Endlich gibt es eine würdige Dokumentation über ein völlig unterschätztes Stück deutscher Geschichte: Rolf Eden. In rund 90 Minuten wird versucht einem Mann in die Seele zu schauen der dies auch bei seinen engsten Vertrauten nur sehr selten zulässt. Allerdings ist er auch auf seine Weise entwaffnend ehrlich und offen und spielt den Menschen keine Gefühle vor, er ist meist direkt und ungefiltert und achtet nicht auf manch gesellschaftliche Verhaltens-Etikette auch wenn dies vielen nicht gefällt.
Dies wird in der vorliegenden Dokumentation von Peter Dörfler gut sichtbar. Wie unabhängig voneinander mehrere seiner Ex-Frauen feststellen, ist er immer vom Verhalten her ein Jugendlicher geblieben, auch im hohen Alter - dies ist eine Eigenschaft von der wir uns alle ein Stück abschneiden können. Einblicke in seine Person geben in THE BIG EDEN somit eher die gut arrangierten und persönlich wirkenden Interviews mit seinen Ex-Frauen, Verwandten in Israel und seiner Kinder zwischen 61 und 13 Jahren (!).
Seine Eltern waren 1933 nach Palästina geflüchtet. Insbesondere die Aufnahmen rund um Tel Aviv wo er als "Shimon" aufwuchs zeigen einmalige Einblicke in sein ehemaliges Familienleben und auch den Menschen Rolf Eden fernab des mediengeprägten Playboy Images welches er natürlich gerne so gesteuert hat. Die Dokumentation arbeitet schön heraus, dass er schon als Jugendlicher ein Charmeur war und hat die Menschen für sich gewonnen hat. Er hat schon früh sein eigenes Geld als Musiker verdient und spielt mehrere Musikinstrumente.
Er kam erst Mitte der 50er über Paris nach Berlin und hat sich durch die Gründung und den späteren Verkauf von mehreren Clubs ein Vermögen erarbeitet, es ist ihm nicht so zugeflogen wie in den Medien immer kolportiert wird. Die Erträge daraus hat er - konservativ und ganz Geschäftsmann - in hunderte von Wohnungen in Berlin investiert und nicht durchgebracht wie manch anderer Zeitgenosse. Die vorliegende Dokumentation konzentriert sich vornehmlich auf den Menschen Rolf Eden und weniger auf seine Zeit als Clublöwe. Regisseur Peter Dörfler versteht es in sehr guter Weise die verschiedenen Dokumente und Archivaufnahmen zu kombinieren und erschafft sogar schöne räumliche Collagen mit Originalbildern und Szenen des Schaffens von Rolf Eden.
Seine Auftritte als Ultra-Chauvi in den Talkshows der letzten Jahre die teilweise wirklich unerträglich wirkten sind - so die Dokumentation - Teil seines von ihm gesteuerten Images. Sicherlich hat er ein aus heutiger Sicht naives Beziehungs- und Frauenbild, allerdings hat er niemandem etwas anderes vorgemacht oder versprochen wie auch seine Ex-Frauen ehrlich feststellen. Auch die psychologisch einfach interpretierbare permanente Verdrängung der Themen wie Krankheit und Tod wird in dem gefühlvollen Herantasten an seine Person ersichtlich.
In allen Jahrzehnten seiner Reisen um die Welt hat er oft eine Kamera dabei gehabt und seine Liebsten und sich selbst gefilmt. Diese Szenen sind ein schöner ehrlicher Einblick in sein abwechslungsreiches Leben. Damit bietet dieser Privatfilm-Schatz ja noch Material für weitere Dokumentationen die aber vielleicht erst nach seinem hoffentlich noch lange auf sich wartenden Tod veröffentlicht werden.
8/10 Gesichts-OPs....äh,...Punkten