Vielleicht nicht ganz zurück zu den Wurzeln, aber zu dem, was Wes Craven und Autor Kevin Williamson einen Riesenerfolg seit des Erstlings von 1996 beschert hat: Das Spiel mit den Genrekonventionen und das gleichzeitige Brechen mit selbigen, wenn der oder die Killer in Woodsboro erneut zuschlagen und bis zum Showdown unklar bleibt, wer sich hinter der Geistermaske verbirgt.
Wer so routiniert auf Altmodisch macht, darf auch gerne mal Seitenhiebe an Figuren wie Jigsaw oder langhaarige Asia-Geister austeilen…
Scheinbar ist es still geworden in Woodsboro: Dewey (David Arquette) arbeitet immer noch als Sheriff, seine Frau Gale (Courteney Cox) leidet momentan unter einer Schreibblockade und Sidney (Neve Campbell) verschlägt es in die örtliche Bücherei, um ihr neues Buch „Out of Darkness“ zu signieren. Doch dann werden die Leichen von zwei jungen Frauen aufgefunden…
Für wenige Momente scheint die Zeit zurückgedreht worden zu sein, als das Intro mit dem klassischen Telefonanruf einsetzt, der in einer doppelbödigen, raffiniert verschachtelten Pointe mündet. Dabei setzt Craven gleich die Laufrichtung fest, als von dem Facebook-Killer die Rede ist und kurz darauf zwiespältige Geräusche in Garten und Haus zu vernehmen sind:
Teil Vier ist mit seiner Inszenierung, den zackig geschnittenen Morden und den zahlreichen Seitenhieben und Zitaten recht dicht am ersten Teil gehalten und lässt dennoch ein paar zeitgenössische Einflüsse zu, wie Taten mit Kamera zu filmen, Informationen im Internet aufzuspüren oder SMS von einem fremden Handy zu senden.
Neben den bekannten Figuren gibt es einige Tatverdächtige und potentielle Opfer, die wie immer im Highschool Milieu angesiedelt sind und sich freizeitmäßig mit Horrorfilmen beschäftigen. Sidneys Cousine Jill (Emma Roberts) und ihre Freundin Kirby (Hayden Panettiere) stehen bei dem Killer recht oben auf der Liste und auflauernde Ex-Freunde, eine Promoterin und ein weiblicher Deputy machen sich mit einigen Aktionen verdächtig.
Dabei geraten immer neue Personen in den Fokus, die über scheinbares Insiderwissen verfügen oder eine Verbindung zu Sidney aufweisen, welche mehrfach von der Geistermaske angerufen wird.
Nach den ersten drei Teilen ist Cravens Handschrift unverkennbar und man ahnt Minuten vor dem Ableben, wen es in welchem Moment erwischen dürfte, obgleich einige Konfrontationen eine Menge Suspense beinhalten. Dazu gesellen sich ironische Abgänge („Fuck Bruce Willis“), unorthodoxe Körperhaltungen beim Dahinsiechen und sarkastische Bemerkungen am Rande („Wear the west - saver chest!“).
In einer Szene wird gar jemand indirekt dazu aufgefordert, unzählige Remakes von Horrorperlen aufzuzählen und während das Schweigen am anderen Ende der Telefonleitung nur die Wahllosigkeit einiger Neuverfilmungen bestätigt, bleibt sich Craven treu, indem er gegen Ende zahlreiche Wendungen einbaut, die zwar ins Hanebüchene abdriften, aber eben deshalb bis zum Abspann bei Laune halten.
Während darstellerisch nicht viel abverlangt wird und die jüngeren Mimen durchaus mit den bekannten Ensemble mithalten können, tragen auch die Gewaltszenen Cravens typische Handschrift: Indem er stets kurz und mit Wucht zuschlagen lässt, auf explizite Szenen verzichtet und stattdessen auf knallharte Konfrontationen und Zweikämpfe setzt, die zum Finale natürlich gnadenlos überspitzt werden, wenn so manche Figur nach eigentlichem K.O. trotzdem noch mal aufsteht oder zumindest zu Gegenmaßnahmen imstande ist.
Aber auch das gehört zum angenehm vertrauten Repertoire der Reihe.
An „Scream 4“ kann man als Genrefan und einer Wartezeit von über zehn Jahren folglich nur mit recht hochgesteckten Erwartungen heran gehen und dabei im Endeffekt kaum enttäuscht werden. Das kontinuierlich hohe Tempo und die zahlreichen Zitate und Querverweise sind nur die Spitzen des durch und durch unterhaltsamen Treiben rund um den maskierten Killer in Woodsboro, denn Craven kann und will das Genre nicht erneut revolutionieren, sondern eher den Beweis antreten, dass der Gattung des Slashers immer noch originelle Facetten und Blickwinkel hinzugedichtet werden können.
Und das ist ihm in nahezu jeder Hinsicht gelungen.
Knapp
8 von 10