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In der Zukunft: Der heruntergekommene Ex-Boxer Charlie Kenton, der sich nach seinem Karriere-Aus mehr schlecht als recht mit Roboter-Kämpfen über Wasser hält, erfährt nach einem Kampf, dass eine ehemalige Freundin von ihm verstorben ist und er nun das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Max hat... was ihm gar nicht in den Kram passt. Als er vor Gericht erscheint, sieht er die Gelegenheit, Max' Tante Deborah und ihren vermögenden Ehemann Marvin, die den Jungen bei sich aufnehmen wollen, um 100.000 Dollar zu erleichtern und bietet diesen an, nach ihrer geplanten Italien-Reise das Sorgerecht freiwillig an sie abzutreten. Die Kohle investiert Charlie in einen vermeintlichen Top-Roboter "Noisy Boy", der bereits während seines ersten Fights von der gegnerischen Maschine förmlich auseinandergenommen wird. Auf der Suche nach passenden Ersatzteilen entdeckt Max im Anschluss auf einem Schrottplatz den ausrangierten Sparring-Bot "Atom" und möbelt diesen soweit auf, dass man ihn für einen Fight in den Ring schicken kann... den dieser dann auch tatsächlich gewinnt. Das Vater/Sohn-Gespann arbeitet sich daraufhin mit seinem Roboter durch Ränge von Widersachern, bis man tatsächlich einen Titel-Kampf gegen den amtierenden Chapion "Zeus" an Land zieht... Auch wenn ihre eigenen Regie-Arbeiten seit einigen Dekaden doch so einiges zu wünschen übrig lassen, in ihrer Funktion als Produzenten haben Steven Spielberg und Robert Zemeckis doch noch gelegentlich das passende Gespür für einen publikumswirksamen Crowd-Pleaser: "Real Steel" - bei dem es sich überraschenderweise nicht um eine offizielle Adaption des Mattel-Spielzeugs Rock'em Sock'em Robots handelt, sondern der auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson basiert! - ist nach "Rollerball" und "Die Jugger - Kampf der Besten" mal wieder ein rares Exemplar eines Science-Fiction-Sportfilms und liefert als tricktechnisch perfekt gemachter Hollywood-Streifen herziges und unzynisches Entertainment nach 80er Jahre-Manier für die ganze Familie. Die Geschichte von "Real Steel" ist ausschließlich aus Underdog-Klischee-Bausteinen zusammengestoppelt, die hier aber halt immer noch genau so gut funktionieren wie zu Zeiten eines "Rocky" (oder - um bei einem anderen Stallone-Vehikel zu bleiben - des Armdrücker-Spektakels "Over the Top"), weswegen man sich darüber eigentlich nicht beschweren kann, zumal Hugh Jackman und sein Film-Sohn Dakota Goyo schauspielerisch ja auch hervorragend miteinander harmonieren und es durchaus verstehen, einem die abgegriffene Storyline auf menschlicher Ebene nahezubringen. Dafür gibt es allerdings doch so einige Inhaltliche Details, über die man besser nicht allzu hart nachdenken sollte... und damit meine ich nicht nur das, das Ganze zeitlich wieder mal zu knapp kalkuliert relativ unbestimmt irgendwann in den 2020er Jahren spielt: Es wird nie wirklich klar, ob die Roboter nur seelenlose Maschinen sind oder doch so etwas wie ein Bewustsein besitzen und das Reglement der Kämpfe wird auch nicht wirklich erschöpfend erläutert, was zur Folge hat, dass Shawn Levy von Szene zu Szene munter auf der Klaviatur der Zuschauer-Emotionen herumspielen kann, wie er gerade lustig ist. Die Anthropomorphisierung von "Atom" wird da noch verstärkt durch die Beulen und Kratzer, die er sich im Laufe des Films während seiner Kämpfe in der Visage zuzieht und die ihm zunehmnend menschliche Gesichtszüge verpassen, was eine plumpe Manipulations-Taktik ist, um ein lebloses Stück Blech ins Herz zu schließen... auch wenn das Roboter-Design an sich, welches da im Gegensatz zu dem überladenen, visuellen Kladderadatsch von Michael Bays "Transformers"-Filmen klar und übersichtlich geraten ist, doch irgendwie einer der größten Pluspunkte von "Real Steel" ist. Wirklich, wirklich ärgerlich ist hingegen das ungenierte Product-Placement, das selbst für moderne Hollywood-Verhältnisse extrem aufdringlich daherkommt (Dr. Pepper brought you this fine movie!). Doch das alles sind letztendlich nur Kinkerlitzchen, die nicht davon ablenken, dass der ehemalige Schaupieler (remember "Zombie Nightmare"?) und Komödien-Regisseur Shawn Levy seinen Job mehr als zufriedenstellend erledigt hat und eine altbekannte, flache Geschichte von der Läuterung eines Rabenvaters so makellos abspult, dass es einem schwer fällt, "Real Steel" nicht auf den Leim zu gehen. Spätestens beim mitreißenden Finale hat einen der Streifen nämlich doch im Sack, egal ob man will oder nicht... und das ist irgendwie schon 'ne Leistung für einen Film, in dem sich Roboter permanent gegenseitig in die Fresse hauen. So ist einem die Chose aufgrund ihrer enthusiastischen Inszenierung als Throwback zu guten, alten Erzählkino-Zeiten inmitten der heutzutage so üblichen, seelenlosen CGI-Bombast-Spektakel doch wesentlich sympathischer...

7/10

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