwohl die Cheyenne freundlich sind, mag Matthäus sie nicht". Weiter oben im DVD-Klappentext hieß Matthäus noch Matthew - zu Recht, denn Matthew heißt er auch im Film. Sein Nachname im Film ist allerdings nicht "Westen" (so die DVD-Hülle), sondern "Carver". Dafür reist er jedoch in den "Westen". Der DVD-Text scheint wohl einem
Übersetzungsprogramm entsprungen, wurde nicht redigiert und konzentriert sich, selbst in den nur wenigen (sechs) Zeilen, unnötig auf Details der Handlung und das in ungelenkem Deutsch. ("In der Konfrontation und der Schießerei, die sich daraus ergibt"... "einer der Cheyenne, namens Hawk".) Die Latte für Klappentexte wurde wieder einmal niedriger gehängt!

Egal, was nun auch immer genau passiert, wie in Cormans DIE LETZTEN SIEBEN (1955) treffen einige Leute an einem Kristallisationspunkt in abgeschiedener Hügellandschaft zusammen.Das überschaubare Personal wird gut (aus-) genutzt, sparsam doch effektiv. Es besteht aus klar definierten (Arche-) Typen: der dumme junge Stadtfrack, der alte Weise vom Berge, der edle Einheimische, die reifende Schönheit (mutig, doch "nicht klug", dafür mit dem Herz am rechten Fleck), der absolute Bösewicht (so ein Fiesling, dass quasi Leichen seinen Weg pflastern), ein korrekter Reiseleiter. Dazu noch wenige Gruppen von Kleindarstellern: reisende Siedler, marodierende Unholde, der Stamm des edlen Wilden und die bösen Wilden.Auch der eine Schauplatz wird so gründlich genutzt, dass CW fast ein Kammerspiel wird: in und rund um den einsiedlerischen Handelsposten (Holzhaus) laufen dramatische Ereignisse ab, im Mittelpunkt Frau und Mann, beide ansehnlich und menschenfreundlich. Die Handlung unternimmt kürzere Anflüge in die nähere Umgebung, aber nicht an konkrete Orte, einfach nur in die Landschaft "auf dem Weg" zum Handelsposten und weg von ihm. Das Kaufhaus selbst wird seltsamer Weise nie von Menschen aufgesucht, die nicht zur Handlung gehören: Es gibt weder Kundschaft noch Lieferanten. Auch irreführend: Dass während der Handlung Winter sei, wird immer wieder erwähnt, findet im Bild jedoch nicht statt.

Sonst gibt es optisch nicht viel zu bemängeln, leider auch nicht zu bemerken (außer natürlich der süßen, engelshaften, lieblichen Kelly Preston, deren zarte Haut, sanft wallende Locken und
blütenweiße Nachthemden ausgiebig präsentiert werden). Die Musik kennzeichnet den Film schon früh als romantisch. Ansonsten: keine Experimente! Es gibt zwar viele gewaltsame Todesfälle, doch der Anblick eventuell ekliger Sachen wie Kugel aus Fleisch schneiden, Geburt, Blut und Sex bleiben im Off und uns erspart.

Am schlimmsten fand ich, dass ein frisch gedeckter Tisch voll leckerer Speisen in den Dreck gekippt wurde; und am schönsten, dass Mann & Frau sich nicht wider alle Realitäten & Widerstände zu einem Pärchenleben vereinten, obwohl sie schon "interracial sex" hatten (Tabubruch?! Prima!! - War das 1994 eigentlich noch verpönt?). Stattdessen blieben beide "vernünftig", gingen ihrer Wege und verabschiedeten sich in ehrlicher Freundschaft voneinander. Hurra! Das ist ja fast schon richtig modern!

Obwohl, vielleicht wird die "Vernunft" überbewertet? Christian Keßler schreibt ein Hohelied auf den Instinkt, in "Wurmparade auf dem Zombiehof": "Der Mensch ist Instinkt, nicht Intellekt. Der Intellekt führt ihn zur Einsicht in die Notwendigkeiten. Der Instinkt führt ihn zum Verwirklichen der Träume."

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