Wir alle kennen diese It-Girls, die früher mit der goldenen Kreditkarte von Daddy shoppen gingen, sich danach zufällig beim Dönern mit einer flüchtigen Bekanntschaft filmen ließen und seither nicht mehr aus der Klatschpresse wegzudenken sind. Eine Vorstufe hierzu bilden jene verwöhnte Collage-Mädchen, die es gewohnt sind, immer ihren Willen durchzusetzen und grundlegend dann ausrasten, wenn man ihnen die Meinung geigt. Da kann einem der zuständige Lehrer in jeder Hinsicht leid tun.
Jener ist Jim Wilkes (David Charvet), der just als Mathe - und Volleyballtrainer an einer neuen Schule anfängt und sofort ins Visier der siebzehnjährigen Schülerin Devon (Megan Park) rückt. Ihre Schwärmerei wird zur Obsession, welche schon bald nicht mehr vor kriminellen Machenschaften zurückschreckt…
„Das Biest“ mit Alicia Silverstone und natürlich der Genreklassiker „Verhängnisvolle Affäre“ lassen schön grüßen, denn die Prämisse kommt einem doch verdammt bekannt vor.
Doch obgleich man weiß, dass die durchtriebene Bitch irgendwann ihr wahres Gesicht zeigen wird, lässt sich der Aufbau etwas zuviel Zeit, um die psychopathisch veranlagte Schülerin etwas deftiger zuschlagen zu lassen, - bis dahin vergeht fast eine volle Stunde.
Immerhin werden die wesentlichen Charaktere ordentlich eingeführt, Lehrer Wilkes fungiert zwischen siebenjähriger Tochter, geschiedener Ehefrau und neuer Freundin rasch als Sympathieträger, während Devons Verhalten recht vorhersehbare Züge annimmt, was mit dem Einschleimen beim Angebeteten einsetzt und sich über erschlichene Sympathien der Tochter fortsetzt, wobei deutliche Hinweise aufgezeigt werden, welche Ausmaße Devons Verhalten im Verlauf annehmen dürfte.
Bei alledem ist die Anlaufzeit allerdings zu lang, nur selten kommt minimale Spannung auf, da man von den erahnbaren Aktionen der ungezogenen Göre kaum mitgerissen wird. Zwar sorgen die visualisierten Liebesträume der Schülerin für leichte Abwechslung, doch zuweilen driften diese auch ins unfreiwillig Komische ab, etwa, als Wilkes ihr vor versammelter Volleyballmannschaft einen Heiratsantrag macht oder Devon davon träumt, vor dem Abendessen vernascht zu werden.
Erst in den letzten zwanzig Minuten offenbart sie ihr wahres Gesicht, womit schlagartig die Anzahl der Logiklöcher in die Höhe schnellt, denn Cops untersuchen offenbar grundsätzlich keine Unfallflucht, während bei einer sexuellen Straftat scheinbar kein DNA-Test mehr nötig ist. Auch der Showdown gerät etwas zu unspektakulär und reibungslos, lediglich die letzten Szenen fügen sich recht gut ins Gesamtbild einer psychisch kranken Persönlichkeit.
Auf darstellerischer Ebene findet sich brauchbares TV-Niveau vor, was primär auf sämtliche Nebenrollen zutrifft. David Charget macht seine Sache als Lehrer und fürsorglicher Vater recht gut und überzeugt wesentlich besser als Gegenspielerin Megan Park, die einerseits ein paar Jahre zu alt ist, um als Minderjährige durchzugehen und darüber hinaus erst im letzten Drittel so richtig bei der Sache zu sein scheint, als ihr mimisch auch etwas abverlangt wird.
Handwerklich gleicht man sich ebenso unauffällig an, denn es stechen keine besonderen visuellen Kniffe hervor, noch ist an der altbackenen Erzählweise etwas Markantes auszumachen.
Es scheint, als würden sich die Streifen, die primär vom Frauen-Sender „Lifetime“ unterstützt und ausgestrahlt werden, immer mehr zum Pendant zu SyFy entwickeln: Eine Menge Dutzendware, doch kaum etwas von überdurchschnittlicher Qualität ist dabei.
„Verführt“ bildet da keine Ausnahme, denn der überraschungsfreie Thriller bietet zwar passable Unterhaltung, doch dauerhaft hängen bleiben kann er aufgrund der viel zu simpel gestrickten Story nicht.
5,5 von 10