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Elf Jahre nach Ende der Ursprungs-Trilogie beginnt in Woodsboro erneut eine unheimliche Mordserie: Junge Leute werden per Telefon terrorisiert und brutal umgebracht. Nicht nur Sidney (Neve Campbell), Gale (Courteney Cox) und Dewey (David Arquette) müssen den Albtraum erneut durchmachen; auch eine Clique von Highschool-Schülern rund um Sidneys Cousine Jill (Emma Roberts) gerät ins Visier des brutalen Killers - oder der Killerin? Oder der Killer? Alles ist möglich und jeder verdächtig...

Mit dieser späten Fortführung der ursprünglichen Filme tat sich Horror-Regielegende Wes Craven nach Meinung vieler Fans keinen Gefallen. Und tatsächlich fällt „Scre4m" im Vergleich zu den Vorgängern ein gutes Stück ab. Dabei bleiben die Grundzutaten durchaus gleich: Mit viel Genuss wird die Story um einen brutalen Serienmörder genutzt, um Genre-Klischees zu reflektieren und wiederholt aufzubrechen. Dem ironischen Spiel mit bekannten Versatzstücken wird hier gar die Krone aufgesetzt, indem eine Meta-Ebene eingebaut und gleich mehrfach offen thematisiert wird: So beginnt der Streifen mit einer Film-im-Film-im-Film-Sequenz, die wirklich clever konstruiert und mit bekannten Gaststars besetzt ist und so dem geneigten Genre-Freund viel Spaß bereiten kann.

Allerdings zeigt sich gerade durch dieses clevere Spiel mit den Fiktionsebenen bereits eine erste Schwäche: Denn alle drei „Filme" fangen so ziemlich gleich an - zwei Mädels allein zuhaus, ein Anruf, dann blutige Eskalation. Auch wenn dieses Prinzip in einer der drei Episoden radikal gebrochen wird, bleibt deutlich ein unfreiwilliges Eingeständnis zurück: Alle Slasherfilme funktionieren nach dem gleichen Prinzip und spulen die immer gleichen Sequenzen ab - und „Scre4m" selbst macht da keine Ausnahme!

Außerdem schaffen es Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor Kevin Williamson nicht, den Ausgleich zwischen selbstironischer Reflexion und ernstzunehmender Spannung hier aufrecht zu erhalten, wie es noch die ersten drei Filme so perfekt gekonnt hatten. Die meisten Spannungsszenen werden hier der Ironie oder direkt brachialem Slapstick geopfert - wenn etwa gleich zwei Mordopfer beim Sterben noch einen lustigen Oneliner raushauen müssen. Das macht den vierten Teil beinahe zur reinen Parodie auf sich selbst; als Zuschauer fällt es schwer, die Story überhaupt noch ernst zu nehmen. Das schadet der eigentlichen Spannung, zumal viele Grusel- und Kampfsequenzen mit reichlich hämmernder Spannungsmusik unterlegt werden, was innerhalb der ironischen Selbstauflösung dann doch schon wieder ein Klischee ist. Insgesamt schafft es der vierte Teil der Reihe nicht, sich aus seiner ironisch-parodistischen Attitüde zu befreien, wodurch er an Spannung, Glaubwürdigkeit und Tiefgang verliert.

Spaß kann das alles trotzdem machen, vor allem eingefleischten Genre-Fans. Die Splatterszenen fallen durchaus deftig aus, die Dialoge bersten schier vor genre-theoretischen Diskussionen und Gags, und wie gewohnt gibt es von Namen über Hintergrunddetails bis zu Kameraeinstellungen und ganzen Sequenzen haufenweise Anspielungen und Zitate auf diverse Klassiker des Horrorfilms. Für den Genre-Fan kann das ein richtig lustiges Ratespiel werden, wer alle Hinweise erkennt und zuordnen kann.

Außerdem macht der illustre Cast seine Sache einmal mehr ziemlich gut, die Inszenierung bleibt formal weit über üblichem Horror-Niveau und die Schlussauflösung verbeugt sich recht gelungen vor dem legendären Original - bis zur letzten Einstellung werden hier typische Genre-Klischees gebrochen und dies auch offen thematisiert. Für kurzweilige Unterhaltung kann „Scre4m" also durchaus sorgen, auch wenn er deutlich hinter der grandiosen Original-Trilogie und auch dem starken fünften Teil der Reihe zurückbleibt.

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