Es wäre einfach, Joe Cornishs ersten Kinofilm in die Reihe der skurrilen englischen Komödien des Teams Pegg/Frost einzuordnen, denn er hatte in deren Filmen mehrfach mitgewirkt und Nick Frost übernahm in "Attack the block" eine wichtige Nebenrolle. Auch die Thematik des Films scheint sich nahtlos in deren liebevollen Karikaturen des Kriminal- oder Science-Fiction-Genres einzureihen, denn schon in der ersten Szene landet ein Alien in den Straßen Londons, das wie eine Mini-Variante des berühmten "Aliens" aus der gleichnamigen Filmreihe daher kommt, sich aber als deutlich harmloser herausstellt, von Moses (John Boyega), dem Boss einer Jugendgang gekillt wird, und als Trophäe wie ein Rucksack davon getragen wird.
Entsprechende Stimmen im Internet ziehen deshalb Vergleiche zu "Shaun of the dead", könnten aber nicht mehr daneben liegen und zeugen nur von deren geringen Bereitschaft, genauer hinter äußerliche Ähnlichkeiten zu sehen. Der skurrile Humor, der auch in "Attack the block" vorhanden ist, zitiert nur sehr begrenzt typische Genre-Werke und ist nie einfach nur komisch, sondern basiert auf einer sehr genauen Darstellung der sozialen Verhältnisse in einem typischen Londoner Wohnblock, der größtenteils von Menschen bewohnt wird, die am Rande der englischen Gesellschaft leben. Der Überfall der fünfköpfigen Jugendgang auf die junge Krankenschwester Sam (Jodie Witthaker) ist deshalb weder ironisch, noch irgendwie erheiternd, sondern nur realistisch, einzig das plötzliche Landen eines unbekannten Flugobjekts in einem seitlich geparkten Auto unterbricht das Szenario und ermöglicht Sam die Flucht.
Der Witz, mit dem Cornish solche Situationen bricht, macht erst den Aberwitz einer Realität deutlich, in der ein minderjähriges Bandenmitglied während der Jagd auf ein Opfer, seiner Mutter am Telefon verspricht, auf jeden Fall um zehn Uhr zu Hause zu sein. Diese Art des Humors durchzieht den gesamten Film, der zwar von der lässigen Art seiner Protagonisten lebt, die inmitten einer Welt, in der nur die Hierarchien des Stärkeren gelten, nie auf den Mund gefallen sind, der aber gleichzeitig deren sozialen Hintergrund nicht beschönigt. Angesichts der realen Ereignisse in England, in der es zu tagelangen Straßenschlachten gekommen ist, wirkt der Film geradezu prophetisch in seiner Beschreibung einer Umgebung, in der die Regeln der zivilisierten Gesellschaft nicht mehr zu gelten scheinen.
Sehr genau trifft der Film auch die Tatsache, dass die jungen Protagonisten ihre Situation keineswegs kritisch sehen - für sie ist diese Art des Lebens ihre Realität, in die sie hinein geboren wurden. Selbst als Sam längst zu ihnen gehört im Kampf gegen die Aliens, geben sie ihr nur sehr widerwillig die gestohlenen Sachen wieder - von schlechtem Gewissen oder gar einer ernst gemeinten Entschuldigung keine Spur, was in einem solchen Moment natürlich auch komisch wirkt. Denn trotz des ernsthaften Hintergrunds will "Attack the block" auch einfach unterhalten und bedient klassische Szenarien, wie die Situation, in der der harmlose Kiffer Brewis (Luke Treadeway) nicht mit den viel jüngeren Mitgliedern der Gang in den Aufzug steigt, sondern auf den nächsten wartet. Er ist der schwächere, wie auch sein Kumpel Ron (Nick Frost), ebenfalls eher ein passiver Typ, hier keine wirklich komische Figur abgibt. Vieles in "Attack the block" erinnert an ähnliche Werke, aber der Film ist immer einen Tick näher an der Realität.
Für die fantastischen Elemente sind ausschließlich die Aliens zuständig, die als zottelige schwarze Bären mit beleuchteten Gebissen daher kommen, deshalb aber keineswegs gemütliche Zeitgenossen sind. Man kann deren Auftauchen in dieser Umgebung durchaus symbolisch sehen, was der Filmtitel noch betont, denn hier wird ihre Welt angegriffen und die Jugendlichen sind keineswegs bereit, sich der scheinbaren Übermacht zu ergeben. Cornish schreckt nicht vor Härten zurück, erzeugt einen ordentlichen Blutzoll und dezimiert auch die Gruppe der Minderjährigen, aber sein Film bleibt immer im Gleichgewicht zwischen Action, Spannung, skurrilem Humor und einem realistischen Hintergrund. Natürlich gehören seine Sympathien den Jugendlichen, denen er auch einen abschließenden Erfolg gönnt, aber ohne deren sozialen Hintergrund zu verharmlosen (8/10).