Review

Terror in der Kanalisation oder in Tunnelsystemen gab es schon einige Male, Found Footage ist ohnehin in allen Gegenden zuhause, doch die Kombination von beidem ist ansatzweise innovativ. Nur leider ist es auf Dauer auch reichlich anstrengend, im halbdunklen Gewackel überhaupt noch etwas zu erkennen.

Die Regierung von Sydney wollte aufgrund von Wasserknappheit eine Anlage unterhalb der Stadt errichten, doch urplötzlich verwarf man die Aktion. Nun will ein vierköpfiges Journalistenteam unter Natasha selbst nach unten steigen, doch bereits nach kurzer Zeit sind sie nicht länger allein in dem unterirdischen Labyrinth...

Es ist so eine Mischung aus "Blair Witch" goes Underground und "Descent" unterhalb der Zivilisation. Nachdem die Filmcrew etwas zu lange vorgestellt wird und einige Interviewfetzen Aufschluss über Funktionen und Beziehungen untereinander geben, kann man sich bereits denken, wer die Odyssee überleben könnte, denn von den vier Mitgliedern melden sich lediglich zwei zu Wort.

Endlich in der Unterwelt angekommen, macht sich eine klaustrophobische Atmosphäre breit, die primär auf alten Reliquien beruht. Etwa alte Sanitäranlagen oder eine große Alarmglocke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Auch der große See, der ursprünglich zur Wassergewinnung vorgesehen war, strahlt etwas Unheimliches aus: Man befindet sich bereits unter der Erdoberfläche und dann geht es im Grunde noch eine Etage tiefer und düsterer.

Leider wird die beklemmende Atmosphäre nicht konstant aufrecht erhalten. Die Bedrohung ist zwar nie komplett zu sehen, doch der Ursprung scheint augenscheinlich menschlicher Natur zu sein. Es gibt kaum Töne von sich, bewegt sich schnell und ist auf Augäpfel fixiert. Genaueres erfährt man leider nicht, so dass diverse Verhaltensweisen und einige Reaktionen der Kreatur viel Raum für Spekulationen lassen.

Was die Spannung stets ein wenig aufbricht, sind die Interviewpassagen, welche zwar sehr authentisch performt sind und chronologisch zur eigentlichen Handlung verlaufen, doch dadurch wird die an sich dichte Atmosphäre regelmäßig unterbrochen.

Kameratechnisch wird solides Niveau geboten, die Blickwinkel sind meistens effektiv positioniert und auf die Neugier des Betrachters abgestimmt, nur ist die Ausleuchtung der Taschenlampen schlicht zu schwach, um die Chose ohne Anstrengung verfolgen zu können.
Zudem gibt es einige technische Aussetzer und viele ruckartige Schwenks, so dass es im letzten Drittel ein wenig unübersichtlich wird. Der Score ist angemessen zurückhaltend und wartet mit einigen recht guten Kompositionen auf und auch die Tonabmischung geht voll in Ordnung.

Dass die Geschichte dennoch nicht wirklich überzeugen kann, mag primär an den Abnutzungserscheinungen des Subgenres Found Footage liegen, jedoch auch daran, dass die Bedrohung selten unumgänglich wirkt, zumal dessen Schwachstelle rasch auf der Hand liegt.
Die Location ist hingegen ein deutlicher Pluspunkt, die Darsteller und die dazugehörige Synchro sind es auch, nur die unzureichende Ausleuchtung schmälert das ansonsten brauchbare Handwerk merklich.
Ein okayer Streifen mit einigen spannenden und atmosphärischen Passagen, doch im Vergleich mit Genreverwandten wie "REC" oder "The Descent" nicht ansatzweise so mitreißend.
Knapp
6 von 10

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