Sexy, verspielt, modern, intuitiv
Wenige Filme von Godard lassen seinen inneren Hollywood- und Filmfan dermaßen raushängen wie seine zweite Regiearbeit, „Eine Frau ist eine Frau“, in dem er das Frauen- und RomCom- und Musicalbild der Traumfabrik meta, sexy und clever dekonstruiert indem eine Pariser Stripperin ihren langjährigen Freund um ein Baby bitten lässt - dieser sie jedoch nonchalant an seinen besten Kumpel verweist…
Und hoch die Röcke!
„Eine Frau ist eine Frau“ ist eine köstliche Ad-Absurdum-Führung der Geschlechterrollen, der sexuellen Freiheit und der typisch-kitschigen Hollywoodart. Godard erweist seinen Vorbildern sowohl die Ehre als auch zeigt er ihnen etwas die lange, moderne Nase. Sehr französisch, sehr bunt, sehr sinnlich. Flirts und Seitensprünge, Babywünsche und Babylon. Spielerisch, offen, lispelnd, die vierte Wand als filmisches Squash-Utensil. Belmondo lässig wie immer, Anna Karina naiv wie selten, alles kostümiert und verkleidet, mit Masken und Rollen, die wir tagtäglich spielen. Oder gerne spielen würden. Sicher auch immer charakterlich, erzählerisch und künstlerisch ein gutes Stück auf Abstand zu uns Zuschauern. Da können die Figuren noch so oft in die Kamera direkt zu uns reden. Godards Style bleibt große Show und große, überhöhte Bühnenkunst. Aber dies führt eben auch oft zu einer Kluft zwischen uns und dem Werk. Dennoch macht „Eine Frau ist eine Frau“ eine Menge Spaß, geht nicht zu lang, sieht aufreizend lässig aus und wimmelt nur so von filmhistorischen Hommagen und Easter Eggs. Und um es nochmal klipp und klar zu sagen: umso mehr Godards man guckt, umso aufmerksamer und staunender man sie verfolgt, desto klarer wird, wie weit sein Stil, seine filmisch-sexuelle Revolution und seine audiovisuelle Raffinesse seiner Zeit voraus waren… Technisch und stilistisch mit Welles wohl der wahrscheinlich wichtigste Regisseur aller Zeiten. Selbst wenn ich nicht alle seine Werke für Meisterwerke halte…
Fazit: Godard musste sich nie finden, er war immer durch alle Phasen seiner Karriere er selbst. Ein Genie. Und „Eine Frau ist eine Frau“ unterstreicht das teils wirklich unverschämt frech und gut. Wenige Filme zeigten einen echten „Filmnerd“ klarer bei der Arbeit und jetzt am Drücker!