Review

„Schloss des Grauens“, ein typischer reißersicher deutscher Titel, ist viel besser als uns der Name weismachen will. Mit von der Partie: Christopher Lee.


Durch einen Schrei wird Mary in der Nacht wach. Kein normaler Schrei, so macht sich Mary auf den Weg. Was sie entdeckt lässt sie gleich in Ohnmacht fallen. Im Folterinstrument „eiserne Jungfrau“ steckt eine Frau ohne Augen.
Mary kommt erst wieder in ihrem Bett zu Bewusstsein. Alles war nur ein Traum meint ihr Mann Max und der behandelnde Arzt. Doch Mary kann weder ihrem Mann Max nicht glauben. Oder der Diener Erich (Christopher Lee) trägt nicht gerade zu ihrer Beruhigung bei, ist er doch gezeichnet durch den Krieg. Als Max das Schloss wieder verlassen muss, macht sich Mary auf die Suche und wird fündig. Ein Mann mit Kapuze, der sogenannte Henker, schleicht durch das Schloss und foltert alle zu Tode....


Antonio Margheriti schuf schon in den frühen 60ern einen interessanten Horrorfilm mit dem damaligen aufkommenden Horror-Star Christopher Lee, der hier zwar keine Hauptrolle mimt, aber auch nicht verheizt wird.
So entstand ein netter Gruselfilm, der für die damalige Zeit recht harte Kost bot. Zwei recht graphische Morde werden uns präsentiert, die zwar heute niemanden mehr schocken, aber für die Zeit schon beachtlich waren und ihre Wirkung nicht verfehlen.
Hinzu kommt die exzellente Kameraarbeit von Antonio Margheriti. Dadurch baut Margheriti eine düstere und unheimliche Atmosphäre auf, unterstützt durch die Musik von keinem geringeren als Riz Ortolani, der jedem Italienkenner natürlich ein Begriff ist. Handwerklich überzeugt „Schloss des Grauens“ also auf ganzer Linie.

Was nicht überzeugt ist die deutsche Fassung, so muss man es sagen. Im Zeitalter der DVD hat man zum Glück nicht mehr das Problem mit anderen Tonspuren. Dies ist bei „Schloss des Grauens“ auch notwendig. In der alten, geschnittenen deutschen Fassung wird der Film inhaltlich recht stark verfremdet, indem man ihn inhaltlich einfach abänderte und die Passagen, die nicht passten, mussten eben rausgekürzt werden, Mehr dazu im...

SPOILER!
Der Henker, der durch die Gänge streift, ist in Wirklichkeit Max’ Vater. In der deutschen Fassung wird uns weisgemacht, dass der Mann durch eine Kriegsverletzung verrückt wurde. Dies erklärt natürlich nicht im geringsten sein Aussehen. Im Original nämlich war der Vater ein deutscher General, der ein Attentat auf Hitler verübte. Dieses misslang aber, so wurden die betreffenden Person verhaftet und umgebracht. Max’ Vater aber wurde von den wahnsinnigen Nazi-Ärzten operiert und gefoltert. Man zog sein ganzes Fleisch vom Schädel, so dass dieser nur noch kahl zurückblieb.
SPOILER ENDE!

Dies alles erfährt man aber nur in der italienischen Fassung, weil man mit so was in Deutschland nicht klar kam. Auf DVD erhält man nun die komplette Fassung, die neuen Stellen kann man sich nur untertitelt ansehen. Die italienische Fassung ist aber eh die bessere Wahl. Christopher Lees Originalstimme hört man eh nie, egal in welcher Fassung, selbst in der englischen Fassung wurde er noch mal neu synchronisiert. Die italienischen Sprecher wirken auch viel normale rund passen mehr zum Geschehen als die meiner Meinung nach schlechte deutsche Synchro.
Ebenfalls negativ ist, dass teilweise Namen komplett verändert wurden. So heißt Max in der deutschen Fassung Burt, auch andere Darsteller tragen andere Namen. Der Diener heißt im Original Fritz und nicht Fred. So sollte wohl der deutsche Ursprung komplett untergehen. Leider sind die Untertitel nicht immer ganz auf der Höhe, so werden teilweise Namen aus beiden Fassungen benutzt. So heißt der Diener in den Untertiteln weiter Fred (obwohl deutlich Fritz zu hören ist), aber Marys Mann Max. Warum das so gehandhabt wurde, keine Ahnung. Jedenfalls sollte man sich die italienische Fassung anschauen, dann hat man diese Probleme nicht.


Fazit: „Schloss des Grauens“ ist ein Gruselklassiker der besten Sorte, der aber nur in der Originalfassung richtig Spaß macht und natürlich auch ein Finale bietet, inklusive Demaskierung des Henkers. Fans italienischer oder Hammer’scher Filmkunst werden zufrieden sein.

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