Review

 Tunnelexpedition durch den Berliner Untergrund. Keine einfallsreiche Idee, aber eine gute Grundlage für einen Horrorfilm. Und der ist gar nicht mal so schlecht, teilweise sogar richtig ansprechend. Allerdings gibt es auch einige Schwächen zu verzeichnen, die für empfindliche Abzüge in der Gesamtbewertung sorgen, ja, am Ende nimmt er sogar einen lästigen Verlauf und verliert sich in genretypischem, langgezogenem Schwachsinn.

 Doch zunächst zum Positiven: Eine gute Dreiviertelstunde wird eine düstere Spannung aufgebaut, wie man sie in einigen Genrebeiträgen der letzten Jahre vermißt hat. Das erstaunt umso mehr, als daß es sich um eine deutsche Produktion handelt. Im besten Fall hatte ich einen Ittenbach-Abklatsch erwartet, zähen C-Trash mit unterklassigen Darstellern. Aber die Schauspieler machen ihr Ding gut. Nicht toll, aber gut - Klaus Stiglmeier als Armin sticht durch sein markantes Äußeres natürlich besonders hervor, eine gute Besetzung. Deshalb und aufgrund solider Licht- und Kameraarbeit kann man zunächst von einem gelungenen Film sprechen - gruselig, düster, spannend.

 Auch nach dem ersten Unfall - dessen Entstehung allerdings schon etwas unlogisch ist - bleibt die Spannung zunächst bestehen, obgleich das Gezeigte schon zigmal gesehen wurde und dementsprechend voraussehbar ist (zum Beispiel die Fleischsuppe - was da wohl drin ist?). An dieser Stelle zerfällt die Dramaturgie etwas, da manche der Protagonisten einfach verschwinden, aber nicht so, daß der Zuschauer sich fragt, was mit ihnen los ist, es wirkt mehr so, als sollten sie nur den Weg frei machen für die Hauptdarsteller; einige tauchen gar nicht mehr auf. Das wirkt sehr unhomogen und ungekonnt arrangiert.

 Der richtige Ärger geht dann los, als es wirklich bedrohlich für das Pärchen wird, denn nun wird Logikfehler an sinnloses Verhalten gereiht, daß es seine Art hat. Das kennt man aus anderen einschlägigen Filmen, in denen wird jedoch auch häufig mehr geboten. Tatsächlich gibt es in "Urban Explorer" aber nur eine Szene, die ich als KJ-würdig bezeichnen würde. Nicht nachvollziehbare Handlungsweisen der (potentiellen) Opfer stehen hier jedoch ziemlich alleine im Mittelpunkt. Und es wird noch schlimmer: Der Bösewicht beherrscht nicht nur das Tunnelsystem, sondern anscheinend auch die U-Bahn. Und so ist das Finale einfach nur noch als lächerlich unrealistisch und nervtötend zu bezeichnen.

 Tja, was soll ich sagen? Wenn ein Discobesuch bis zwei Uhr nachts Spaß macht, man aber morgens ohne Portemonnaie und Schuhe, dafür mit blauem Auge und Zahnlücke nach Hause kommt, war es trotz der anfänglich guten Zeit ein Scheißabend. Ähnlich verhält es sich mit einem zunächst guten Film, der dann richtig schlecht wird. Sieben bis acht Punkte für die erste Hälfte, Richtung null für die zweite - Daumen nach unten!

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