Review

Elf Jahre nach dem dem dritten Ableger der Reihe brachte Wes Craven einen weiteren Teil seines Meta-Slashers auf die Leinwand. Wie in den ersten beiden Beiträgen verfasste Kevin Williamson das Skript, was nach dem mediokren dritten Teil Hoffnung machte. An den genialen Erstling reicht Nummer vier zwar nicht heran, die schlechteste Fortsetzung der Reihe ist das hier aber immerhin nicht.

„Don't fuck with the original.“

Sidney Prescott kehrt in das Städtchen Woodsboro zurück. Sie präsentiert ihr neues Buch, das sich mit ihrer Vergangenheit und somit auch mit den schrecklichen Ereignissen, die sich vor einigen Jahren zugetragen haben, befasst. Bald nach ihrer Ankunft geschehen erneut Morde, ein neuer Ghostface-Killer scheint sein Unwesen zu treiben und so wird nicht nur Sidneys Cousine Jill in die Ereignisse gezogen, sondern auch einige alte Bekannte, die immer noch in Woodsboro leben.

So gibt es ein Wiedersehen mit Dewey (David Arquette) und Gale (Courtney Cox). Doch es beginnt erst einmal klassisch mit einem Anruf und einem Gespräch über Genrefilme, hier zwischen zwei jungen Damen, die sich über „Saw IV“ austauschen. Es wird also im vierten Teil von „Scream“ über einen anderen Viertling hergezogen, weil es dort ob der fehlenden Bindung zu den Figuren völlig egal ist, wer da weggemetzelt wird. Ein passender Einstieg, denn hier wird es nicht anders laufen. Erwartbar nicht der letzte (auch sich selbst kommentierende) Metawitz in dieser wieder von Wes Craven inszenierten Fortsetzung des Franchises, das 1996 seinen Anfang nahm.
Nach so einer langen Pause ist es nicht verwunderlich, dass „Scream“ anno 2011 überwiegend von seiner eigenen Vergangenheit lebt. Er variiert etablierte Mechanismen und Muster, kann sich jedoch dabei auf die bekannten Figuren verlassen. Die Neuzugänge bleiben allesamt blass, was man besonders im letzten Drittel merkt, wenn diese alleine miteinander agieren. Da fehlt es an Verve und immer wieder bin ich froh, wenn die alte Garde auftritt. Insbesondere Dewey ist und bleibt ein Sympathieträger.

Die Geschichte selbst weiß um ihre Begrenztheit, ihre Wiederholung, das gehört quasi zum Konzept. Ausformuliert in einer Episode mit dem Cinema Club, wo es einen zu kurzen Exkurs zum Thema Remake und / oder Reboot gibt – letztlich entlarvt sich „Scream IV“ hier (absichtlich) ebenfalls als solche. Nicht die einzige Reverenz zum Thema Film. Da diskutieren Figuren ihre Entsprechungen in Filmversionen, dauerndes Streaming erinnert an das nach Aufmerksamkeit heischende Dasein als Influencer. Wobei die Headset-Kamera schon grenzdebil aussieht und es schwer vorstellbar ist, dass man damit im Erscheinungsjahr meinte, auf der Höhe der Zeit zu sein. Dennoch sind diese kleinen Szenen gern gesehen, denn wirken sie auch etwas aufgesetzt, so ist das Thema letztlich ein Kernelement des Films, das sich so den sozialen Medien annimmt und auch auf das Schaffen von medialen Inhalten und nicht nur den reinen Konsum Bezug nimmt. 

Die Kopie als Konzept, das trifft auch auf das Ende zu. Dieses biedert sich einem der Vorgänger an, jedoch ohne dessen Finesse und Spritzigkeit. Es will dann auch noch einen draufsetzen und hier offenbaren sich dann die Grenzen der gelungenen Selbstkopie, wirkt dies doch zu lang ausgewalzt in dieser Remake-Reboot-Sequel-Konstruktion. Auch wenn das Skript dies weiß und wieder kommentiert, den gelungenen Absprung hat Cravens letzte Regiearbeit hier leider schon verpasst.
Gelungen ist hingegen die Effektarbeit. Manch saftig-blutige Sequenz, wenn auch nicht übertrieben hart, gibt es zu sehen. Die Umsetzung ist stimmig, das Fehlen des Songs „Red Right Hand“ wird bemerkt, insgesamt ist die Untermalung so okay wie unauffällig.

„I don't need friends. I need fans.“

Der vierte Teil der Reihe gibt sich gewohnt selbstreferentiell, was bei „Scream“ ja auch zum guten Ton gehört. Trotzdem leidet der erneute Aufguss nach einer elfjährigen Pause an einem zwar bemüht kurzweiligen und dennoch wenig spannenden Plot. Die neuen Figuren sind schnell wieder vergessen und so lebt das hier von der alten Garde, die die Szenerie bereichert. Unterhaltsam ist das dennoch und sicherlich nicht die schwächste Fortsetzung. Aus dem Schatten des Erstlings schafft es aber auch diese Neuauflage nicht annähernd heraus.

Details
Ähnliche Filme